Zur Beschlussfassung

Dokument n° GEN 02

Bericht des Generalsekretärs

Keinesfalls durfte er (der Rat) sich mit der Rolle eines Anhängsels am ekklesiastischenRäderwerk begnügen. Andererseits konnte es auch nicht seine Aufgabe sein, eigenmächtig Neuland zu beschreiten, sondern vielmehr, sorgsam die Entwicklungen im Leben unserer Mitgliedskirchen zu registrieren, ihre konstruktiven und zukunftsweisenden Initiativen aufzugreifen und zu versuchen, sie für die ganze ökumenische Familie nutzbar zu machen... wir mussten immer wieder von neuem beweisen, dass die Unterstützung des Weltrats durch die Kirchen diesen selbst zugute kam.

W.A. Visser’t Hooft, Die Welt war meine Gemeinde[1] 

I.  Die Rolle des ÖRK in einem sich schnell verändernden kirchlichen Kontext

A.  Unsere Hoffnungen und Ängste miteinander teilen

1. Welche Hoffnungen haben Sie für Ihre Kirche? Welches sind Ihre Sorgen und Ängste?

Alles, was wir als Ökumenischer Rat der Kirchen tun, muss von der Realität der Mitgliedskirchen ausgehen, von Ihren Anliegen für die Gegenwart und Zukunft Ihrer Kirche. Der ÖRK ist von entscheidender Bedeutung, da er den Mitgliedskirchen einen Ort der Begegnung bietet, an dem sie ihre Hoffnungen und Ängste austauschen und auf dem Weg zur sichtbaren Einheit in ihrer Gemeinschaft wachsen können. Anlässlich des 60. Jahrestags der Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen haben wir Grund, uns diesen primären Zweck des ÖRK erneut vor Augen zu halten.

2. Eine der Pflichten, die ich als Generalsekretär habe, besteht darin, enge Kontakte mit den Kirchen aufrechtzuerhalten – durch Korrespondenz und, effektiver noch, durch Besuche. In den letzten vier Jahren habe ich Kirchen in allen Regionen besucht. Ich betrachte die Zeit, die ich mit kirchenleitenden Persönlichkeiten wie auch mit einfachen Gläubigen verbringe, als Gelegenheit, ihnen zuzuhören, von ihren Freuden und Ängsten zu erfahren und die Herausforderungen und Möglichkeiten kennenzulernen, die sich ihnen bieten. Aber diese Zeit gibt mir auch Gelegenheit, die Begeisterung der Kirchenleiter und –leiterinnen für die Arbeit des ÖRK und die ökumenische Bewegung im Allgemeinen neu zu entfachen, die Kirchen unsere ökumenische Freundschaft spüren zu lassen diese unter ihnen zu stärken.

3. Bei diesen Besuchen habe ich Zeichen der Hoffnung für die Zukunft der Kirche gesehen, z.B. in Indien, wo ich im Februar 2007 war. Die Kirchen dort haben gemeinsam mit anderen Gemeinschaften den 60. Jahrestag der politischen Unabhängigkeit Indiens gefeiert und mussten sich die Frage stellen, wie sie in einer Nation, die einen vielschichtigen Prozess des Wandels durchlaufen hat, Kirche sein können. Trotz Armut und Gewalt, Kastenwesen und unterschiedlichen Formen des Fundamentalismus, trotz all dieser Hindernisse hat Indien sich zu einem wichtigen „global player“ entwickelt, einer dynamischen Demokratie, die deutliche Formen annimmt und viele Facetten zeigt. Dennoch lebt die Mehrheit der indischen Bevölkerung in Ohnmacht und Entbehrung. Die Kirchen verstehen sich in dieser Situation als Hoffnungsträger und leben die oikoumene als alternative Gemeinschaft. Auf der Maramon Convention der Syrischen Mar-Thoma-Kirche von Malabar habe ich selbst wahre koinonia, die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, kennengelernt. Diese alljährlich stattfindende Großveranstaltung stellt eine aufregende Kombination aus Erweckungsversammlung, Familientreffen, Bildungsveranstaltung, geistlicher Retraite und Plattform für zukunftsweisende Initiativen für Mission und Zeugnis der Kirche dar. Authentisches Engagement, wie es auf der Maramon Convention erlebbar wird, ist der biblische Weg zu einer gerechten und mitfühlenden Gemeinschaft.

4. Auf meinen Reisen habe ich auch Kirchen kennengelernt, die mit anderen leidvollen Situationen konfrontiert sind, in denen ihre christliche Hoffnung auf die Probe gestellt wird, die mit Konflikten und Krieg, mit Armut, Krankheit und Verzweiflung ringen.

Als ich im November letzten Jahres die Philippinen besuchte, nahm ich in der Iglesia Filipina Independiente (der Unabhängigen Philippinischen Kirche, die Mitglied im ÖRK ist) an einem Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Bischof Alberto Ramento teil und hielt eine Predigt unter der Überschrift „Fürchtet euch nicht“. Bischof Ramento wurde im Oktober 2006 brutal ermordet. Es war eine jener außergerichtlichen Hinrichtungen, die in den Philippinen allzu häufig geworden sind. Bischof Ramento wurde als prophetischer Pastor geehrt und geachtet, der die ökumenische Vision von Frieden und Gerechtigkeit, Versöhnung und Heilung verkörperte. Er war der Inbegriff eines wahren Lehrers und Verteidigers des christlichen Glaubens – eines Glaubens, der ihn antrieb, in Zeiten großen menschlichen Leids Zeugnis von der Hoffnung zu geben, die uns in Christus gegeben ist, und die Menschen zur Achtung der Menschenwürde und Bewahrung der Schöpfung Gottes zu inspirieren. Die Iglesia Filipina Independiente ist, genau wie der Nationale Kirchenrat der Philippinen, dem Evangelium Christi treu geblieben. Ihr Engagement für Gerechtigkeit und Frieden gründet in einer Tradition, die im Glauben der Bibel verwurzelt ist – Gottes Option für die Opfer von Unterdrückung, prophetische Verurteilung von Ungerechtigkeit und Jesu Ablehnung des Missbrauchs von Macht. Dies ist die eine Seite der kirchlichen Wirklichkeit auf den Philippinen. Es ist aber leider nicht die einzige: daneben gibt es leitende Kirchenvertreter/innen und Christen, die sich mit den herrschenden Mächten eingelassen und damit sowohl das Evangelium als auch die Menschen verraten haben. Statt für Gerechtigkeit und ein menschenwürdiges Leben für alle einzutreten, lassen sie sich dazu benutzen, das Vorgehen derer zu legitimieren, die ihre Macht missbrauchen und sie gegen die Menschen einsetzen, die sie zu vertreten vorgeben.

