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Psychische Gesundheit als Gemeinschaftsaufgabe

10.10.08

Mentale Gesundheitsaspekte müssen auch bei der Nothilfe berücksichtigt werden. Foto: Mitarbeiterinnen von Christian World Service informieren sich über die Situation nach Überschwemmungen in Pakistan.

Der Gemeinschaft kommt bei mentalen Störungen eine wichtige Rolle zu, erklärten einstimmig Fachleute, die im Ökumenischen Zentrum in Genf anlässlich des Welttags für psychische Gesundheit das Wort ergriffen.

 

"Die massiven Migrationsströme unserer Zeit und das Auseinanderbrechen von Familienstrukturen haben zur Folge, dass sich immer mehr Menschen selbst in den größten Menschenmengen allein fühlen", sagte Dr. Manoj Kurian, Referent des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) für Gesundheit und Heilen.

 

Deshalb, so Kurian, rufen Mitarbeitende in kirchlichen Gesundheitsdiensten immer nachdrücklicher nach Strategien für den Umgang mit den aus dieser Situation resultierenden mentalen Gesundheitsstörungen. 

 

Für solche Probleme "eignet sich am besten ein Team-Ansatz", fügte er hinzu, der sowohl Glaubensgemeinschaften als auch die beruflichen und privaten Kontaktnetze der Betreffenden einbezieht.

 

Dr. Claire Colliard, geschäftsführende Direktorin des Zentrums für humanitäre Psychologie, das humanitäre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen psychologisch betreut, tritt ebenfalls für einen gemeinschaftsbezogenen Ansatz ein.

 

"Unser Ziel ist es, die Menschen in ihre Beziehungen zurückzuführen. Nachdem sie schreckliche Dinge mit ansehen mussten, kapseln sich viele Menschen völlig ab", erklärte sie.

 

Dr. Adebisi Adebayo vom Interafrikanischen Ausschuss für Fragen traditioneller Praktiken, die die Gesundheit von Frauen und Mädchen gefährden, erinnerte die Zuhörenden daran, dass "das Problem in einigen Teilen der Welt nicht so sehr ein Zuwenig an Interaktion ist, sondern vielmehr die Tatsache, dass in einem kleinen Dorf alles beobachtet wird".

 

Adebayo wiers auch darauf hin, dass häufig ein enger Zusammenhang zwischen mentalen Gesundheitsproblemen und kulturellen Erwartungen und Klischees bestehe. Sie stellte heraus, dass in Fällen, wo sich eine Gemeinschaft hinter eine Frau stellt, die z.B. vergewaltigt wurde, Probleme wie Depressionen vermieden oder gemildert werden können.

 

Weltweit ist jeder vierte Mensch einmal in seinem Leben von mentalen Gesundheitsproblemen betroffen. Laut der Weltgesundheitsorganisation werden über 75% der Menschen in Entwicklungsländern, die unter psychischen Störungen leiden, nicht behandelt oder gepflegt. 

 

Mentale Gesundheit ist auch das Thema der nächsten Ausgabe der ÖRK-Veröffentlichung Contact.

 

Das Seminar am 10. Oktober zum Thema "Mentale Gesundheit als globale Priorität" war eine gemeinsame Veranstaltung des NGO-Forums für Gesundheit, des NGO-Ausschusses zum Status der Frau sowie des ÖRK.

 

ÖRK-Arbeit zu mentaler Gesundheit

 

Das Magazin Contact

 

NGO-Forum für Gesundheit

 

NGO-Ausschuss zum Status der Frau