Glauben und Kirchenverfassung: Wachsende Übereinstimmung und neue Wege
Die Plenartagung der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung, die vom 7. bis 13. Oktober in Kolympari, Kreta, stattgefunden hat, ist zu Ende gegangen. Die Teilnehmenden entdeckten immer mehr thematische Zusammenhänge zwischen den drei derzeitigen Studienprozessen "Wesen und Auftrag der Kirche", "Quellen der Autorität" und "Ethische Urteilsbildung in den Kirchen." Sie plädierten für mehr "Ekklesiologie von unten", die die Erfahrungen des Kircheseins in einem bestimmten Kontext einschließt, anstatt die Kirche theoretisch von oben zu beschreiben.
Die Berichte der Kommissionsmitglieder von ihrer Gruppenarbeit unterstrichen die zentrale Bedeutung von "Wesen und Auftrag der Kirche". Diese Studie versucht ein Verständnis von Kirche zu formulieren, das breite Zustimmung unter den Kirchen finden kann. Das Dokument aus dem Jahr 2005 wurde an alle in der Kommission repräsentierten Kirchen ausgegeben.
Deren Stellungnahmen sammelt derzeit das Sekretariat für "Glaube und Kirchenverfassung" im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), für den die Kommission eines der wichtigsten Beratungsgremien ist. Die meisten Kommissionsmitglieder erwarten allerdings noch viel Arbeit, um den Text zu einem Konvergenz-Dokument zu machen.
Große Aufmerksamkeit erhielt die Forderung von Metropolit Geevarghese Coorilos, auf die Realität der Kirche nicht nur von oben zu schauen, sondern auch von unten. Das hieße, die alltäglichen Erfahrungen von Kirchen mit einzubeziehen wie zum Beispiel die der Dalit – die vom Kastensystem an den Rand der Gesellschaft gedrängten "Unberührbaren" – in seiner Kirche in Kerala, Indien.
Der Zusammenhang zwischen diesem grundsätzlichen Nachdenken über "Wesen und Auftrag der Kirche" und den anderen Studien trat im Verlauf der Tagung klarer hervor. So schöpft die Kirche aus ihren "Quellen der Autorität" - besonders, wenn es auf dem Gebiet der "ethischen Urteilsbildung in den Kirchen" zu Entscheidungen kommt. Im Bezug auf diese Quellen fokussierte "Glauben und Kirchenverfassung" ihre Aufmerksamkeit darauf, wie die "Väter und Mütter der Kirche" ökumenisch wahrgenommen werden können. Die Studie "Quellen der Autorität: Tradition und Traditionen" soll neue Perspektiven eröffnen sowohl für Kirchen, die mit patristischen Studien vertraut sind, als auch für Kirchen, die die Lehren der Vorgänger im Glauben gerade wieder entdecken.
Anhand von Fallstudien aus dem konfliktträchtigen Bereich der moralischen Urteilsbildung in den Kirchen identifizierten Teilnehmende in Kleingruppenarbeit weitere Autoritäten, auf die sich die Kirchen in reellen Entscheidungsprozessen beziehen: etwa die Naturwissenschaften oder ein kontextbezogenes Verständnis der Rolle, die die Kirche in der Gesellschaft spielen sollte.
Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten auf der Plenartagung sollen in diese Studie einfließen, die noch in einem frühen Stadium ist. Es wird gehofft, dass ein besseres Verständnis davon, wie Entscheidungen getroffen werden, eine Atmosphäre schaffen kann, die mehr Dialog und weniger Spaltung befördert.
Die Tagung endete mit einem Gebetsgottesdienst. In diesem lud Susan Durber von der Vereinigten Reformierten Kirche (Großbritannien) die Zuhörer ein, Jesus als einen Gast, einen Fremden zu betrachten, der uns besucht. "In manchen unserer Situationen und in verschiedener Hinsicht scheint die Kirche derzeit mehr in der Position des Gastes zu sein als in der des Gastgebers”, sagte sie. "Wir erfahren jetzt, wie wir von der Gastfreundschaft anderer abhängig geworden sind. Gastfreundschaft ist nicht einfach eine milde Gabe der Reichen und Mächtigen, sie ist auch die Begabung und Gnade der Schwachen", so Durber.
Ein Bericht und eine Botschaft werden den Kirchen zugesandt und in ein paar Tagen online bereit gestellt werden.
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