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Kirchen in aller Welt bereiten Hundertjahrfeier der ersten Weltmissionskonferenz vor

14.05.09

Diese Einladung zu "Alpha Kursen" über die Grundlagen des christlichen Glaubens ist ein Beispiel von Strassenmission in Schottland heute. Foto: ÖRK

Von Juan Michel (*)

 

Zur Vorbereitung des hundertjährigen Jubiläums der ersten Weltmissionskonferenz im Jahr 2010 beteiligen sich Kirchen, theologische Einrichtungen und Missionswerke in aller Welt an einem globalen Studienprozess.

 

An der ersten Weltmissionskonferenz, die 1910 im schottischen Edinburgh stattfand, nahmen circa 1200 Personen teil, die primär die westliche Missionsbewegung vertraten. Neben dem Thema der Evangelisation, das im Mittelpunkt dieser historischen Versammlung stand, betonten die Delegierten auch die Bedeutung von Zusammenarbeit und Einheit der Kirchen.

 

"Edinburgh 2010 wird wegen dieser Betonung der Einheit von vielen als symbolischer Ausgangspunkt der zeitgenössischen ökumenischen Bewegung gesehen, obwohl damals weder orthodoxe noch katholische Delegierte anwesend waren", erklärt Nayiri Baljian, eine armenisch-orthodoxe Christin aus den USA. "Im Gegensatz zu 1910 freuen wir uns für 2010 auf eine Veranstaltung und einen vorbereitenden Studienprozess, die viel umfassender und repräsentativer für die Weltkirche sein werden."

 

Baljian ist Mitglied der Kommission für Weltmission und Evangelisation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). In dieser Eigenschaft ist sie auch im Allgemeinen Rat für Edinburgh 2010 vertreten, dessen Aufgabe es ist, die weltweiten Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum der Weltmissionskonferenz im Auftrag eines Netzwerks von Beteiligten zu koordinieren, zu denen Kirchen, weltweite christliche Gemeinschaften, regionale Vereinigungen von theologischen Institutionen und internationale Missionseinrichtungen gehören.

 

Eine Schlüsselposition unter den Aktivitäten zum hundertjährigen Jubiläum nimmt ein Studienprozess zu neun Themen ein, die für die zeitgenössische Missionstheologie von zentraler Bedeutung sind. Dieser interkonfessionelle, weltweite Prozess wurde 2005 in Gang gesetzt und verfolgt einen dezentralisierten Ansatz, der die Beteiligung vieler Organisationen und Bewegungen ermöglicht.

 

Die Themen reichen von den Grundlagen christlicher Mission bis hin zu gegenwärtigen Formen missionarischen Engagements und schließen Aspekte wie interreligiöse, postmoderne und andere zeitgenössische Kontexte ein, in denen die Kirchen missionarische Arbeit leisten. Auch die Wechselbeziehungen zwischen Mission und Macht sowie Einheit und Spiritualität werden thematisiert.

 

"Der Studienprozess ist natürlich polyzentrisch und ganz global angelegt", betont die Koordinatorin des Studienprozesses, Dr. Kirsteen Kim. "Von acht der neun Arbeitsgruppen können wir sagen, dass sie international zusammengesetzt sind, und fast alle haben gezeigt, dass sie auch konfessionell repräsentativ sind."

 

Laut Kim "ist ein sehr breites Spektrum von Institutionen, kirchlichen Einrichtungen und Missionswerken in den Gruppen vertreten, und viele Studienzentren zur Erforschung des Weltchristentums und der weltweiten Mission sind in den Prozess Edinburgh 2010 eingebunden".

 

"Zusätzlich zum Hauptstudienprozess findet eine Reihe von Jubiläumsveranstaltungen in der ganzen Welt statt, die zwar vom Allgemeinen Rat gefördert, aber von den verschiedenen Kirchengemeinschaften in eigener Regie lokal geplant und gestaltet werden", erklärt der internationale Direktor von Edinburgh 2010, Dr. Daryl Balia, ein Missionstheologe aus Südafrika. "Das Thema des Jubiläums lautet: 'Heute Zeugnis von Christus ablegen'."