5. Angesichts der Wirklichkeit in unserer heutigen Welt sind wir aufgerufen, Kirchen und Menschen zu begleiten, die in schwierigen, leidvollen Situationen leben. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Bericht schreibe, ist mein eigenes Land, Kenia, in eine solche Situation gestürzt. Infolge der heftig umstrittenen Ergebnisse der Präsidentenwahl vom 27. Dezember 2007 ist eine Form von Gewalt ausgelöst worden, die, wenn sie nicht rechtzeitig gestoppt wird, das Land auseinanderreißen, ja in einen Bürgerkrieg treiben könnte. In zwei öffentlichen Erklärungen hat der ÖRK sich all jenen nationalen und internationalen Stimmen angeschlossen, die ein Ende der Gewalt und eine politische Lösung fordern, die mit einem Dialog zwischen den Hauptprotagonisten beginnen muss. Wir haben unsere Botschaft an die kenianischen Kirchen gerichtet und sie unserer Gebete und Unterstützung in dieser schwierigen Situation versichert. Um unseren Gebeten und unserer Solidarität konkreten Ausdruck zu geben, haben wir eine zwölfköpfige Delegation der „Lebendigen Briefe“ mit Brüdern und Schwestern aus verschiedenen Teilen der Welt nach Kenia entsandt. Die Kirchen brauchen die Ermutigung, aber auch die Herausforderung durch die ökumenische Gemeinschaft. In einer Zeit, in der das Land dringend auf Versöhnung und Heilung angewiesen ist, sind viele leitende Kirchenvertreter und -vertreterinnen in Kenia in ethnische und politische Lager gespalten, so dass ihre Stimme an Glaubwürdigkeit verliert und sie nicht uneingeschränkt in der Position sind, hohe moralische Ansprüche geltend zu machen. Unser Zentralausschussmitglied aus Kenia, Dr. Agnes Abuom, setzt sich in lobenswerter Weise dafür ein, Plattformen für kirchliche Verantwortliche zu schaffen, die diesen die Möglichkeit geben, miteinander zu sprechen und zu versuchen, ethnische und politische Lagerkämpfe zu überwinden. Ferner hat sie mit ihrer Beratungsarbeit vielen traumatisierten Menschen geholfen.

6. Was Kenia gegenwärtig durchlebt, ist leider kein Einzelfall. Die Vorstellung, dass Wahlen das Patentrezept für Demokratie und gute Regierungsführung sind, wird dadurch ernsthaft auf die Probe gestellt. Im Falle Kenias gibt es Probleme, die seit langem unter der Oberfläche brodeln und nur darauf warten, bei der geringsten Provokation überzukochen. Diese Probleme, die Tendenz haben, alle fünf Jahre in Wahlzeiten aufzutreten, haben historische, politische, verfassungsmäßige, wahltechnische und ethnische Ursachen oder werden durch Landfragen ausgelöst. Bislang ist es den politisch Verantwortlichen gelungen, in einigen Bereichen politische Arrangements zu treffen, die zwar für sie praktisch sind, das Problem allerdings nicht lösen. Wenn eine dauerhafte Lösung gefunden werden soll, müssen die wahren Probleme erst beim Namen genannt werden. Die Kirchen müssen Rückgrat zeigen und nach Überwindung ihrer eigenen Vorurteile dem Land helfen, eine umfassende, gerechte und langfristige Lösung herbeizuführen. Damit dies möglich wird, muss der ÖRK bereit sein, den langen Weg zu diesem Ziel gemeinsam mit den kenianischen Kirchen und dem kenianischen Volk gehen.

7. Die Teilnahme an einer dreitägigen Retraite von Verantwortlichen der US-amerikanischen Mitgliedskirchen im Dezember 2007 war für mich geistlich inspirierend und stärkend. Es waren Momente, die für mich selten sind, denn ich musste keine Reden halten, brauchte nicht zu predigen und über nichts zu diskutieren. Diese „Retraite“ war ganz konkret ein „Rückzug“ aus der Geschäftigkeit, die normalerweise den Lebensrhythmus von Führungskräften prägt. Einen ganzen Tag zu schweigen, half mir, neu zu entdecken, dass Alleinsein die andere Seite der Einzigartigkeit eines jedes Menschen ist. Unser Alleinsein führte uns in die Einsamkeit. Diese geistliche Retraite erinnerte mich nachdrücklich daran, dass Einsamkeit für unser geistliches Leben eine wesentliche Voraussetzung ist. Mit den anderen Teilnehmenden die Erfahrung des Alleinseins, der Einsamkeit zu teilen, vertiefte unsere Gemeinschaft und stärkte unser Zusammengehörigkeitsgefühl. Dies ist ein Reichtum, den nur Kirchen und ökumenische Gemeinschaften bieten können – ein kostbares Geschenk auf unserem geistlichen Weg, ein Geschenk, das wir stets in Ehren halten müssen.

8. Der Ökumenische Rat der Kirchen hat eine Zukunft als Ort, an dem wir unsere Hoffnungen und Ängste miteinander teilen können, an dem wir uns in unserem gemeinsamen Zeugnis vor der Welt gegenseitig unterstützen und begleiten können und an dem die Kirchen die Gemeinschaft leben, zu der sie von unserem Herrn Jesus Christus berufen sind.

Durch diese Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit gehen die Mitgliedskirchen auf dem Weg zu der Einheit voran, die sie in Christus bereits empfangen haben. Die Tatsache, dass wir dieses Jahr nicht nur den 60. Jahrestag der Gründung des ÖRK feiern, sondern auch das 100-jährige Jubiläum der Gebetswoche für die Einheit der Christen, ist von symbolischer Bedeutung. Christus will, dass wir eins sind. Das Streben nach sichtbarer Einheit verbindet uns und zeigt uns den Weg in unserem gemeinsamen Zeugnis an die Welt. Es motiviert uns, beieinander zu bleiben und Gott im Gebet darum zu bitten, dass er in seiner Gnade uns und diese Welt verwandelt, damit sein Wille geschehe.

B.        Gemeinsame Herausforderungen

9. Die weltweite Gemeinschaft der Kirchen gibt ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich gemeinsamen Herausforderungen zu stellen - Herausforderungen, mit denen die Welt sie konfrontiert, aber auch Herausforderungen durch die sich verändernde kirchliche Landschaft.

In meinen Berichten an die Vollversammlung und den Zentralausschuss habe ich schon oft über die Folgen gesprochen, die die Globalisierung für alle Lebensbereiche mit sich bringt. Ich habe darauf hingewiesen, dass Armut, Umweltzerstörung, wachsende Gewalt und die HIV/AIDS-Pandemie das Leben der Menschheit bedrohen und uns alle angehen. In einigen Regionen sind religiöse Spannungen zu einer Überlebensfrage, einer Frage von Krieg und Frieden, geworden. Wir müssen jetzt nicht nur unser gemeinsames Zeugnis stärken, sondern auch die Fähigkeit entwickeln, in einem Kontext religiöser Pluralität in guter Nachbarschaft mit anderen zu leben. Ich habe sichergestellt, dass das ÖRK-Sekretariat die Mitgliedskirchen in ihren Bemühungen unterstützt, diese gemeinsamen Herausforderungen, die die ganze Menschheit und die Zukunft des Lebens auf unserem Planeten betreffen, aktiv anzugehen.

