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15.02.08 10:30

ÖRK-Vollversammlung braucht "erweitere Visionen, nicht nur Strukturen"

 

Morgengebet an der 9. ÖRK-Vollversammlung in Porto Alegre, Brasilien, im Februar 2006.

Die nächste Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) sollte so vielen Menschen wie mögliche eine ökumenische Erfahrung ermöglichen, sagte die junge deutsche Theologin Christina Biere am 14. Februar auf der ÖRK-Zentralausschuss-Tagung in Genf. Eine Vollversammlung, zu der die gesamte ökumenische Bewegung eingeladen wäre, böte eine einzigartige Gelegenheit um eine neue Generation von Christen für die Ökumene heranzubilden, so Biere.

 

Angesichts der Tatsache, dass den Mitgliedskirchen im ÖRK nur rund ein Viertel der Christinnen und Christen weltweit angehören - rund die Hälfte sind Mitglieder der römisch-katholischen Kirche, das übrige Viertel besteht größtenteils aus Evangelikalen und Pfingstlern - hatte die letzte ÖRK-Vollversammlung 2006 eine Öffnung der künftigen Versammlungen beschlossen, um die heutige Christenheit besser widerzuspiegeln.

 

Um eine solche Erfahrung zu ermöglichen, müssten allerdings nicht nur die Strukturen ausgeweitet werden, sondern auch die Visionen, erläuterte Biere, die für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im ÖRK-Zentralausschuss sitzt und die Frage mit der ÖRK-Jugendkommission Echos besprochen hatte.

 

Auf seiner Tagung vom 13. bis 20. Februar in Genf hörte der ÖRK-Zentralausschuss die Ergebnisse eines Anhörungsprozesses unter den Mitgliedskirchen und den ökumenischen Partnern und wird nun über die Einsetzung eines Komittees für die nähere Bestimmung von Umsetzungsmöglichkeiten entscheiden.

 

Pfarrer John Thomas, von der Vereinigten Kirche Christi aus den USA, betonte gegenüber Pressevertretern die großen Gemeinsamkeiten auf der Tagesordnung des ÖRK und der konfessionellen Weltbünde. Wenn diese gemeinsamen Anliegen, beispielsweise die Bekämpfung der Armut, auf einer gemeinsamen Versammlung behandelt würden, erhielten sie mehr Gewicht, argumentierte er. Als weiteres Beispiel für die Notwendigkeit einer größeren Kohärenz nannte er den Brief von muslimischen Führern, der nicht mit einem reformierten Brief, einem orthodoxen, einem lutherischen, einem römisch-katholischen und womöglich gar einem von der der Vereinigten Kirche Christi beantwortet werden könne.

 

Erzbischof Makarios von Kenia und Irinoupolis, der das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandria im Zentralausschuss vertritt, stellte klar, dass die orthodoxen Kirchen ebenso leidenschaftlich den Dialog mit allen Christen wünschen. Er erinnerte an die Enzyklika des Ökumenischen Patriarchats, die 1920 alle Kirchen aufrief, in einem internationalen Bund zusammenzukommen.

 

Biere, die dem Netzwerk meet für junge Menschen in der Ökumene in Deutschland angehört, erklärte, das Fällen von Entscheidungen sei nicht der wichtigste Aspekt der Vollversammlung. Junge Menschen engagierten sich außerdem eher aufgrund von Interesse an bestimmten Themen, was schlecht mit dem System von Delegierten zusammenpasse. Als wichtiges Ziel nannte sie die Vertrauensbildung über gemeinsame Ziele, wofür Gespräche in Kleingruppen sinnvoll seien.

 

In der Diskussion des Zentralausschusses zur erweiterten Vollversammlung stellte Bischof Martin Schindehütte, bei der EKD verantwortlich für Ökumene und Auslandsarbeit, die deutschen Diskussionsergebnisse vor. Sein Vorschlag beinhaltete "drei Elemente, die man sorgfältig unterscheidet, aber ebenso sorgfältig aufeinander bezieht": ein Global Christian Festival in der Art eines Kirchentages, Treffen der Kirchenfamilien und die Vollversammlung selbst, bei der auf diese Weise "die Regeln, die wir uns gegeben haben, nicht verloren gehen" würden, was etwa die Entscheidungsfindung im Konsensus anbelangt.

 

Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsorgan des ÖRK und tritt alle sieben Jahre zusammen. In den Zwischenzeiten leitet und beaufsichtigt der Zentralausschuss die programmatische Arbeit des Rats gemäß der Richtungsentscheidungen der Vollversammlung.

 

Mehr Informationen zur gegenwärtigen Tagung des ÖRK-Zentralausschusses

 

Beschlussfassung der 9. ÖRK-Vollversammlung zur Möglichkeit einer erweiterten Vollversammlung (Beschlussfassung Nr. 25)