 

"Mit dieser dezentralisierten Gestaltung der Hundertjahrfeier wollen wir der Entwicklung Rechnung tragen, die die weltweite Kirche in den letzten 100 Jahren durchlaufen hat", betont der Vorsitzende des Allgemeinen Rates, Pfarrer Andrew Anderson von der Kirche von Schottland.

 

Feier, Buße, Neuverpflichtung

 

Die Ergebnisse des Studienprozesses werden den wichtigsten Beitrag zur Konferenz darstellen, die vom 2. bis 6. Juni 2010 stattfinden und von der School of Divinity an der Universität von Edinburgh ausgerichtet werden wird. Rund 150 Delegierte der beteiligten Organisationen werden diese Ergebnisse zusammen mit etwa 70 Vertretern/innen des Studienprozesses erörtern.

 

"Wir müssen sicherstellen, dass die Ergebnisse des Studienprozesses nicht Gegenstand rein akademischer Diskussionen bleiben, sondern in den Konferenzsitzungen zu den Studienthemen ernsthaft geprüft werden", sagt Kim. Sie hat die Studiengruppen gebeten, darüber nachzudenken, wie sie ihre Arbeit gestalten können, damit sie "für die Mitglieder der an der Konferenz Beteiligten und für die Kirchen insgesamt kreativ und bedeutungsvoll wird".

 

Die Organisatoren sehen die Konferenz als Gelegenheit, gemeinsam Gottes Wirken im Wachstum der Kirche während des vergangenen Jahrhunderts zu feiern; Buße für die Fehler zu tun, die in der Mission begangen worden sind; und sich neu zu einer gemeinsamen Vision für die Gegenwart und Zukunft von Gottes Mission in der Welt zu verpflichten.

 

"Es wird viele Veranstaltungen zur Hundertjahrfeier 2010 in Edinburgh geben und mehrere große christliche Organisationen werden im selben Jahr ihre Vollversammlungen abhalten", erklärt Jacques Matthey, ein Schweizer Pastor, der Direktor des ÖRK-Programms für Einheit, Mission, Evangelisation und Spiritualität ist. Aber "die Besonderheit dieser gemeinsamen Konferenz 2010 in Edinburgh liegt in der großen Bandbreite von Kirchen, Konfessionen und Missionstraditionen, die an diesem Projekt mitwirken".

 

Zu den Beteiligten gehören Orthodoxe, Anglikaner, Lutheraner, Reformierte, Methodisten, Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten, römische Katholiken, Evangelikale, Pfingstler und Unabhängige. "Obwohl Edinburgh 2010, was die Teilnehmerzahl anbetrifft, relativ klein ist, wird die Konferenz die Vielfalt des Weltchristentums heute am vollständigsten repräsentieren", fügt Matthey hinzu, der das Projekt von allem Anfang an mitbetreut hat.

 

Höhepunkt der Konferenz wird die gemeinsame Feier am Sonntag, dem 6. Juni, sein. Die Teilnehmenden werden sich an diesem Tag mit Mitgliedern der lokalen Kirchen zu "einer bedeutungsvollen Feier" – wie es die Organisatoren erwarten – in der Aula versammeln, in der 1910 die erste Weltmissionskonferenz tagte.

 

Während Edinburgh 1910 indirekt zur Gründung des Internationalen Missionsrates und der Entstehung der modernen ökumenischen Bewegung führte, soll Edinburgh 2010 keine neue Einrichtung oder Struktur hervorbringen. Die viertägige Konferenz soll allerdings auch nicht das Ende des Prozesses Edinburgh 2010 darstellen.

 

"Es gibt bereits zahlreiche ökumenische und interkonfessionelle Missions- oder kirchliche Einrichtungen auf globaler und regionaler Ebene, die die Ergebnisse des Prozesses und der Konferenz aufgreifen können", erklärt Matthey. "Es wird ihre Aufgabe sein, die wichtige Missionsdiskussion, die Edinburgh 2010 anstoßen wird, in Gang zu halten."

 

(*) Juan Michel ist Medienbeauftragter des ÖRK.

 

Webseite Edinburgh 2010

 

Arbeit des ÖRK zu Einheit, Mission, Evangelisation und Spiritualität