ÖRK begrüßt Schuldenerlass der G7-Staaten für Haiti und ruft den IWF auf, dem Beispiel zu folgen
Eine Frau wartet auf Essen und Hilfsgüter, die durch den Lutherischen Weltbund im Santa Teresa-Camp in Petionvillen, Haiti, verteilt werden. Foto: Paul Jeffrey/ACT Alliance.Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) begrüßt die Initiative der sieben führenden Industriestaaten (G7), die sich am vergangenen Wochenende verpflichtet haben, Haitis Schulden bei den G7-Mitgliedsstaaten zu erlassen. In einem Schreiben des ÖRK-Generalsekretärs, Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit, ruft der ÖRK auch den Internationalen Währungsfonds (IWF) und andere internationale Finanzinstitutionen auf, dem G7-Beispiel zu folgen und sicherzustellen, dass die finanzielle Unterstützung für Haiti „als Zuwendung erfolgt und nicht neue Schulden schafft“.
Tveit begrüßte und würdigte die G7-Initiative in einem Schreiben an den kanadischen Finanzminister James M. Flaherty, den Gastgeber der jüngsten G7-Tagung in Kanada. Anerkennungsschreiben gingen auch an die Finanzminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Japans und der Vereinigten Staaten. Tveit brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die G7-Initiative „weitere Länder und multilaterale Institutionen ermutigt, sich zum bedingungslosen Erlass der Schulden Haitis zu verpflichten“.
Am 12. Januar wurde die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince von einem Erdbeben heimgesucht, bei dem Angaben zufolge schätzungsweise 200 000 Menschen getötet, 250 000 weitere verletzt und 1,5 Millionen obdachlos wurden.
Im Zusammenhang mit dem IWF äußerte Tveit seine Besorgnis, dass „weitere Darlehen“ seitens der Finanzinstitution „Haitis Last“ nur noch vergrößern würden. Er bedauerte, dass der IWF keine „klare Bereitschaft“ gezeigt, noch „definitive Maßnahmen ergriffen“ habe, „um die gegenwärtigen Schulden des Landes zu streichen“.
IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn hatte am 20. Januar erklärt, die Institution „arbeitet mit allen Gläubigern zusammen, um auf die Streichung sämtlicher Schulden Haitis hinzuwirken“, einschließlich des jüngsten zinslosen IWF-Darlehens in Höhe von US-$ 100 000 Millionen. „Wenn uns das gelingt - und dessen bin ich sicher -, dann wird sich auch dieses Darlehen letztlich als Zuwendung erweisen, weil alle Schulden erlassen sein werden“, sagte Strauss-Kahn.
Die IWF-Beamten haben seither weit weniger Begeisterung gezeigt als ihr Chef. Am 27. Januar machte die IWF-Missionschefin für Haiti, Corinne Deléchat, den Schuldenerlass von der Einschätzung der erforderlichen Katastrophenhilfe abhängig, die im Februar vorgenommen werden soll, und erklärte, dass mit einem Schuldenerlass „im Hinblick auf den Bedarf wenig“ erreicht werden kann.
Am 4. Februar erklärte IWF-Sprecherin Caroline Atkinson, ein Schuldenerlass “steht im Augenblick nicht auf der Tagesordnung“, da „Haiti zurzeit und noch mindestens zwei Jahre lang keine Schulden beim IWF bedienen muss“.
In seinem Schreiben an die G7-Minister wiederholte Tveit den Aufruf des ÖRK, zu einem „sofortigen und vollständigen Schuldenerlass für Haiti, da das vom Erbeben heimgesuchte Land einen umfassenden Plan für Wiederaufbau, Armutsbeseitigung und nachhaltige Entwicklung braucht“.
Ferner rief er die internationalen Finanzinstitutionen auf, „dringende Maßnahmen zu ergreifen, um die Schulden Haitis zu erlassen“, und sicherzustellen, dass „alle finanzielle Unterstützung für Haiti als Zuwendungen erfolgt und nicht neue Schulden schafft“.
Tveit wiederholte auch das Engagement der ökumenischen Familie für die langfristigen Bedürfnisse Haitis. Kirchen und kirchliche Organisationen in aller Welt haben sich seit der Katastrophe an der Nothilfe beteiligt, insbesondere durch das ACT-Bündnis, einem weltweiten ökumenischen Aktionsbündnis von Kirchen und kirchlichen Diensten und Werken, die in den Bereichen Nothilfe und Entwicklung arbeiten. Das Bündnis ist eine Partnerorganisation des ÖRK.
Vollständiger Wortlaut des ÖRK-Schreibens an die G7-Finanzminister (auf Englisch)
ÖRK-Mitgliedskirchen in Haiti und ökumenische Reaktion
Mehr Informationen über die ökumenische Reaktion durch das ACT-Bündnis (auf Englisch)
Hintergrundinformationen zu Haitis Auslandsschulden (auf Englisch)

