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Hinter der Welthungerkrise steckt Habgier: Kirchen müssen umgehend reagieren

10.06.08

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Photo: Paul Jeffrey/ACT-Caritas

Angesichts der Tatsache, dass 850 Millionen Menschen Hunger leiden und neunzig Prozent von ihnen in Entwicklungsländern leben, "müssen die Kirchen umgehend auf den Hungerskandal reagieren", erklärte der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pfarrer Dr. Samuel Kobia, vergangenen Donnerstag.

 

Da die "Ernährungssicherheit eine der größten Herausforderungen für die Menschheit" ist, schrieb Kobia, rufe der ÖRK "zutiefst besorgt und schockiert über diese unerträgliche Situation" die Kirchen auf, "Programme auszuarbeiten und umzusetzen, die gegen den Hunger und seine strukturellen Ursachen vorgehen". Die Kirchen sind unter anderem "aufgerufen, sich gegen die Herstellung von Biokraftstoffen zu wenden, die auf Kosten von Nahrungsmittelproduktion und Umwelt geht".

 

Kobia lobte die Entschlossenheit, mit der sich die hochrangigen Politiker auf der Welternährungskonferenz vom 3. bis 5. Juni 2008 in Rom "den Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsproduktion und Bioenergie zugewandt und sich mit den Herausforderungen beschäftigt haben, die diese Situation für das Ziel der weltweiten Nahrungssischerheit darstellt". Er begrüßte die Initiative und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die politischen Verwantwortlichen "ihr Engagement gegen Hunger und Armut demonstrieren und dies rechtzeitig zu konkreten Taten führt".

 

Der ÖRK-Erklärung zufolge ist die "primäre Ursache in unangemessenem menschlichen Handeln" zu suchen, "das den Klimawandel ausgelöst und zu explodierenden Nahrungsmittelpreisen geführt hat". Da die für Armut, Hunger und Klimawandel verantwortlichen Verhaltensweisen auf Habgier beruhten, erklärte Kobia, "muss die Menschheit aufgefordert werden, ihre Habgier zu überwinden".

 

Dazu sei die Infragestellung des "vorherrschenden Entwicklungsparadigmas" nötig, das den Markt zum Hauptmechanismus "für die Herstellung und Verteilung von Nahrungsmittel" erklärt, der in Wirklichkeit "habgierigen Unternehmen die Anreize liefere, um mit Rohstoffen (einschließlich Nahrungsmitteln) und Ölpreisen zu spekulieren".

 

Kobia kündigte an, der ÖRK-Exekutivausschuss werde sich auf seiner nächsten Tagung im September 2008 mit der Nahrungsmittelkrise befassen. Er erklärte, dass die Kirchen "sich gemeinsam der Welternährungskrise stellen müssten", wenn sie der "grundlegenden Rolle", die ihnen in diesem Zusammenhang zukomme, effektiv gerecht werden wollen.

 

Voller Wortlaut (auf Englisch) der Erklärung "Food and faith" des Generalsekretärs

 

Feature (auf Englisch) zur Reaktion der Kirchen auf die Nahrungskrise

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Kommentare

Andreas Riekeberg, Wolfenbüttel 25-08-09 19:31:
Gut, dass die Hungerkrise hier auf den ÖRK-Seiten zum Thema gemacht wird. Irritierend finde ich, dass die Mainstream-Begrifflichkeit verwendet wird, und nicht diejenige von Kleinbauernorganisationen, wie zB Via Campesina.
"Bio"-Treibstoffe (bio-fuels) sind a) kein bisschen "bio"=ökologisch, und b) verdrängen sie auf aggressive Weise den Anbau von Nahrungsmitteln. Daher passt die Bezeichnung "Agro-Treibstoffe" (agro-fuels) wesentlich besser.
Und Ernährungssicherheit (Versorgt werden) ist eben wesentlich weniger als Ernährungssouveränität (=das Recht auf selbstbestimmte Ernährung), wie sie von La Via Campesina gefordert wird.

Ich würde mich sehr freuen, wenn der ÖRK auch in der Begrifflichkeit sensibel wird und andere sensibilisiert anstatt in den Begriffen und damit auch Kategorien des Mainstream zu denken und zu informieren.
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