10. Sodann habe ich auch schon bei mehreren Gelegenheiten darauf hingewiesen, dass das weltweite Christentum deutliche Tendenz zeigt, sich nach Süden und Osten zu verlagern. Die Auswirkungen dieses Wandels sind in der ökumenischen Bewegung und ihren Organisationen bereits sichtbar geworden. Aber die Tatsache, dass die Zahl der Gläubigen im Süden und Osten zunimmt, impliziert keineswegs eine Stagnation oder Abnahme des kirchlichen Lebens in den traditionellen Zentren des Christentums. Auch in Nordamerika und Europa gibt es ermutigende Zeichen der Erneuerung. Zwischen Weihnachten und Neujahr waren in Genf an die 40 000 junge Menschen aus ganz Europa zu Gast, die an dem alljährlichen Jugendtreffen  teilnahmen, das von der Taizé-Gemeinschaft veranstaltet wird.. Es waren junge, engagierte Christen und Christinnen, die die geistlichen Erfahrungen, die sie in dieser einen Woche in der Stadt Calvins gesammelt haben, mit nach Hause zu ihren Familien, Freunden und Gemeinden genommen haben und die gute Nachricht des Evangeliums, gestärkt durch diese Erfahrungen, auf dem ganzen Kontinent weiter verkünden werden.

11. Eine weitere Kraft der Erneuerung stellen die vielen Migrantengemeinschaften und –gemeinden dar. Die Migration ändert das Gesicht des Christentums an vielen Orten. In meinem letzten Bericht an den Zentralausschuss habe ich mich diesem Aspekt ausführlich gewidmet. Fast überall auf der Welt müssen wir uns heute neu die Frage stellen, was Kirchesein auf lokaler und globaler Ebene im gegenwärtigen Kontext bedeutet.

C.  Die „Neugestaltung des Christentums“

12. Heute möchte ich mich auf einen anderen, aber eng damit in Verbindung stehenden Aspekt der sich verändernden kirchlichen Landschaft konzentrieren. Viele unserer Mitgliedskirchen haben Schwierigkeiten mit Tempo und Ausmaß des Wachstums evangelikaler, pfingstlich orientierter und charismatischer Gemeinschaften wie auch von Gemeinden und Megakirchen, die an keine konfessionellen Strukturen gebunden sind. Das Lebensumfeld der Kirchen, die Formen gesellschaftlicher Organisation und die Art und Weise, wie der Glaube im täglichen Leben zum Ausdruck gebracht und verkörpert wird, befinden sich in einem Prozess des Wandels.

13. Es ist eine interessante Tatsache, dass „alle christlichen Glaubensgemeinschaften und Para-Kirchen, die seit dem Zweiten Weltkrieg schnell gewachsen sind, auffällige Ähnlichkeiten mit transnationalen Unternehmen aufweisen“.[2] Ich zitiere hier aus einer sehr umfassenden und ausführlichen Studie über den Prozess des Wandels, der bereits im Titel des Buches als „Neugestaltung des Christentums im Kontext der Globalisierung“ beschrieben wird. Es handelt sich um eine sehr sorgfältig konzipierte Studie über die Lage der Kirchen im Pazifik. Der Herausgeber der Studie, Prof. Manfred Ernst vom Pacific Theological College in Suva (Fidschi), betrachtet die pazifische Region „als eine Art Mikrokosmos, in dem alle weltweiten Trends und Veränderungen in der religiösen Zugehörigkeit abgebildet sind.“[3]

14. Das Buch basiert auf Fallstudien über die Lage auf allen Inselnationen im Pazifischen Raum. Die Studie untermauert Peter L. Bergers Argument, dass „der evangelikale Protestantismus, insbesondere in seiner pfingstlichen Ausprägung, … die populärste Bewegung (ist), die als Vehikel für die kulturelle Globalisierung dient.“[4] Gestärkt wird sie durch den Einsatz der globalen Medien und die intensive Nutzung von Fernseh- und Radioprogrammen.

15. Die Forschungsergebnisse der Studie bestätigen die Arbeiten von David Martin, Harvey Cox und Karla Poewe[5], die aufgezeigt haben, wie neue religiöse Gruppen einen tiefen Prozess des kulturellen und gesellschaftlichen Wandels auslösen. Manfred Ernst unterstreicht, dass „die Forschungsergebnisse, die in unseren ausführlichen Länderfallstudien vorgestellt werden …, die Hypothese stützen, dass die Bekehrung zu einem bestimmten Typ von Christentum die Haltung zu Familie, Sexualität, Kindererziehung, Arbeit und Haushaltsführung verändert. Es kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass der neue Typ von Religion in seiner pfingstlichen, neo-pfingstlichen, evangelikal-fundamentalistischen Ausprägung Einstellungen und Moralvorstellungen fördert, die außerordentlich nützlich für Menschen sind, die im aufstrebenden oder dominierenden globalen Kapitalismus heute vorankommen wollen.“[6] Dies ist der Kontext, in dem diese neuen Bewegungen in aller Welt auftauchen und wachsen, selbst in Ländern mit vorwiegend orthodoxer oder römisch-katholischer Bevölkerung.

16. Das Wachstum dieser neuen Ausdrucksformen des christlichen Glaubens erfolgt zum großen Teil auf Kosten der traditionellen Kirchen. De facto ist nur ein kleinerer Anteil auf Neubekehrungen zurückzuführen. Proselytismus ist somit ein Thema, über das diskutiert werden muss. Einige neo-pfingstliche Bewegungen visieren bei der Werbung neuer Mitglieder sogar ältere pfingstliche Missionskirchen, wie die Assemblies of God,  an. Solche Praktiken legen nahe, dass den beeindruckenden Wachstumsraten, die wir in der Vergangenheit erlebt haben, Grenzen gesetzt sind. Die Ergebnisse der Pazifik-Studie zeigen, dass die von David Barrett, George T. Kurian und Todd M. Johnson am häufigsten zitierten Zahlen zur Beschreibung globaler Entwicklungen im Christentum kritisch geprüft werden müssen. Von der Tendenz her liegen diese Zahlen für die etablierten Kirchen weit unter den offiziellen Angaben, während sie die Zuwachsraten bei den pfingstlich-charismatischen Glaubensgemeinschaften hochspielen.[7]

