HIV/Aids : ÖRK fordert Zugang zu medizinischer Behandlung

Die HIV/AIDS-Kampagne 2005-2006 "Halte Dein Versprechen" ("Keep the promise") des Globalen Ökumenischen Aktionsbündnisses
Jeder mit HIV oder Aids lebende Mensch sollte Zugang zu medizinischen Behandlungsmethoden haben, erklärte der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) am 6. September in Genf. Die Kirchen müssten sich dafür einsetzen und dem Kampf gegen die Pandemie grössere Energie widmen. Infizierte sollten sich in den Kirchengemeinden willkommen fühlen.
"Glaubensgemeinschaften haben eine Verantwortung dafür, dass antiretrovirale Medikamente ebenso für alle zugänglich gemacht werden wie Behandlungsmethoden für begleitende Infektionen," betonte der Zentralausschuss. "Das erste Mal überhaupt verfügt die Welt über die Möglichkeiten, die globale Epidemie zu stoppen."
Kirchenleitungen werden ermutigt, "ihre Rolle als Anwälte für gerechte Verfahrensweisen auszuüben und Regierungen an ihre Versprechen zu erinnern." Die Erklärung ruft besonders die Regierungen der G8-Staaten dazu auf, "ihre finanziellen Zusagen einzuhalten und sich für den allgemeinen Zugang zu Behandlung, Pflege und Unterstützung bis 2010 einzusetzen."
Die Privatwirtschaft, vor allem die pharmazeutische Industrie, wird gebeten, "in die notwendige Forschung zu investieren" und "sicherzustellen, dass ihre Medikamente zur Behandlung von HIV zu niedrigen Preisen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zur Verfügung stehen."
"Obwohl die Kirchen in der ersten Reihe derer waren, die Pflege und Unterstützung für die von der Pandemie Betroffenen angeboten haben, sind viele von uns durch die Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen, die mit HIV/Aids leben, schuldig geworden," räumte der Zentralausschuss ein.
Er ermutigt daher Kirchen "weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Überwindung der Pandemie zu spielen, indem Reaktionen durch Mitgefühl geprägt und durch Fachkenntnis qualifiziert sind." Dazu gehöre, "auf der Grundlage von Fakten umfassende Informationen über die Vermeidung der HIV-Ansteckung bereit zu stellen" sowie "Zugang zu freiwilligen und vertraulichen Beratungen und Tests zu ermöglichen".
Der ÖRK-Zentralausschuss ruft die Kirchen und Christen weltweit dazu auf, sich für eine grössere und substantiellere Beteiligung von Menschen mit HIV/Aids in den Gemeinden einzusetzen, und die Akzeptanz dieser Menschen durch die Kirchen zu verbessern. "Sie sind wertvolle Mitglieder der Gemeinde", bekräftigt die Erklärung.
Die Erklärung erkennt an, dass es noch immer Uneinigkeit in einigen Aspekten der kirchlichen Reaktionen auf HIV/Aids gibt. Während die "lebensrettende Verantwortung aller, sich durch sexuelle Enthaltsamkeit ausserhalb der Ehe, Treue in der Ehe und eine gesunde Lebensweise durch die Ablehnung von Drogenmissbrauch" anerkannt wird, ruft die Erklärung daher zu "fortgesetztem ökumenischem Nachdenken über den Umgang mit denen auf, die – entgegen dem Zeugnis der Kirchen – riskante sexuelle Aktivitäten oder Drogenmissbrauch unternehmen."
Der ÖRK-Zentralausschuss drängt Kirchen dazu "eine tiefere theologische und ethische Reflektion über HIV und Aids" zu fördern, sowie eine offene Diskussion über Themen wie Sexualität, Gewalt gegen Frauen und intravenöser Drogengebrauch zu führen. Damit sollen Individuen und Gemeinschaften in ihrem Umgang mit HIV/Aids gestärkt werden.
Aids fordere 8000 Todesopfer täglich und sei die Ursache dafür, dass weltweit 13 Millionen Kinder Waisen sind. Die Krankheit "bleibe eine ernste Bedrohung der Menschheit". Die Tatsache, dass viele immer noch unzureichend informiert und daher nicht in der Lage sind, "diese grundsätzlich vermeidbare Krankheit zu verhindern" mache es notwendig, sich für die Überwindung des "Virus der Unkenntnis, des Schweigens und der Angst" einzusetzen.
Der Text der Erklärung "Kirchen und HIV/AIDS - Nächstenliebe als Handlungsgrundlage" steht auf der ÖRK-Webseite zur Verfügung
Weitere Informationen über die Arbeit des ÖRK zum Thema HIV/AIDS
Weitere Informationen zur Ökumenischen HIV/AIDS-Initiative in Afrika (EHAIA)
Weitere Informationen zur Tagung des Zentralausschusses finden Sie auf der ÖRK-Website


