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Gesichter und Ansichten

Noor Baida

Ich bin fast den ganzen Tag zu Hause; es ist alles sehr schwierig. [Palästinenser, Muslim, 19, sieben Geschwister, hat die Schule abgeschlossen, kann aber nicht studieren, da seiner Familie das Geld dafür fehlt; Jayyous, Westjordanland]

Mahmoud Jaddeh

Palästinensern, die gerne als offizielle Touristenführer arbeiten würden, werden alle möglichen Steine in den Weg gelegt; auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Touristen Jerusalem nur von einer Meinungsseite her sehen. Wie kann man für den Frieden sein, wenn man die Existenz des anderen leugnet? [Jerusalemer Bürger afrikanischer Herkunft, Muslim, ehemaliger politischer Gefangener, arbeitet als Erzieher; Ostjerusalem]

Yehuda Stolov

Wir müssen lernen, miteinander zu leben, und dafür müssen wir zuallererst den anderen als Menschen sehen. Wenn Menschen einander persönlich begegnen, lassen sie ihre Vorurteile und Klischees hinter sich. [Israeli, orthodoxer Jude, Gründer der Vereinigung Interfaith Encounter Association, die jüdische, muslimische und christliche Israelis and Palästinenser zu interreligiösem Dialog und kulturübergreifendem Studium zusammenbringt; Westjerusalem]

Khouloud Alajarma

Ich hoffe, dass Israelis and Palästinenser eines Tages wieder wie Brüder und Schwestern zusammenleben so, wie es früher war. Das setzt allerdings voraus, dass die Israelis einsehen, dass wir Palästinenser Rechte haben, genau wie sie, und dass sie die Besetzung beenden. [Palästinenserin, Muslimin, 20, Studentin, Freiwillige in einem Jugendzentrum im Flüchtlingslager Aida bei Bethlehem, Westjordanland]

Ursel Kammann

Ich habe mir vorgenommen, immer freundlich zu den Soldaten zu sein und so für ein gutes Klima zu sorgen; andernfalls wird man einfach sehr wütend: wie mit den palästinensischen Bauern umgegangen wird, das ist so gemein, das kann man sich gar nicht vorstellen. [Deutsche, Christin, ökumenische Begleitperson; Jayyous, Westjordanland]

Salim Aref Jacir

Ich habe acht Kinder, die nicht heiraten wollen, weil sie keine Zukunft für sich sehen. Ich will mein Land zurück; ich will mein Leben zurück. [Palästinensischer Bauer, Muslim, der durch die „Trennmauer” von seinem Land abgeschnitten wurde; Jayyous, Westjordanland]

Tamar Avraham

Kein Volk verfügt über das Leidensmonopol; die Tragödie des anderen anzuerkennen, mindert ja nicht meine eigene. Wenn man das aber nicht kann, dann haben wir es ganz bestimmt mit einem Problem zu tun. [Israeli, Jüdin, christlich/deutscher Hintergrund, arbeitet als Wissenschaftlerin zu Fragen im Zusammenhang mit dem Holocaust; Westjerusalem]

Hisham Sharabati

Meine Freunde nennen meinen Laden “das Widerstand-Café”, denn obwohl wir Geld verlieren, weil um uns herum alle Läden zugemacht haben und Kundschaft fehlt, sind wir fest entschlossen, geöffnet zu bleiben. Das vermittelt den Leuten ein Gefühl der Sicherheit, denn sonst würden sie sich gar nicht mehr hierher wagen. [Palästinensischer Journalist, Muslim; Hebron, Westjordanland]

Abdul Latif Khaled

Einige palästinensische Städte sind komplett von der „Trennmauer“ umgeben und gleichen Freiluftgefängnissen – nur, dass man die Insassen eher zum Weggehen ermutigt. Bei der „Trennmauer“ geht es nicht um Sicherheit, sondern um Beschlagnahmung von Land und Wasser. [Palästinenser, Muslim, Wasseringenieur; Jayyous, Westjordanland]

Olav Fykse Tveit

Es ist traurig mitanzusehen, dass die Menschen in Bethlehem, wo den Hirten Frieden verkündet wurde, nicht in Frieden leben können. Ich möchte die Menschen in Europa einladen, nach Bethlehem zu kommen, in eine Stadt, die sicher ist; ihr Besuch ist ein einzigartiges Erlebnis. [Ordinierter lutherischer Pastor und Leiter des Rates für ökumenische und internationale Beziehungen der Kirche von Norwegen; Oslo, Norwegen]

Christina Biere

Friedenserziehung für Kinder und Jugendliche könnte wesentlich zu einer dauerhaften Beilegung des Konflikts beitragen. Die Kirchen im Heiligen Land sind bereit, Friedenserziehung zu fördern, aber sie brauchen die Unterstützung der weltweiten ökumenischen Familie. [Junge lutherische Theologin, Mitglied des ÖRK-Zentralausschusses; Greifswald, Deutschland]

Victor Batarseh

Der Tourismus in Bethlehem ist im Vergleich zu früher um 85% zurückgegangen. Wir brauchen Pilger, die hier in der Stadt übernachten. Vor 1948 waren 92% der Einwohner Christen; heute sind es nur noch 35%. [Palästinenser, römischer Katholik, Arzt, von einer unabhängigen Liste 2005 zum Bürgermeister von Bethlehem gewählt; Bethlehem, Westjordanland]

Alle Bilder © Juan Michel/WCC