17. Der Prozess des Wandels verläuft nicht linear, sondern genauso dynamisch, komplex und interaktiv wie jeder größere Prozess kulturellen Wandels in der Vergangenheit: parallel zur Globalisierung scheint er eine Amerikanisierung des weltweiten Christentums zu begünstigen, denn Lieder, Gottesdienstgestaltung und innere Einstellungen der evangelikalen und Pfingstgemeinschaften folgen einem im Wesentlichen US-amerikanischen Modell. Allerdings gibt es unter den Evangelikalen und Pfingstlern in Lateinamerika, Asien und Afrika auch Anzeichen wachsender Unzufriedenheit mit dieser nordamerikanischen Dominanz. Pfingstler der zweiten und dritten Generation erkennen, wie wichtig es ist, sehr viel stärker in den gesellschaftlichen und kulturellen Realitäten ihrer jeweiligen Länder und Regionen verwurzelt zu sein. Parallel zur „Homogenisierung“ globaler kultureller Trends beeinflusst die charismatische und pfingstliche Spiritualität auch immer stärker die etablierten Kirchen in vielen Ländern des Südens. Während dies von einigen als Bedrohung empfunden wird, handelt es sich dabei andererseits doch um einen sehr interessanten Prozess der Anpassung und Angleichung der etablierten Kirchen, der sogar das Wachstum der neuen Bewegung eindämmen könnte. Kirchen, die charismatischen Bewegungen und pfingstlichen Gottesdienstmodellen in ihren eigenen Gemeinden Raum gegeben haben, weisen selbst stabilere Mitgliederzahlen auf.[8] In den Kirchen lassen sich auch deutliche Parallelen zu einer neuen Identitätspolitik feststellen, die sich gegen die Mächte der Globalisierung abgrenzt und in vielen Regionen der Welt das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben prägt. Die Aufspaltung von Gemeinschaften auf der einen Seite und die Schaffung neuer Bündnisse in ethischen Fragen auf der anderen, die traditionelle kulturelle und religiöse Grenzen überschreiten, sind das Ergebnis des zweischneidigen historischen Prozesses der Globalisierung. Gesellschaften und Gruppen, die auf traditionellen Gemeinschaftswerten basieren, geraten unter enormen Druck. Die spaltende Debatte über moralische Werte ist Ausdruck des Widerstands gegen den starken Individualismus, die Gleichgültigkeit, die „Alles ist erlaubt“-Mentalität der vom Markt getriebenen Postmoderne und die Hegemonie neoliberaler westlicher Werte, die von der wirtschaftlichen, politischen, medialen und militärischen Macht Nordamerikas und der Europäischen Union getragen werden. In ganz ähnlicher Weise wirken sich zunehmender Fundamentalismus, auseinanderdriftende Zukunftsvorstellungen und tiefe Meinungsverschiedenheiten in der Deutung der Zeichen der Zeit auch auf die Gemeinschaft der Kirchen aus. Unter den Kirchen zeichnen sich neue Bündnisse in moralischen Fragen ab. Tiefgehende ekklesiologische Unterschiede, die in der Vergangenheit so wichtig waren, dass sie die ökumenische Zusammenarbeit gebremst haben, scheinen in diesem Kontext ihre Bedeutung zu verlieren. Die Situation kommt in Aussagen wie, dass wir zwischen „Wahrheit“ und „Einheit“ wählen müssen, klar zum Ausdruck. Aber ist das die richtige Alternative? Wir haben in der Vergangenheit dafür gekämpft, dass diese beiden Aspekte des Evangeliums nicht voneinander getrennt werden, sondern dass die kreative Spannung zwischen Ekklesiologie und Ethik, Einheit und Wahrheit bestehen bleibt.

18. Ich bin überzeugt, dass es andere Zeichen gibt, die neue Wege zu einer engeren Zusammenarbeit aufzeigen – allen bestehenden Konflikten und Spannungen zum Trotz. An vielen Orten der Welt zeigen evangelikale und Pfingstkirchen ein stärkeres Interesse und Engagement für soziale und ökologische Fragen, als viele es erwarten würden. Die Kritik am „sozialen Evangelium“ stellte den Ausgangspunkt für die ablehnende Haltung von Evangelikalen und Pfingstlern gegenüber der ökumenischen Bewegung dar. Heute engagieren sich Evangelikale und neu entstehende Kirchen in den USA in der „Micha-Initiative“ im Kampf gegen die Armut und eine Reihe US-amerikanischer leitender Evangelikaler stellt die Haltung der US-Regierung zum Klimawandel in Frage. Über alte Gräben werden neue Brücken gebaut.

19. In einigen Fällen werden auch die Grenzen verwischt, die wir normalerweise zwischen der konziliaren Ökumene, in der die Partner einander verpflichtet sind, und Formen der Zusammenarbeit zwischen Kirchen ziehen, die auf gemeinsamem Interesse und Beteiligung an einer begrenzten Zahl von Anliegen aufbauen. Churches of Christ Together  in den USA ringt noch um diese Unterscheidung, während sich in Norwegen, Schweden oder auch in Malaysia andere Modelle abzeichnen. An vielen Orten in aller Welt entwickeln sich neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mitgliedskirchen des ÖRK und anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften, die nicht Teil unserer Gemeinschaft im ÖRK sind.

20. In den letzten Jahren war es eine der interessantesten Aufgaben des ÖRK, Räume der Begegnung für die erweiterte Gemeinschaft zu schaffen, in denen wir ein Stück des Weges gemeinsam mit anderen gehen konnten, obwohl das Ziel dieser gemeinsamen Reise noch nicht klar abzusehen und noch nicht festgelegt ist. Eine solche Rolle hat der ÖRK bereits in der Vergangenheit in der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen der konziliaren Ökumene (z.B. regionale ökumenische Organisationen und nationale Kirchenräte), der römisch-katholischen Kirche und den weltweiten christlichen Gemeinschaften übernommen. In jüngerer Zeit haben der Prozess „Ökumene im 21. Jahrhundert“ und das Globale Christliche Forum dem Dienst, den der ÖRK der größeren ökumenischen Bewegung leistet, neue Dimensionen hinzugefügt. Diese neue Rolle des ÖRK wird von vielen unserer Mitgliedskirchen und ökumenischen Partner mit Anerkennung, aber auch mit Sorge zur Kenntnis genommen. Es gibt Anzeichen dafür, dass z.B. die römisch-katholische Kirche die konstruktive Rolle würdigt, die der ÖRK mit der Bereitstellung solcher Räume der Begegnung für die größere ökumenische Bewegung - die über die eigene Mitgliedschaft hinausgeht - übernimmt. Gleichzeitig jedoch gibt es auch klare Signale, dass diese neuen Anstrengungen nicht die Erfolge der Vergangenheit gefährden dürfen. Ich sehe, dass solche Befürchtungen z.B. in der Diskussion über die nächste ÖRK-Vollversammlung auftauchen, die auch auf unserer diesjährigen Tagesordnung steht.

D.  Die Rolle des ÖRK

21. Ausgehend von dieser letzten Bemerkung möchte ich nun zu der Frage übergehen, was all dies für die Rolle des ÖRK bedeutet. Die Verfassung des ÖRK stellt in Artikel III zu den Zielen und Funktionen des ÖRK im ersten Satz in sehr einfacher und klarer Sprache fest: „Der Ökumenische Rat der Kirchen wird von den Kirchen gebildet, um der einen ökumenischen Bewegung zu dienen.“ Es ist für den ÖRK keine einfache, aber eine notwendige Aufgabe, bei der Gestaltung der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung der ökumenischen Bewegung eine leitende Funktion zu übernehmen.

22. Die Grundsatzerklärung Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Vision (CUV) bringt klar zum Ausdruck, dass „die ökumenische Bewegung umfassender (ist) als ihre organisatorische Ausdrucksform“ (Abs. 2.1). Das Dokument unterstreicht aber auch: „Der Rat ist im Wesentlichen die Gemeinschaft seiner Mitgliedskirchen, doch dient er der ökumenischen Bewegung gleichzeitig als ein herausragendes Instrument und als Ausdrucksform“ (ibid.).

23. Neben seiner primären Aufgabe, die Gemeinschaft unter den Mitgliedskirchen zu vertiefen - die ich zu Beginn dieses Kapitels unterstrichen habe –, trägt der ÖRK auch Verantwortung für die Ausweitung der Mitarbeit in der ökumenischen Bewegung und für die Gewährleistung ihres Zusammenhalts. Unsere Verfassung beschreibt den ÖRK als eine Gemeinschaft von Kirchen, die sich zutiefst der Suche nach der sichtbaren Einheit und dem gemeinsamen Zeugnis und Dienst in der Welt verpflichtet hat. In seiner Ansprache lenkt der Vorsitzende unsere Aufmerksamkeit auf dieses dreifache Ziel des ÖRK. Einheit, gemeinsames Zeugnis und gemeinsamer Dienst sind in gewisser Weise die drei Grundbausteine der DNA des ÖRK.

