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20 Jahre Welt-AIDS-Tag: Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen

27.11.08

Bischof Mark Hanson, Präsident des Lutherischen Weltbunds, wäscht zwei HIV-positiven Frauen die Füße am Vorabend der Internationalen AIDS- Konferenz in Mexiko 2008. Die Fußwaschung war Symbol der Reue für den Beitrag der Kirchen zu Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV und AIDS. © Paul Jeffrey/EAA

 

von Peter Kenny (*)

 

Religiöse Würdenträger "sollten es an die große Glocke hängen, dass AIDS keine Strafe Gottes ist, sondern eine Krankheit, gegen die man Vorsorge treffen kann", lautete die Botschaft des ehemaligen Leiters der Anglikanischen Kirche Südafrikas, Erzbischof Njongo Ndungane, an die Welt-AIDS-Kampagne.

 

Ndungane gab anlässlich des bevorstehenden 20. Welt-AIDS-Tages, der am 1. Dezember begangen wird, ein Interview für die Welt-AIDS-Kampagne, die von UNAIDS ins Leben gerufen worden ist und ihren Sitz in Amsterdam und Kapstadt hat. Die Kampagne beschreibt den Welt-AIDS-Tag als Zeit der "globalen Solidarität angesichts einer Pandemie, die weltweit bereits über 25 Millionen Todesopfer gefordert und zur Infektion von schätzungsweise 33 Millionen Menschen geführt hat".

 

Ndungange, der gegenwärtig die afrikanische Entwicklungsorganisation African Monitor leitet, betonte, AIDS sei "zwar nicht heilbar, dafür aber beherrschbar und behandelbar" und stelle vor allem keine Strafe Gottes dar.

 

Er fügte hinzu: "Religionsverantwortliche sollten sich daher engagieren und alles tun, damit eine Generation ohne AIDS heranwachsen kann. Den mit dem Virus Infizierten sollten sie ihre ganze Liebe, Fürsorge und Unterstützung schenken. Sie sollten kreative Strategien zur Bekämpfung von Stigmatisierung entwickeln und umsetzen, sicherstellen, dass Betroffene Zugang zur Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse wie gesunde Ernährung und medizinische Betreuung haben, und noch nicht infizierte Menschen ermutigen, sich vor dem Virus zu schützen."

 

Linda Hartke, die Leiterin des in Genf ansässigen Globalen Ökumenischen Aktionsbündnisses (EAA), das sich in seinen Kampagnen für Ernährungssicherheit, Gerechtigkeit im Welthandel sowie für HIV-positive Menschen einsetzt, erklärte, das 20. Jubiläum des Welt-AIDS-Tages biete Gelegenheit, "über die Antwort der Religionen auf HIV und AIDS nachzudenken und Bilanz zu ziehen".

 

Dem Globalen Ökumenischen Aktionsbündnis gehören vor allem christliche Organisationen - einschließlich des Ökumenischen Rates der Kirchen -, aber auch Gruppen anderer Religionen an.

 

Die Leiterin des EAA, sagte im Gespräch mit Ecumenical News International: "Das Engagement religiöser Menschen in der ganzen Welt kann für uns eine Quelle der Inspiration sein. Seit langem schon helfen sie den Betroffenen, sind für sie da und setzen sich für eine konzertierte globale Aktion ein, die die Ausbreitung von HIV stoppt und schließlich für die vollständige Überwindung von AIDS sorgt."

 

Hartke bemerkte weiterhin, dass "HIV-positive oder persönlich betroffene Religionsverantwortliche, die ihre Stimme gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ungerechtigkeit erheben und auf die Risikofaktoren aufmerksam machen, die die Ausbreitung von HIV begünstigen, in ganz besonderer Weise zur Stärkung und Ausweitung des Engagements der Religionen und zu dessen positiver Wirkung beigetragen haben."

 

Trotzdem hatte Hartke Anfang November noch gewarnt, dass sich nach wie vor jedes Jahr Millionen von Menschen mit dem Virus infizierten und "zwei Drittel der Erwachsenen und 85 Prozent der Kinder, die den Virus in sich tragen, die dringend nötige Behandlung fehlt". Daher, betonte Hartke, "brauchen wir engagierte Führungspersönlichkeiten und entschlossene Maßnahmen, um den Zugang zu Prävention, Behandlung, Betreuung und Unterstützung universal zu gewährleisten".

 

Hartke erklärte, schätzungsweise 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahre seien gegenwärtig mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV)infiziert. "Aber Kinder werden bei den weltweiten und nationalen Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV/AIDS weitestgehend vergessen. Das trifft insbesondere für den Zugang von Kindern zur HIV-Diagnose und den so genannten antiretroviralen Medikamenten zu. Gegenwärtig werden nur 15 Prozent der HIV-positiven Kinder medizinisch behandelt."

 

(*) Peter Kenny ist Chefredakteur von Ecumenical News International (ENI).

 

 

Materialien des Ökumenischen Rates der Kirchen zu HIV und AIDS:

 

ÖRK-Programm für HIV-Kompetenz in der Kirche

 

Ökumenische HIV und Aids-Initiative in Afrika (EHAIA)

 

Stellungnahmen und Materialien

 

Erklärung des ÖRK-Zentralausschusses zu "Kirchen und HIV/AIDS - Nächstenliebe als Handlungsgrundlage", September 2006