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Wahlen in Indien: Christen hoffen auf Überwindung von Gewalt

19.05.09

Die indische Gesellschaft ist zunehmend gespalten, erklärte John Suresh Kumar vom Synodalausschuss der Kirche von Nordindien für soziale Dienste.

Nach Angaben eines kirchlichen Mitarbeiters in Indien war die Gewalt gegen Christen, die letztes Jahr im indischen Bundesstaat Orissa ausbrach, kein einmaliger Zwischenfall, sondern eine Folge gesellschaftlicher Spaltungen. Die Ergebnisse der jüngsten Wahlen geben Grund zur Hoffnung.

 

Die Welle der Gewalt, die nach der Ermordung eines bekannten radikalen Hinduführers im August 2008 – zu der sich maoistische Rebellen bekannten, für die militante Hindus aber Christen verantwortlich machten – ausgebrochen sei, mache deutlich, wie sehr die indische Gesellschaft entlang soziokultureller und religiöser Linien gespalten sei, erklärte John Suresh Kumar vom Synodalausschuss der Kirche von Nordindien für soziale Dienste am 13. Mai am Sitz des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf.

 

Laut Kumar war es hinduistischen Extremisten gelungen, "Stammesgemeinschaften in Kandhamal in Orissa, die nach wie vor in entwürdigender Armut leben", gegen christliche Dalits aufzuhetzen. Diese seien wirtschaftlich etwas besser gestellt als die Stammesbevölkerung in diesem Gebiet.

 

In den meisten Teilen Indiens ist die Mehrheit der Christen Dalits. Im indischen Kastensystem gelten Dalits nach den rituellen Traditionen der Brahmanen als "unrein" und damit als "unberührbar".

 

Kumar, der erst vor kurzem den Distrikt Kandhamal besucht hatte, erklärte, dass neun Monate nach dem dortigen Ausbruch der christenfeindlichen Gewalt Tausende von Flüchtlingen immer noch in Lagern lebten und keinen Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen hätten.

 

Soforthilfe sei für die Vertriebenen zwar unabdingbar, doch dürften die Kirchen es dabei nicht bewenden lassen, betonte Kumar, da Hilfe und Wiederaufbau nur dann nachhaltig sein könnten, wenn die Sicherheit wiederhergestellt sei.

 

Kumar zufolge trug die Regierung im Bundesstaat Orissa indirekt Mitschuld an der Gewalt "oder hat die Aufrührer zumindest nicht bestraft". "Daher ist es wichtig, dass die Kirchen auf nationaler und internationaler Ebene mit einer Stimme sprechen", fügte er hinzu.

 

Kumar hob hervor, wie wichtig es sei, Stammesgemeinschaften in Projekte mit einzubeziehen und sicherzustellen, dass nicht nur christliche Gewaltopfer von kirchlichen Hilfsanstrengungen, wie etwa Hausbauprojekten, profitierten. Nur so könne verhindert werden, dass sich Konflikte zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen weiter verschärfen. "Entwicklungsarbeit sollte die Grenzen zwischen Religionen und Bevölkerungsgruppen überschreiten."

 

Wahlen bringen neue Hoffnung

 

Der 13. Mai, an dem Kumar vor Mitarbeitenden des ÖRK und anderer in Genf ansässiger ökumenischer Organisationen sprach, war der letzte Abstimmungstag der Bundeswahlen in Indien. Das Ergebnis dieser allgemeinen Wahlen werde für die Herstellung von Frieden und Sicherheit in Orissa von entscheidender Bedeutung sein, betonte er.

 

Die Bürger und Bürgerinnen von Orissa wählten zudem eine neue Regierung ihres Bundesstaates. Diese wird eine Koalition ablösen, der auch eine rechte fundamentalistische Hindupartei angehörte.

 

Nach der Veröffentlichung der ersten Wahlergebnisse, die auf Bundesebene auf einen klaren Sieg der scheidenden säkularen Regierungskoalition über die hinduistische nationalistische Bharatiya Janata-Partei (BJP) hindeuteten, bekundete der Generalsekretär des Nationalen Kirchenrates in Indien (NCCI), Bischof Dr. Dhirendra Kumar Sahu, gegenüber dem Online-Nachrichtendienst Christian Today seine große Freude über dieses Ergebnis.

 

"Die BJP ist von der politischen Bühne in Orissa verschwunden", fügte er hinzu. "Die Christen in Kandhamal sind überglücklich, es gibt noch Zeichen der Hoffnung für sie."

 

John Suresh Kumar mahnt hingegen: "Es ist wichtig, dass wir die rechtsextremen Kräfte nicht unterschätzen – allein aufgrund der Wahlergebnisse. Sie könnten in Zukunft noch heftiger wieder zuschlagen."

 

Der ÖRK hat die Gewalt gegen Christen in Orissa wiederholt verurteilt, so auch während eines Treffens von ÖRK-Generalsekretär Pfarrer Dr. Samuel Kobia mit dem indischen Premierminister Dr. Manmohan Singh im Oktober 2008.

 

ÖRK-Mitgliedskirchen in Indien

 

Engagement des ÖRK in Solidarität mit den Dalits

 

Pressemitteilung: "Das Christentum ist Teil unseres nationalen Erbes", erklärt der indische Premierminister im Gespräch mit Kobia"

 

Erklärung des ÖRK-Exekutivausschusses (auf Englisch)

 

Spendenaufruf von ACT International (auf Englisch)