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Leben unter Besetzung

Informationsbesuche

Die Besuchsreise des Generalsekretärs des Ökumenischen Rates der Kirchen, Samuel Kobia, und einer kleinen ökumenischen Delegation nach Palästina/Israel diente auch dazu, sich vor Ort ein Bild von den Schwierigkeiten zu machen, unter denen die Palästinenser seit der israelische Besetzung ihrer Gebiete leben müssen. © Andreas Apell/EAPPI

Die Mauer

Eines der bestimmenden Merkmale der Besetzung ist heute eine rd. 700 km lange "Trennmauer". Mal handelt es sich um eine neun Meter hohe Betonmauer wie auf diesem Foto, mal um einen Metallzaun mit Bewegungsmeldern und einer parallel verlaufenden Straße für die Militärpatrouillen. Im Juli 2004 hat der Internationale Strafgerichtshof die Trennmauer als völkerrechtswidrig erklärt, insofern sie auf palästinensischem Territorium errichtet ist. © Juan Michel/ÖRK

Landnahme

Nur 20% der Trennmauer verlaufen auf der international anerkannten israelischen Grenze (oder Grünen Linie), während 80% - z.T. tief - in palästinensisches Gebiet einschneiden – laut Amnesty International eine De-facto-Annexion von über 15% des Westjordanlands. Neben dem Grund und Boden werden durch die Trennmauer auch umfangreiche Wasservorräte beschlagnahmt. © Juan Michel/ÖRK

Bauern, die von ihren Feldern abgeschnitten sind

In dem Dorf Jayyous, ca. 50 km nördlich von Jerusalem, schneidet der Zaun 200 Familien von ihren Feldern ab, berichtet Abdul Latif Khaled der ÖRK-Delegation. Auch der Zugang zu 95% der Wasserversorgung des Dorfes ist blockiert. Laut Khaled, der Dorfführer ist, beträgt die Arbeitslosenquote in Jayyous heute etwa 60%.

Der Weg zur Arbeit

Salim Aref Jacir, ein Bauer aus Jayyous, erklärte dem ÖRK-Generalsekretär, welche Probleme daraus entstehen, dass er von den Öffnungszeiten für die Toranlagen abhängig ist, um auf seinem Feld zu arbeiten (die Durchgänge sind im Prinzip für kurze Zeit morgens, mittags und abends geöffnet). Die Zahl der Passierscheine für die Bauern ist aus ‚Sicherheitsgründen’ reduziert worden. Wer zu spät kommt und auf seinem eigenen Feld übernachtet, riskiert, dass ihm der Passierschein entzogen wird.

Vor den Toren Jerusalems

Das Passieren der Kontrolldurchgänge – mit Abnahme von Fingerabdrücken, Überprüfung der Personalien und langen Wartezeiten - gehört zum Alltag der im Westjordanland lebenden Palästinenser, die ins palästinensische Ostjerusalem wollen. Mehr als 1000 Personen, mehrheitlich Arbeiter, stehen täglich in aller Früh Schlange am Haupttor der Mauer, die die palästinensische Stadt Bethlehem umschließt. Für alte Menschen, Kranke oder Schwangere gibt es keine Sonderbehandlung.

Ökumenisches Begleitprogramm

Zu den Aufgaben der Teilnehmenden am Ökumenischen Begleitprogramm für Palästina/Israel (EAPPI) gehört die Präsenz an Übergängen und Kontrollpunkten in der Trennmauer. Das Programm wurde im August 2002 gestartet und bisher haben rd. 350 Freiwillige aus über 30 Kirchen und ökumenischen Partnerorganisationen in mehr als 15 Ländern darin mitgearbeitet. Auf dem Foto informieren ökumenische Begleitpersonen den ÖRK-Generalsekretär darüber, wie sie mithelfen, tägliche Demütigungen und Schikanen zu verhindern oder zumindest zu lindern.

Internationale christliche Präsenz

Ökumenische Begleitpersonen arbeiten auch in palästinensischen Städten, Dörfern und Flüchtlingslagern. Sie beobachten und berichten über Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das Völkerrecht, unterstützen Akte gewaltlosen Widerstands an der Seite einheimischer christlicher und muslimischer Palästinenser und israelischer Friedensaktivisten und bieten Schutz durch ihre bloße Präsenz. Auf dem Foto informieren ökumenische Begleitpersonen den ÖRK-Generalsekretär und die ökumenische Delegation vor der Besichtigung einer palästinensischen Stadt.

