Theologische Ausbildung zur Stärkung der chinesischen Kirchen nötig
Der Präsident des Chinesischen Christenrates (CCC), Pfarrer Gao Feng, erklärte gegenüber Vertretern und Vertreterinnen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) bei deren Besuch in Beijing (Peking), dass die Kirchen in China sich einer Reihe von großen Herausforderungen gegenübersehen, darunter Stärkung der theologischen Ausbildung, Präsenz bei jungen Menschen und Sozialarbeit.
Pfarrer Gao Feng traf am Freitag, dem 16. Oktober, mit ÖRK-Generalsekretär Pfarrer Dr. Samuel Kobia zusammen, der auf dem Weg nach Nordkorea war, um den dortigen Kirchen einen Pastoralbesuch abzustatten.
Kobia erklärte gegenüber Gao, dass die zunehmende Bedeutung Chinas auf der Weltbühne nicht nur ein weiteres Anwachsen des politischen und wirtschaftlichen Einflusses des Landes zur Folge haben werde, sondern auch den chinesischen Kirchen eine wichtige Rolle in der ÖRK-Gemeinschaft von 349 Kirchen in aller Welt zuweise.
Gao ist mit 47 Jahren der jüngste Präsident in der Geschichte des Chinesischen Christenrates. Er hat sein Amt 2008 angetreten.
„Eine unserer Aufgaben ist, dass wir mehr Pfarrer ausbilden müssen“, sagte er. Gao berichtete, in seiner Heimatprovinz gebe es eine Gemeinschaft, in der ein einziger Pfarrer 40 000 Christen und Christinnen betreue.
Um dem abzuhelfen, seien die Kirchen bislang in ganz China auf Laien angewiesen, erklärte Gao. Es gebe ca. 150 000 Laien, die in Ortsgemeinden als Pastoren arbeiten, von denen die meisten allerdings „keine formale theologische Ausbildung haben“. Die Gemeinden in China wachsen schnell, fügte er hinzu, und deshalb haben wir so viele Laienprediger.
Infolge der Leitung durch nicht ausgebildete Laien hätten sich in einigen Ortsgemeinden und Räten ernsthafte Probleme ergeben. Er berichtete, dass in einer Provinz verkündet worden sei, Jesus sei bereits als junge Frau auf die Erde zurückgekommen.
Der Chinesische Christenrat ermutigt Ortsgemeinden und lokale Räte auch, sich stärker an Gemeinwesen- und sozialer Arbeit zu beteiligen, da dies „ein guter Weg (ist), das Evangelium zu verkündigen“, sagte Gao.
Laut Statistiken des CCC aus dem Jahr 2005 gibt es grob geschätzt 16-20 Millionen Prostestanten in China. Andere Gruppe behaupten, ihre Zahl betrage zwischen 40 und 100 Millionen.
Gaos Eltern, Großeltern und Urgroßeltern waren alle Christen. Auf eine Frage antwortete er, dass die Religionsfreiheit in der Verfassung zwar garantiert werde, Ortsgemeinden jedoch häufig gegen Diskriminierung durch Lokalpolitiker anzukämpfen hätten. Eine der Aufgaben des CCC sei es, die Zentralregierung auf diese Probleme aufmerksam zu machen.
„Es ist klar, dass die Ortsgemeinden und Räte etwas unternehmen möchten“, fügte Gao hinzu.
Der CCC-Präsident sieht eine weitere Aufgabe in der Präsenz bei jungen Menschen, die in die Kirchen kommen und großes Interesse für das Christentum zeigen. „Die Herausforderung besteht für uns darin, ihnen die richtige Betreuung anzubieten“, sagte er und wies darauf hin, dass sich ein Muster erkennen lasse: junge Menschen kämen zwar mehrmals in die Kirche, blieben aber weg, wenn sie sich durch die Unterweisung nicht wirklich angesprochen fühlten.
„Die jungen Leute in den Großstädten sind durchweg empfänglich für das Christentum, manche wollen mehr darüber erfahren“, sagte er. „Zum Beispiel wollen mehr junge Menschen eine kirchliche Trauung, selbst wenn sie keine Christen sind.“
Nach der Begegnung mit Pfarrer Gao Feng reiste Dr. Kobia am Samstag, dem 17. Oktober, weiter nach Nordkorea. Er wird begleitet von den ÖRK-Stabsmitgliedern Mathews George Chunakara, Christina Papazoglou, Mark Beach und Peter Williams sowie vom Generalsekretär der Asiatischen Christlichen Konferenz, Dr. Prawate Khid-arn.
"ÖRK-Delegation besucht Nordkorea"
Chinesischer Christenrat (auf Englisch)
ÖRK-Mitgliedskirchen in China (auf Englisch)


