Glaubenszeugen weisen den Weg zur sichtbaren Einheit
Zeugen des christlichen Glaubens können auch "Märtyrer" unserer Zeit sein, "die um des Evangeliums willen dem Unrecht entgegentraten und dabei den Tode fanden", wie Martin Luther King. © WCC/John TaylorDie Wiederentdeckung von Zeugnissen des Glaubens, die Männer und Frauen verschiedener christlicher Traditionen über Jahrhunderte hinweg abgelegt haben, war das Ziel, das rund achtzig Christen/innen aus verschiedenen Traditionen und Ländern in diesem Herbst im italienischen Kloster Bose zusammenführte.
In ihrer Botschaft an die Kirchen erklärten die Teilnehmenden des Symposiums "Eine Wolke von Zeugen": Es wäre "ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirche", wenn die verschiedenen Konfessionen gegenseitig ihre "Helden des Glaubens" anerkennen würden, "die ihr ganzes Leben hindurch Zeugnis von Christus abgelegt haben", und wenn sie Möglichkeiten fänden, ihrer gemeinsam zu gedenken.
Das Symposium war Teil eines gemeinsamen Projekts der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und des Klosters Bose.
Das Projekt stellt das Erbe heraus, das Männer und Frauen, die das Evangelium in ihren Leben vorgelebt haben, der Christenheit hinterlassen haben - ob man sie nun Heilige, Märtyrer oder Glaubenszeugen nennt.
Zu den Teilnehmenden des Symposiums vom 29. Oktober bis 2. November zählten international anerkannte Theologen/innen und Kirchenverantwortliche aus orthodoxen, römisch-katholischen und protestantischen Kirchen wie auch aus Pfingstkirchen.
Die Botschaft an die Kirchen stellt heraus, welch überzeugendes Beispiel für Versöhnung Menschen gegeben haben, die von ihren Mitchristen getötet wurden: "Buße und Vergebung für interkonfessionelle Gewalt in der Vergangenheit werden wahrscheinlicher, wenn wir gemeinsam über diejenigen nachdenken, die im Sterben ihren Verfolgern vergeben haben."
Die Botschaft enthält auch Vorschläge für Folgeaktivitäten wie beispielsweise eine alljährliche Gedenkfeier für Glaubenszeugen verschiedener Traditionen während der Gebetswoche für die Einheit der Christen oder an Allerheiligen. Eine andere Möglichkeit wäre die Aufnahme von Geschichten von Glaubenszeugen, Heiligen und Märtyrern in den Ökumenischen Fürbittkalender.
Ferner wurde vorgeschlagen, lokale Dialoge über Geschichten von Männern und Frauen aus verschiedenen Kirchen einzuführen, deren Leben beispielhaft gewesen ist, und gedrucktes wie Online-Material über das Leben dieser Glaubenszeugen zu veröffentlichen.
Zwar bestehen unterschiedliche Auffassungen in Fragen der Fürbitte von Heiligen, der Kanonisierung, der Verehrung von Heiligenreliquien und der Ablasspraxis. "Dennoch", so heißt es in der Botschaft, "besteht heute ein zunehmender Konsens, dass das Gedenken an die Glaubenszeugen als eine Quelle der Inspiration für alle kirchlichen Gemeinschaften stärker betont werden muss".
Vollständiger Wortlaut der Botschaft (auf Englisch)
ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung
Mehr Informationen zum Kloster auf der Website des Klosters Bose (auf Englisch)