24. Vertiefung der Gemeinschaft bedeutet, unsere gemeinsamen Anstrengungen für die sichtbare Einheit der Kirche, für unser gemeinsames Zeugnis und unseren gemeinsamen Dienst an der Welt zu vertiefen. Jeder Versuch, die Rolle zu beschreiben, die der ÖRK heute in der breiteren ökumenischen Bewegung und für das ganze Christentum spielt, muss jedoch auch die Verantwortung des Rates für eine Ausweitung der Mitarbeit in der ökumenischen Bewegung und die Gewährleistung eines stärkeren Zusammenhalts einschließen.

25. Vertiefung der Gemeinschaft, Ausweitung der Mitarbeit in der ökumenischen Bewegung und Stärkung des Zusammenhalts sind drei Dimensionen, die es erforderlich machen, das Gleichgewicht zwischen den Errungenschaften der Vergangenheit und den Aufgaben der Zukunft zu wahren, zwischen der Gemeinschaft, die im ÖRK bereits existiert, und der Notwendigkeit, darüber hinaus zu gehen und wahrhaft alle Kirchen zusammenzuführen, „die den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Basis des ÖRK).

26. Theologisch gesprochen spiegeln diese drei Dimensionen die Beziehungswirklichkeit des dreieinigen Gottes wider, die koinonia, die die innere Mitte der Gemeinschaft der Mitgliedskirchen darstellt. Diese koinonia ist nicht unser Eigentum, wir besitzen sie nicht; vielmehr ist sie eine Gabe Gottes, der will, dass die Kirchen in seiner Mission der Versöhnung und Heilung mitwirken. Wir können diese koinonia nie auf uns selbst begrenzen. Sie nötigt uns immer, über uns selbst hinauszugehen und neue Beziehungen aufzubauen - im Vertrauen darauf, dass Gottes in geheimnisvoller Weise auch unter anderen gegenwärtig ist und uns so den Aufbau von Beziehungen möglich macht.

27. Vertiefung der Gemeinschaft der Mitgliedskirchen des ÖRK, Ausweitung der Mitarbeit in der ökumenischen Bewegung und Gewährleistung ihres Zusammenhalts sind drei zentrale Aufgaben, die jedoch nicht spannungsfrei sind. Wir erleben dies in drei Bereichen, auf die ich im zweiten Teil meines Berichts eingehen werde: beim Globalen Christlichen Forum, der Schaffung des ACT-Bündnisses durch eine Zusammenlegung von ACT International und ACT-Entwicklung und der Diskussion über den geplanten neuen Stil der ÖRK-Vollversammlung, der den weltweiten christlichen Gemeinschaften (CWCs), regionalen ökumenischen Organisationen und anderen ökumenischen Partnern mehr Raum einräumen wird.

28. In jedem dieser drei Bereiche müssen wir der Richtung folgen, die uns durch die Verfassung des ÖRK, seine Basis, seine Ziele und Funktionen vorgegeben ist. Das bedeutet, dass wir immer bei der Gemeinschaft der Mitgliedskirchen ansetzen müssen. Die mangelnde Identifizierung der Mitgliedskirchen mit dem ÖRK und anderen ökumenischen Organisationen hat sich als der entscheidende Schwachpunkt erwiesen. Die Mitgliedskirchen müssen sich den Rat und die anderen von ihnen geschaffenen ökumenischen Organisationen zu Eigen machen. Dies ist der einzig mögliche Weg, wie ein stärkerer Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Organisationen gewährleistet werden kann, die von den Mitgliedskirchen eingerichtet worden sind, um ihnen bei der Erfüllung ihres Auftrags und der Überwindung von Konkurrenzdenken zu helfen. Das gleiche gilt auch für alle Versuche, die Mitarbeit in der ökumenischen Bewegung auszuweiten. Auch diesen Prozess müssen die Mitgliedskirchen sich zu Eigen machen. Es ist offenkundig, dass die Errungenschaften der Vergangenheit die Grundlage für die Erweiterung des Kreises bilde

II.  Drei Bereiche von besonderer Bedeutung

A.  Das Globale Christliche Forum

29. Wenn ich mich in meiner Rede bisher auf die sich verändernde Situation der Kirchen in der Welt konzentriert habe, so deshalb, weil seit der letzten Tagung des Zentralausschusses eines der wichtigsten kirchlichen Ereignisse stattgefunden hat: die Tagung des Globalen Christlichen Forums (GCF) im November 2007 in Limuru - einem Ort in meinem Heimatland Kenia, der mir sehr am Herzen liegt. Das GCF ist das wichtigste Instrument, um neue Wege zu einer breiteren Beteiligung der Kirchen an der ökumenischen Bewegung zu beschreiten; ein Instrument, das das Christentum in seiner ganzen Vielfalt und nicht nur einen Teil davon einbezieht. Zum ersten Mal ist ein solch breites Spektrum von Kirchen und christlichen Gemeinschaften - über alle Grenzen hinweg, die die Christen nach wie vor spalten, - auf globaler Ebene zusammengekommen. Die einfache Tatsache, dass dies stattgefunden hat, stellte den wichtigsten Erfolg des Prozesses dar, der vom ÖRK 1998 auf der Vollversammlung in Harare eingeleitet wurde. Das Globale Christliche Forum bot Gelegenheit, das Gefühl der Feindschaft, das in der Vergangenheit dominiert hatte, zu überwinden und tief sitzende Vorurteile zwischen „Ökumenikern“ und „Evangelikalen“ bzw. „Pfingstlern“ und traditionellen Kirchen zu korrigieren.

30. Unabhängig von der Bedeutung des GCF sollten wir unsere Begeisterung in der weiteren Reflexion jedoch an bestimmten Faktoren messen. Obwohl das Forum einen tiefgehenden Austausch fördert, stärkt es nicht die gegenseitige Rechenschaftspflicht. Obwohl viele Kirchentraditionen vertreten waren, war die orthodoxe Beteiligung, insbesondere der griechischsprachigen orthodoxen Kirchen, geringer als erwartet.

31. Als bedeutsame Ergebnisse des Forums haben wir bislang u. a. folgende festgehalten:

Das Thema der Einheit steht jetzt auf der Tagesordnung der pfingstlichen und evangelikalen Kirchen. Der Veranstaltung kommt insofern besondere Bedeutung zu, als sie die World Pentecostal Fellowship bewogen hat, ihren Namen unter die Schlussbotschaft des Forums an die Kirchen zu setzen und ihre Teilnahme an den jährlichen Konferenzen der Sekretäre und Sekretärinnen der CWCs offiziell zu erklären.

Das Forum bietet den Kirchen sowohl eine neue ökumenische „Konfiguration“ als auch eine neue Form der Beziehung. Die breite Beteiligung, die Arbeitsmethode und der nicht-institutionelle Charakter des Forums scheinen viele Kirchen leitende Persönlichkeiten zur Teilnahme bewogen zu haben. Die Forumsteilnehmer/innen hingegen haben die Notwendigkeit unterstrichen, den Dialog zu vertiefen und über den Austausch persönlicher Erfahrungen und Zeugnisse hinauszugehen.

