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"Meilenstein im ökumenischen Dialog" erwartet

10.06.09

Gespräch am Rande der Plenartagung der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung 2004. Foto: Peter Williams/ÖRK

Rund 120 Theologinnen und Theologen aus nahezu allen christlichen Traditionen werden sich bei einem Treffen im Herbst mit der Frage beschäftigen, wie Kirchen ihre Aufgabe in der Welt definieren und wie sie theologische, ökumenische und moralische Entscheidungen treffen.

 

Die Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) wird vom 7. bis 14. Oktober 2009 in der Orthodoxen Akademie in Kolympari auf der griechischen Insel Kreta tagen.

 

Die Veranstaltung verspricht, zu einem "Meilenstein im ökumenischen Dialog" zu werden, meinte der ÖRK-Direktor der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung, Kanonikus Dr. John Gibaut, in einem Interview, das auf oikoumene.org/crete2009 zu hören ist.

 

Das 120 Mitglieder starke Plenum, das das weltweit repräsentativste Forum für theologischen Dialog darstellt, wird über drei zentrale Themen diskutieren:

  • Was es bedeutet, Kirche zu sein

Eines der Ergebnisse der Kommissionsarbeit der letzten Jahre - die Studie über "Wesen und Auftrag der Kirche" - hat das Potenzial, zu einem ökumenischen Meilenstein zu werden. Die Kirchen haben Stellung bezogen und es ist jetzt an der Zeit, über die Fortsetzung der Arbeit zu beschließen.

  • Quellen der Autorität

Die Kommission wird prüfen, welche Rolle die verschiedenen Quellen der Autorität für die Kirchen spielen, und dabei einen neuen Ansatz in der alten Debatte über "Schrift versus Tradition" wählen: sie wird von der theoretischen Diskussion zum Austausch über praktische Erfahrungen übergehen.

  • Ethisch-moralische Urteilsbildung

Durch die Prüfung von Fallstudien – einige von ihnen zu kirchenspaltenden Fragen wie Proselytismus, Homosexualität und Stammzellenforschung – wird die Kommission sich kritisch damit auseinandersetzen, wie die Kirchen zu ihren ethisch-moralischen Positionen gelangen. Ziel ist es, den Entwicklungsprozess für ein ökumenisch anerkanntes Konzept von Schritten zur ethisch-moralischen Urteilsbildung der Kirchen in Gang zu setzen. 

Glauben und Kirchenverfassung ist der historische Zweig des Ökumenischen Rates der Kirchen, der sich mit theologischen Aspekten des Strebens der Kirchen nach sichtbarer Einheit beschäftigt. Die Kommission, die eine breitere Mitgliederbasis hat als der ÖRK, schließt die römisch-katholische Kirche als Vollmitglied ein, ebenso wie auch Pfingst- und evangelikale Kirchen. Das Plenum der Kommission tagt einmal zwischen den alle sieben oder acht Jahre stattfindenden ÖRK-Vollversammlungen.

 

Im Hinblick auf die Ziele, welche die Kommission mithilfe ihrer Studien zur moralischen Urteilsbildung erreicht will, formuliert Gibaut zwei Hoffnungen: "Erstens, dass die Kirchen dadurch vielleicht in ethisch-moralischen Fragen zu einer Einigung gelangen können – wir glauben, dass dies möglich ist. Sollte es aber doch nicht möglich sein, so hoffen wir, dass Kirchen, Christinnen und Christen zumindest zueinander sagen können: Ich stimme mit eurer Ansicht nicht überein, aber ich respektiere die Art und Weise, wie ihr dazu gekommen seid."

 

Weitere Informationen und Audioaufnahme des Interviews

 

Kommission für Glauben und Kirchenverfassung