Ein Haus mit Aussicht

Viele der über 400 000 israelischen Siedler, die in ca. 200 illegalen Siedlungen im Westjordanland leben, sind hauptsächlich wirtschaftlich motiviert. Sie erhalten staatliche Beihilfen für Häuser auf den Hügeln mit schöner Aussicht und anderen Annehmlichkeiten, einschließlich eigenen Schnellstraßen, um zur Arbeit in Israel zu fahren. Dadurch wird das Leben in einer solchen Siedlung für junge israelische Familien äußerst attraktiv. © Juan Michel/ÖRK

Menschen, denen Sie nicht gerne begegnen würden

Andere Siedler sind allerdings ideologisch motiviert. Meistens schwer bewaffnet und unter dem Schutz der israelischen Armee errichten sie Vorposten, die später Siedlungen werden, oder besetzen Eigentum in palästinensischen Städten und ihrer Umgebung. © Andreas Apell/EAPPI

Belagerung von innen

Das ist der Fall in Hebron, einer palästinensischen Stadt mit rd. 160 000 Einwohnern, deren Zentrum von 400-500 radikalen israelischen Siedlern besetzt worden ist. Ihre Anwesenheit hat das pulsierende Leben im kommerziellen Kern der Stadt zum Stillstand gebracht und tausende aus ihren Häusern vertrieben.

Auf dem Weg zur Schule

Radikale Siedler haben in Hebron eine palästinensische Mädchenschule isoliert und belästigen regelmäßig die Schülerinnen, indem sie ihre Kinder anfeuern, sie mit Steinen zu bewerfen, zu bespucken und zu beschimpfen. Ökumenische Begleitpersonen begleiten die Schülerinnen auf ihrem Schulweg und versuchen, diese Schikanen zu verhindern. Die israelischen Soldaten, die zum Schutz der israelischen Siedler um ihre Häuser herum stationiert sind, tragen zum Schutz der palästinensischen Schulmädchen nicht besonders viel bei. © Andreas Apell/EAPPI

Möglichkeiten, anderen das Leben zu erschweren

Neben Mauern, Zäunen und Kontrollpunkten erschweren auch Straßensperren das Leben im besetzten Westjordanland. Rd. 500 Kontrollpunkte und Straßensperren behindern oder stoppen normales Leben und normale Geschäftstätigkeit. Barrieren können auch als Strafe errichtet werden, wie hier im Foto am Eingang zu einem Dorf, in dessen Nähe Steine auf die Bewegungsmelder am Trennzaun geworfen worden waren. © Juan Michel/ÖRK

Flüchtlingslager

Rd. 3,5 Millionen Palästinenser leben im besetzten Westjordanland, in Ostjerusalem und im Gazastreifen, von denen gemäß UN-Angaben 1,7 Millionen Flüchtlinge aus dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 sind. Weitere 2,7 Millionen bei der UNO registrierte Flüchtlinge aus jenem Krieg leben in Nachbarländern. Nach Jahrzehnten im Exil bestehen die Flüchtlingslager nicht mehr aus Zelten, sondern sind eine Anhäufung von überfüllten Wohnhäusern. Ob im Westjordanland oder im Ausland, Palästinenser bestehen auf ihrem Recht, in ihre Heimat zurückzukehren. Die UN-Resolutionen rufen dazu auf, ihre Ansprüche auf dem Verhandlungsweg und nicht militärisch zu klären. © Juan Michel/ÖRK

Palästinensische Christen

Die Mehrzahl der Palästinenser sind Muslime. Eine historische, aber schrumpfende Minderheit sind Christen, deren Gesamtzahl in Westjordanland, Ostjerusalem und Gaza auf ungefähr 50 000 geschätzt wird (weitere 100 000 Christen leben in Israel selbst). In den 40 Jahren der Besetzung hat der Verlust von Grund und Boden, von Existenzmöglichkeiten und Berufsaussichten viele zur Emigration getrieben. Davon ist die gesamte palästinensische Gesellschaft betroffen, besonders aber der christliche Teil. Das Foto zeigt eine orthodoxe Kirche in Birzeit, einem christlichen Dorf bei Ramallah.

Das Leben geht weiter

Trotz aller Schwierigkeiten versuchen die Palästinenser in ihren Städten, Kleinstädten, Dörfern und Flüchtlingslagern, mit ihrem Leben fertig zu werden. Beeinträchtigt und behindert durch Siedlungen, Schnellstraßen für Siedler, die Besatzungsarmee, Sicherheitszonen, Straßensperren und die Trennmauer, leben sie in kleinen Zonen, die immer mehr den Eindruck vermitteln, dass es sich um Freiluftgefängnisse handelt. Dennoch geht das Leben weiter, und viele sagen, dass sie immer noch Hoffnung haben. © Andreas Apell/EAPPI

Alle Fotos © Peter Williams, wenn nicht anders angegeben.

Hochauflösende Fassungen der Fotos sind auf Anfrage erhältlich.