Das Forum ist Ausdruck einer Verlagerung der ökumenischen Weltsicht von einer vorwiegend nordatlantisch geprägten zu einer globaleren Sichtweise, die den Impakt der evangelikalen und pfingstlichen Erweckungsbewegungen auf die weltweite Kirche umfassender berücksichtigt. In anderer Hinsicht kann dies jedoch als Amerikanisierung des gemeinsamen Raums verstanden werden, denn evangelikale und Pfingstbewegungen in der ganzen Welt stehen nach wie vor unter dem starken kulturellen Einfluss ihrer US-amerikanischen Basis. Auf der anderen Seite hat das Globale Christliche Forum Pfingstlern und Evangelikalen aus Asien, Afrika und Lateinamerika die Chance geboten, ihre eigene Stimme zu erheben und eine stärker sozial und ökologisch ausgerichtete eigene Agenda zu formulieren.

32. Die Forumserfahrung sollte als Herausforderung und nicht als Bedrohung für die traditionellen Formen der Ökumene verstanden werden. Da das Forum ein breiteres Spektrum ökumenischer Akteure, wie die Weltweite Evangelische Allianz, einbezieht, stellt es den ÖRK vor die Herausforderung, sich auf der Grundlage der Werte, für die er eintritt - Gemeinschaft, sichtbare Einheit, gemeinsames Zeugnis und Dienst – neu zu positionieren.

B.  ACT-Bündnis

33. Weiter oben habe ich Einheit, gemeinsames Zeugnis und Dienst als die drei Grundbausteine der DNA des Rates bezeichnet. Die Wechselbeziehung zwischen diesen drei Bausteinen dient uns als sehr wichtiger Ausgangspunkt in unserer Haltung zu den neuen Entwicklungen in der diakonischen Arbeit des Rates.

34. Es war meine feste Überzeugung, dass der Rat die Rolle eines Vermittlers bei den Versuchen der kirchlichen Dienste und Werke übernehmen sollte, in der weltweiten Entwicklungsarbeit zusammenzuarbeiten. Alle Beteiligten erachteten es als notwendig, die Aktivitäten stärker zu koordinieren, der Entwicklungsarbeit der ökumenischen Bewegung mehr Profil zu geben und besseren Zugang zu allen geeigneten Finanzierungsquellen zu ermöglichen. Die Diskussionen führten zur Bildung eines neuen globalen Bündnisses für Entwicklung: ACT-Entwicklung. Nach einem zweijährigen Konsultations- und Planungsprozess wurde dieses Bündnis auf seiner ersten Vollversammlung im Februar 2007 in Nairobi offiziell gegründet. Im Verlauf des Prozesses war auch nachdrücklich betont worden, dass das ideale Modell die ökumenische Arbeit in den Bereichen Nothilfe, Fürsprache und Entwicklung - vorzugsweise unter dem Namen „ACT - Kirchen helfen gemeinsam“ (Action by Churches Together)  - bündeln würde. Aus diesem Grund haben ACT-Entwicklung und ACT International einen Prozess in Gang gesetzt, der den Zusammenschluss beider Partner zu einer einzigen Organisation, dem ACT-Bündnis, anstrebt.

35. Diese Anstrengungen der ökumenischen Partner zur Zusammenarbeit in den Bereichen Nothilfe und Entwicklung sind ein bedeutsamer Schritt auf dem Weg zu mehr Gemeinsamkeit und Zusammenhalt in der ökumenischen Bewegung. Aus diesem Grund unterstütze ich diesen Prozess zur Einführung neuer Formen der Zusammenarbeit. Es sind jedoch auch Bedenken gegen diese Entwicklungen angemeldet worden, die zu einem neuen starken ACT-Bündnis führen sollen. Einige befürchten, dass der ÖRK seine diakonische Arbeit aus den Händen gibt, die wesentlicher Bestandteil seines Auftrags ist. Andere haben sich besorgt über die Beziehung zwischen den Kirchen und dem neuen ACT-Bündnis geäußert. Diese Sorgen und Fragen sind wichtig und müssen unter den ACT-Partnern, den kirchlichen Diensten und Werken und dem Rat in der Diskussion über Komplementarität und gegenseitige Rechenschaftspflicht umfassend berücksichtigt werden.

36. Bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen sollten wir uns an die Argumente erinnern, die zur Umstrukturierung der diakonischen Arbeit des Rates nach der Vollversammlung in Porto Alegre geführt haben. Es wurde bekräftigt, dass diakonische Arbeit und Engagement für Gerechtigkeit zusammengehören und dass ein integrierter Ansatz erforderlich ist, um die Kirchen in ihrer Arbeit mit den Armen und Schwachen zu begleiten. Auf diesem integrierten Ansatz baut auch unsere Fürsprachearbeit auf. Auf der Tagung des Runden Tisches 2007 wies ich im Gespräch mit den kirchlichen Diensten und Werken auf die theologische Bedeutung der Fürsprachearbeit hin: mit und im Namen leidender Menschen und der leidenden Schöpfung vor Gott und die Welt treten. Das Engagement für Gerechtigkeit, das in diakonischer Arbeit und Fürsprachearbeit Ausdruck findet, ist daher integraler Bestandteil des Auftrags der Kirchen und des Rates.

37. Dies wird von den kirchlichen Diensten und Werken anerkannt. Auf derselben Tagung des Runden Tisches wurde bekräftigt, dass der ÖRK sich in einer einzigartigen Position[9] befindet: er hat einen Überblick über die Anliegen, die in der globalen Fürsprachearbeit eine Rolle spielen; er kann Partner koordinieren und versammeln, bestehende Netzwerke stärken und neue gründen; er steht in Beziehung mit so vielen Mitgliedern und Ansprechpartnern wie keine andere Einrichtung; er kann Initiativen zum Kapazitätsaufbau unterstützen, die lokale Akteure global vernetzen; er kann lokale Fürsprache- und Basisarbeit vor die UNO und andere internationale Organisationen bringen; er kann gemeinsame theologische und geistliche Grundlagen für die Fürsprachearbeit entwickeln. 

38. Der einzigartige Beitrag, den der ÖRK zur Fürsprachearbeit leisten kann, liegt in seiner Mitgliedschaft begründet. Als Gemeinschaft von Kirchen dient der ÖRK den Kirchen als Instrument, um die Stimme im Namen Not leidender Menschen – die häufig selbst Kirchenmitglieder sind - zu erheben. In den meisten Fällen sind die Betroffenen selbst die besten Fürsprecher in eigener Sache. Die ökumenischen Strukturen können ihnen helfen, ihre Anliegen zu Gehör zu bringen. Dies sind die Erwägungen, die uns bei der Suche nach effektiven Strukturen der Zusammenarbeit zwischen Kirchen und kirchlichen Diensten und Werken und der Einrichtung eines neuen ACT-Bündnisses leiten.

