Neue ÖRK-Erklärung zu Mission und Evangelisation in Arbeit
Dr. Mercy Amba Oduyoye, ehemalige stellvertretende Generalsekretärin des ÖRK, auf der CWME-Tagung in GhanaDer erste Entwurf einer neuen Missionserklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) stand im Mittelpunkt einer Tagung der 25-köpfigen Kommission für Weltmission und Evangelisation (CWME), die vom 22. bis 26. November auf dem Gelände der Universität von Ghana in der Nähe von Accra stattfand.
Der vorläufige Text der Erklärung wird im März 2012 in Manila auf einer größeren Missions- und Evangelisationstagung im Vorfeld der Vollversammlung weiter bearbeitet und schließlich auf der nächsten ÖRK-Vollversammlung 2013 in Busan (Korea) vorgelegt werden.
Auf ihrer Tagung in Ghana feierte die Kommission auch das 50-jährige Jubiläum der Angliederung des früheren Internationalen Missionsrats (IMR) an den Ökumenischen Rat der Kirchen und die Einrichtung der CWME, eine Entwicklung, die 1958 in Achimota (Ghana) begann und 1961 auf der 3. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Neu-Delhi abgeschlossen wurde.
Die Einrichtung der CWME war Teil eines bis heute andauernden Prozesses, dessen Ziel es ist, größere Einheit zwischen selbstständigen Missionswerken und der Kirche als ganzer herzustellen. Das sei notwendig, erklärte CWME-Schriftführer Pastor Dr. Jooseop Keum, „weil die Mission zum eigentlichen Wesen der Kirche gehört“.
Gegenwärtig tagt die CWME alle 18 Monate. In ihr vertreten sind ÖRK-Mitgliedskirchen sowie Mitglieder aus der römisch-katholischen Kirche, Pfingstkirchen und evangelikalen Gruppen.
Bei der Vorbereitung des Erklärungsentwurfs erkannten die Kommissionsmitglieder an, dass die Bemühungen um Einheit in der Mission, die unter Missionseinrichtungen und der Kirche herrschen sollte, eine unvollendete Aufgabe darstellen. Die Gruppe stellte ebenfalls fest, dass die Formulierung der Erklärung zu Mission und Evangelisation noch weitere Arbeit erfordert.
Die letzte verbindliche Erklärung, die der ÖRK zu Mission und Evangelisation abgegeben habe, so Keum, stamme aus dem Jahr 1982. „Nach drei Jahrzehnten hat sich der Kontext, in dem Mission und Evangelisation stattfinden, verändert“, erklärte er. Die letzten beiden Vollversammlungen des ÖRK, 1998 in Harare (Simbabwe) und 2006 in Porto Alegre (Brasilien), hätten diesem Thema relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Mit der nun angelaufenen Vorbereitung einer neuen Erklärung sowie Planungen für Missions-Workshops auf der Vollversammlung in Busan sei sichergestellt, so Keum, dass das Thema Mission und Evangelisation integraler Bestandteil dieser nächsten ÖRK-Vollversammlung sein werde.
Die CWME-Erklärung, die bis zur Märztagung nur im Entwurf vorliege, werde diese Bedeutung und andere Veränderungen, die in den letzten fünf Jahrzehnten im Bereich Mission und Evangelisation eingetreten seien, bekräftigen, betonte Keum.
Er wies darauf hin, dass die Erklärung auf fünf Eckpunkten aufbaue und auch anerkenne, dass die Hauptstoßrichtung der Mission in Zukunft nicht mehr vom Zentrum privilegierter Gesellschaften zu den Rändern verlaufe, sondern dass die Mission von den Menschen am Rand ausgehen werde.
Mission beginnt mit Gottes Schöpfung
Am Anfang der Erklärung wird die Aussage stehen, dass Mission nicht auf einem engen anthropozentrischen Ansatz basiert, sondern dass ihr Ausgangspunktpunkt die ganze Schöpfung Gottes ist.
Die Rolle der Evangelisation wird in der Erklärung bekräftigt werden, insbesondere im Zusammenhang mit dem interreligiösen Dialog und dem Dokument Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt: Empfehlungen für einen Verhaltenskodex, das im letzten Juni gemeinsam vom ÖRK, der römisch-katholischen Kirche und der Weltweiten Evangelischen Allianz veröffentlicht wurde.
Mit dem Ziel, weiter an der Einheit zwischen Missionseinrichtungen und der Kirche zu arbeiten, wird die Erklärung dazu aufrufen, die Mitgliedschaft in der CWME zu erweitern und mehr Vertreter/innen von Missionseinrichtungen, nationalen Kirchenräten und anderen Partnern einzubeziehen.
Schließlich wird die Erklärung zum Ausdruck bringen, dass wirtschaftliche und ökologische Anliegen ebenfalls zur Mission der Kirche gehören, da die Kirche versucht, ihre Mission innerhalb der Schöpfung Gottes zu erfüllen.
All dies wird den Mitgliedern und angegliederten Mitgliedern der CWME, den Delegierten von Missionseinrichtungen und Missionstheologen/innen – insgesamt an die 200 Personen - im März 2012 in Manila vorgelegt und anschließend an die ÖRK-Vollversammlung 2013 weitergeleitet werden.
In einer Feier zum Jubiläum des Zusammenschlusses von IMR und ÖRK am Sonntag, dem 27. November, beschrieb die ehemalige Stellvertretende ÖRK-Generalsekretärin und Theologin aus Ghana, Dr. Mercy Amba Oduyoye, die Veränderungen im Bereich der Missionsarbeit. Gleichzeitig bekräftigte sie das, was im Zentrum der Mission steht und immer stehen wird.
„Jesus sendet uns aus, so wie Gott ihn ausgesandt hat“, sagte sie.
„Nach dem Lukasevangelium hat Gott Jesus gesandt, um den Armen die gute Nachricht zu bringen, die Zerbrochenen zu heilen, den Gefangenen Freiheit und den Blinden das Augenlicht zu predigen, die Zerschlagenen zu befreien und das Jahr des Wohlgefallens, das Gnadenjahr, des Herrn zu verkündigen“, fuhr sie fort.
Egal, für welche Übersetzung man sich entscheide, betonte sie, „Gott hat Jesus gesandt, um die Menschen aus Situationen zu befreien, die nicht die Liebe Gottes widerspiegeln, und sie in die Herrlichkeit der Kinder Gottes, die nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, zu führen“.
Falls die neue Erklärung des ÖRK über Mission und Evangelisation den Eindruck erwecke, Mission und Evangelisation seien für die Kirche eine leichte Aufgabe, so würde dieser Eindruck schnell korrigiert, stellte Oduyoye klar.
„Jesus hatte es nicht leicht mit Gottes Mission“, sagte sie.
„Es war nicht leicht für Moses, es war nicht leicht für den wahren Propheten, es war nicht leicht für den biblischen Propheten, es war nicht leicht für Jesus, es war nicht leicht für die ersten Jünger und es wird nicht leicht für uns sein, wenn wir der wahren Mission die Treue bewahren und die heutigen Mächte und Gewalten mit der Wahrheit konfrontieren“, schloss Oduyoye.
Die nächste Tagung der CWME nach der Vorbereitenden Konferenz zur Vollversammlung in Manila wird im März 2013 auf den Cookinseln stattfinden.
Lesen Sie auch:
The world of mission and evangelism experiences big changes (ÖRK-Pressemitteilung vom 29. November 2011)
Kommission für Weltmission und Evangelisation
Fotos zur Illustration des Artikels erhältlich unter photos.oikoumene.org

