Der ÖRK und der christliche Dienst
Diakonie als teilendes, heilendes und versöhnendes Amt der Kirche gehört unabdingbar zum Wesen der Kirche. Sie fordert von den Einzelnen und von den Kirchen, dass sie nicht von dem geben, was sie haben, sondern aus dem, was sie sind.
(6. ÖRK-Vollversammlung, Vancouver, Kanada, 1983
Die Diakonie – "der im Evangelium begründete verantwortliche Dienst, den Christen in Wort und Tat zur Erfüllung menschlicher Bedürfnisse leisten," – hat ihre Wurzeln in Dienst und Lehre Christi und orientiert sich daran. Die Bewegung für Praktisches Christentum, die die Kirchen im Engagement für die Armen zusammenbringen wollte, war eine der zwei Strömungen der ökumenischen Bewegung, die zur Gründung des ÖRK führten. Ihr Anliegen motiviert die Kirchen bis heute zu großen gemeinsamen Anstrengungen. Soziales Handeln ist auch ein Bereich, in dem deutlich wird, dass die Kirchen ihre Rolle sehr viel besser erfüllen können, wenn sie zusammenarbeiten.
Welchen Beitrag leistet der ÖRK zum christlichen Dienst?
Die Kirchen unterstützen Not leidende Menschen in aller Welt. Sie kommen im ÖRK zusammen, um sich gegenseitig in ihrem Dienst zu stärken und sich mit gemeinsamen Kräften für die Bewahrung der Schöpfung und der Lebensgrundlagen aller Menschen einzusetzen.
Das diakonische Engagement des ÖRK hatte bereits im Zweiten Weltkrieg mit der Unterstützung von Flüchtlingen und Kriegsgefangenen begonnen, auch wenn die Gründungsversammlung des ÖRK auf die Zeit nach dem Krieg verschoben worden war. Später weitete der Rat seine diakonischen Dienste von der Unterstützung europäischer Kriegsflüchtlinge und - nach der Gründung des Staates Israel - vertriebener Palästinenser auf andere Formen der Nothilfe und des Dienstes weltweit aus.
Heute findet das Engagement des ÖRK für zwischenkirchliche Not- und Entwicklungshilfe hauptsächlich im Rahmen des ACT-Bündnisses "Kirchen helfen gemeinsam" statt, in dem der ÖRK Gründungsmitglied ist. Es gibt jedoch auch eine Reihe von Projekten, die der ÖRK selbst durchführt und die den Kirchen helfen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig bei ihren Anstrengungen im Dienst an der Welt und an den Armen zu unterstützen.
Einige Beispiele:
- Ecumenical Disabilities Advocates Network
- Ökumenische Solidarität und regionale Beziehungen
- Migration und soziale Gerechtigkeit
- Bewahrung der Schöpfung
- Gesundheit und Heilen
- Ökumenische HIV und AIDS-Initiative in Afrika (EHAIA)
- ÖRK-Stipendienprogramm
- Vertrauen und Respekt zwischen den Religionen
- Begleitung von Kirchen in Konfliktsituationen
Was sagt der ÖRK über den christlichen Dienst?
Auf der ersten Tagung des ÖRK-Zentralausschusses 1949 wurde die zwischenkirchliche Hilfe als permanente Verpflichtung des ÖRK bekräftigt, die nicht mit dem Ende des Wiederaufbaus nach dem Krieg aufhören würde. Man war sich einig, dass es sich dabei um eine geistliche und nicht nur um eine materielle Aufgabe handelte und dass nicht bilaterale diakonische Dienste zwischen Kirchen derselben Tradition, sondern ökumenische Dienste am wirksamsten seien.
Über die Jahre hinweg ist das Verständnis des christlichen Dienstes im ÖRK, das auf dem Konzept der Nothilfe basierte, um den Gedanken des sozialen Fortschritts bzw. des sozialen Handelns erweitert worden. In Diskussionen wurde die Rolle der westlichen christlichen Hilfswerke – oder, wie einige sie nannten, der "neuen Missionare des Imperiums der zwischenkirchlichen Hilfe" - in den Entwicklungsländern genau untersucht. Der ÖRK versuchte, das traditionelle Verständnis von Diakonie und ökumenischem Miteinanderteilen von Ressourcen zu erweitern. Diakonie sollte über den Transfer materieller Ressourcen von Reich zu Arm hinausgehen und Partnerschaften ermöglichen, in denen Menschen eine genauso große Rolle spielten wie finanzielle Mittel.
Einige Beispiele:
- Richtlinien für das Teilen, Weltkonsultation über Ökumenisches Miteinanderteilen, El Escorial, Spanien, 1987
- Erklärung von Larnaca, Weltkonsultation über zwischenkirchliche Hilfe, Flüchtlings- und Weltdienst "Diakonia 2000", Larnaca, Zypern, November 1986
- Kirche aller – Eine vorläufige Erklärung, ÖRK-Zentralausschuss, September 2003
- AGAPE – Ein Aufruf zur Liebe und zum Handeln, Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfung / ÖRK-Exekutivausschuss, September 2005
- Ekklesiologie und Ethik, Kommission für Glauben und Kirchenverfassung, 1997