C.  Die nächste ÖRK-Vollversammlung: mehr Raum für ökumenische Partner

39. Die Herausforderungen, vor die die Kirchen durch den schnellen Wandel in der Welt und den nicht minder schnellen Wandel in der kirchlichen Landschaft gestellt werden, haben sicher dazu beigetragen, dass die Vollversammlung in Porto Alegre für künftige ÖRK-Vollversammlungen einen neuen Stil befürwortet hat. Ein weiterer Grund dafür liegt in der Notwendigkeit, die offenkundige Aufspaltung der ökumenischen Bewegung zu überwinden und mehr Zusammenhalt zu gewährleisten. Diese zwei Gründe kommen in dem Bericht des Weisungsausschusses für Grundsatzfragen der Vollversammlung zum Ausdruck. Dort ist die Rede von einer

„ökumenischen Vollversammlung, die alle Kirchen zusammenführen würde, um ihre Gemeinschaft in Jesus Christus zu feiern und sich mit gemeinsamen Aufgaben auseinanderzusetzen, vor denen die Kirche und die Menschheit stehen“, wobei der besonderen Hoffnung Ausdruck verliehen wird, dass dies einen bedeutsamen Schritt „auf dem Weg zur sichtbaren Einheit und zur gemeinsamen Eucharistie“ darstellen würde. (Abs. 5)

Der Ausschuss führt diese Vision mit folgender Empfehlung näher aus:

„die Umsetzbarkeit einer Struktur für ÖRK-Vollversammlungen zu prüfen, die weltweiten christlichen Gemeinschaften und Konfessionsfamilien mehr Raum für Beratung und/oder die Aufstellung gemeinsamer Tagesordnungen für  bietet.“ (Art. 25d)

40. Es wurde der Versuch gemacht, zwei Erwartungen miteinander zu verbinden, die aus dem „Prozess des Zuhörens“, d.h. der Befragung der Mitgliedskirchen, ökumenischen Einrichtungen und anderer Partner zu dem Vorschlag einer Vollversammlung als erweiterter Raum der Begegnung, hervorgegangen sind. Eine Reihe von Mitgliedskirchen will den fruchtbaren Prozess, der mit CUV und der Sonderkommission zur orthodoxen Mitarbeit im ÖRK begonnen hat, fortsetzen – d.h. die Gemeinschaft weiter vertiefen und gemeinsame Aufgaben erfüllen; hier herrscht die tiefe Sorge, dass der Geist des Konsens, das Ethos der Gemeinschaft, die Vereinbarung zu gemeinsamen Andachten und konfessionellen Eucharistiefeiern – alles Erfolge der Arbeit der Sonderkommission – leiden könnten. Demgegenüber sprechen sich einige der weltweiten christlichen Gemeinschaften zusammen mit einigen ihrer Mitgliedskirchen, die zugleich dem ÖRK angehören, dafür aus, dass die nächste Vollversammlung als gemeinsamer Raum geplant wird, in dem sie selbst auch die Geschäfte der Vollversammlung ihrer eigenen Konfessionsfamilie regeln könnten.

41. In einem separaten Dokument haben Sie zu Ihrer Information einen Bericht über die Ergebnisse des Befragungsprozesses erhalten. Dieser Bericht enthält zusammengefasst die bei uns eingegangenen Stellungnahmen zum neuen Stil der Vollversammlung. Er zeigt, dass Fortschritte bei der Klärung der vielen unterschiedlichen Erwartungen an die neue Form der Vollversammlung und bei der Identifizierung einiger grundlegender Anliegen gemacht wurden, die in dem nun folgenden Prozess der Urteilsbildung untersucht werden müssen. Ich muss an dieser Stelle nicht wiederholen, was dort gesagt wird. Sicher sind wir mittlerweile über die Anfangsstadien des Prozesses hinaus, in denen es sehr schwierig schien, die beiden Erwartungen miteinander in Einklang zu bringen. Es wächst die Einsicht, dass die nächste Vollversammlung zum einen den Zusammenhalt der ökumenischen Bewegung stärken und zum anderen aus tiefstem Herzen das Ziel verfolgen muss, die Gemeinschaft unter den Kirchen zu vertiefen. Im Prozess des Zuhörens wurden neue Erkenntnisse gewonnen, z.B. zu den gemeinsamen Perspektiven der weltweiten christlichen Gemeinschaften oder der Notwendigkeit, dass die Vollversammlung das Konsensverfahren in all seinen Aspekten wie auch die anderen Prinzipien anwendet, die wir im Anschluss an die Empfehlungen der Sonderkommission eingeführt haben.

42. Diese Tagung des Zentralausschusses stellt für die Vertreter und Vertreterinnen der Mitgliedskirchen die erste Gelegenheit dar, gemeinsam über diese Frage zu diskutieren. Leider haben nur einige wenige Mitgliedskirchen direkt auf meinen Brief geantwortet, in dem ich sie um Kommentare zu dem von der Vollversammlung unterbreiteten Vorschlag gebeten hatte. Daher ist es wichtig, dass Sie sich jetzt alle an dieser Diskussion beteiligen. Eine Plenarsitzung wird uns Gelegenheit geben, unsere Meinungen auszutauschen und zu klären, wie wir weiter vorwärts vorgehen sollen.

43. Die wichtigste Frage, die sich jetzt stellt, lautet: Wie können wir von der Phase des Zuhörens übergehen zu einem Prozess der Urteilsbildung, in dem wir den Beschluss über den Stil der Vollversammlung vorbereiten, den wir auf der nächsten Tagung des Zentralausschusses annehmen müssen? Der Exekutivausschuss hat die Aufgabe, einige konkrete Vorschläge für den Prozess der Urteilsbildung und für eine Reihe anderer Initiativen zu unterbreiten, die es dem Zentralausschuss auf seiner nächsten Tagung ermöglichen werden, auch das Thema und den Veranstaltungsort für die nächste Vollversammlung zu beschließen. Der Weisungsausschuss für Grundsatzfragen wird sowohl die Vorschläge des Exekutivausschusses als auch die Diskussionsbeiträge im Plenum berücksichtigen. Diese werden die Basis für die Empfehlungen bilden, die der Weisungsausschuss dem Zentralausschuss in seinem Bericht vorlegen wird. Ich bete, dass Gott uns in seiner Weisheit den Weg in diesem Prozess zeigen möge – damit die Gemeinschaft, die der ÖRK und die größere ökumenische Bewegung darstellen, weiter wachsen kann.

III.  Umsetzung der Programme

 

44. Im zweiten Teil meines Berichts werde ich mich auf die Programmarbeit des Rates konzentrieren. Ich habe nicht vor, Ihnen einen ausführlichen Bericht darüber vorzulegen. Der Programmausschuss wird umfassende Berichte über alle Programme entgegennehmen und prüfen. Ich möchte an dieser Stelle nur auf einige Schwerpunkte der einzelnen Programme eingehen, um deutlich zu machen, in welche Richtung wir gegangen sind, welche wichtigen Erkenntnisse wir bis jetzt gewonnen haben, welche ersten Erfolge wir erzielt haben und welche Schritte wir in Zukunft planen.

45. Von den Ergebnissen her gesehen, war dies ein Jahr, in dem eine Reihe sehr wichtiger Prozesse eingeleitet  wurde (z.B. Fortsetzungsausschuss zur Ökumene im 21. Jahrhundert; globale Plattform für theologische Reflexion und Analyse); ein Jahr, in dem neue Aktivitäten in Gang gesetzt wurden (z.B. interreligiöses Seminar; Verhaltenskodex für Bekehrung); ein Jahr, in dem neue ökumenische Partnerschaften geschaffen wurden (z.B. das Ökumenische Wassernetzwerk); ein Jahr, in dem Fortschritte bei der Konzeption einer neuen strategischen Ausrichtung des Rates als Ganzem gemacht wurden (z.B. in den Bereichen Mittelbeschaffung und Kommunikation, zwei Themen, die auf der Tagesordnung dieses Zentralausschusses stehen).

46. Im Blick auf das Programm-Management war dies ein Jahr, in dem der Rat durch die Ankunft neuer Kollegen und Kolleginnen bereichert worden ist, die die Arbeit des Rates in praktisch allen Programmen und Tätigkeitsfeldern mit neuen Ideen, neuem Engagement und neuem Enthusiasmus voranbringen werden. Es war auch ein Jahr, in dem wir viel über die Begleitung und Kontrolle unserer Programmarbeit gelernt und aus dem Gelernten Lehren für die Zukunft gezogen haben. Wir werden dem Programmausschuss zum ersten Mal einen „Rechenschaftsbericht“ vorlegen, in dem wir genau darlegen, wie wir alle Empfehlungen des Zentralausschusses 2006 umgesetzt haben.

47. Obwohl wir uns über all diese Erfolge freuen, müssen wir doch auch zugeben, dass wir mit schwerwiegenden Herausforderungen konfrontiert waren und viele Schwierigkeiten zu meistern hatten. Tatsächlich war es keineswegs leicht, in dieser Zeit des Übergangs die schwere Bürde der strukturellen und programmatischen Veränderungen mit all ihren Folgen zu tragen. Die große Arbeitslast einerseits und der relativ neue Arbeitsstil andererseits – bei dem von unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen erwartet wird, dass sie in mehr als einem Programm oder Projekt mitarbeiten – all dies war eine Quelle permanenter Spannungen. Die Stimmung im Stab war in der zweiten Jahreshälfte 2006 z.T. sehr schlecht, aber bereits Mitte 2007 waren allgemein große Fortschritte bei der Verbesserung des Arbeitsklimas zu verzeichnen. Die meisten Stabsmitglieder waren ständigem Druck ausgesetzt: auf der einen Seite versuchten sie, den Auftrag der Leitungsgremien zu erfüllen, „weniger zu tun“, während sie auf der anderen Seite mit dem Wunsch der Mitgliedskirchen und der größeren ökumenischen Gemeinschaft konfrontiert waren, „mehr zu tun“.  Ihrem großen Engagement ist es zu verdanken, dass es ihnen gelang, all diesen Stürmen zu trotzen, und gegen Ende des Jahres segelten wir wieder in friedlicheren Gewässern.

48. Das Programm „Der ÖRK und die ökumenische Bewegung im 21. Jahrhundert“ (P1), der sicherstellt, dass die normalen institutionellen Anforderungen erfüllt werden (z.B. Tagungen der Leitungsgremien, Mitgliedschaftsangelegenheiten etc.), baut seinen Aufgabenbereich aus und entwickelt sich immer mehr zu einem wertvollen Werkzeug, das die Neupositionierung des ÖRK als privilegiertes Instrument der umfassenderen ökumenischen Bewegung erleichtert. Eine Reihe wichtiger Initiativen wurde bereits ergriffen:

  • Einrichtung des Fortsetzungsausschusses zur Ökumene im 21. Jahrhundert;
  • detaillierte Arbeit im Blick auf die nächsten Schritte einiger NCCS, der REOs, CWCs und von Vertretern der Pfingstkirchen, insbesondere im Bemühen, gemeinsam auf die sich wandelnden kirchlichen und ökumenischen Kontexte zu reagieren;
  • Entwicklung eines neuen Ansatzes für die Globale Plattform für theologische Reflexion und Analyse;  
  • Gemeinsame Tagungen des Netzwerks der Ökumene-Referenten/innen mit ECHOS, dem Jugendgremium, sowie mit Jugend- und Frauenvertretern/innen der REOs.

49. Die positiven Ergebnisse dieser ersten gemeinsamen ökumenischen Erfahrungen bestätigen, dass der ÖRK nur dann weiter als privilegiertes Instrument der umfassenderen ökumenischen Bewegung fungieren wird, wenn:

  • die Mitgliedskirchen sich intensiver an den Programmen des Rates beteiligen und sich stärker mit ihnen identifizieren;
  • er überzeugende Analyse- und Vermittlungsarbeit im Blick auf den sich wandelnden Kontext leistet;
  • er sich offen für den Wandel zeigt;
  • er konkrete Schritte zur Klärung der jeweiligen Funktionen der verschiedenen Akteure in der ökumenischen Bewegung und zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen ihnen unternimmt.

50. In diesem Sinne geht der ÖRK langsam – aber sicher – dazu über, die Schaffung eines gemeinsamen Raums voranzutreiben, der nicht ausschließlich dem Rat „gehört“ und von ihm kontrolliert wird, sondern bewusst für die ökumenische Bewegung als Ganze eingerichtet wird (vgl. Fortsetzungsausschuss zur Ökumene im 21. Jahrhundert; Debatte über ÖRK-Vollversammlungen, die mehr Raum für ökumenische Partner bereitstellen; das Globale Christliche Forum). Der Erfolg wichtiger Initiativen, wie die erste Tagung des Globalen Christlichen Forums und die erste Tagung der gemeinsamen Beratungsgruppe der Pfingstkirchen und des ÖRK, haben sich als ziemlich motivierende Erfahrungen erwiesen. Der zukünftige Weg könnte jedoch schwerwiegende Risiken für den ÖRK in sich bergen. Die zunehmende Vielfalt ruft auch die Angst hervor, dass Erfolge der Vergangenheit aufs Spiel gesetzt werden, und könnte dazu führen, dass „Wahrheit“ und „Einheit“ stärker in Gegensatz zueinander gestellt werden, - das kirchliche Äquivalent zu der neuen Identitätspolitik in einer immer stärker globalisierten Welt, die ich weiter oben in meinem Bericht bereits erwähnt habe.

51. Das Programm vernachlässigte auch nicht die ÖRK-interne Programmzusammenarbeit. Gemeinsam mit „Gerechtigkeit, Diakonie und Schöpfungsverantwortung“ (P4) wurden Fortschritte dabei erzielt, einen neuen Ansatz in den regionalen Beziehungen und der Zusammenarbeit mit den REOs zu entwickeln. Die Globale Plattform für Theologie wird in Zusammenarbeit mit dem Programm „Bildung und ökumenische Ausbildung“ (P5) weiter entwickelt.

52. Für das Programm „Einheit, Mission, Evangelisation und Spiritualität“ (P2) könnte das Jahr 2007 - sowohl was den Mitarbeiterstab als auch die Beratungsgremien anbetrifft - als Übergangsjahr bezeichnet werden. Beide haben darum gerungen, ihren Platz und ihre Rolle in der neuen ÖRK-Struktur zu finden und die verschiedenen Traditionen der ökumenischen Bewegung, die jetzt in einem gemeinsamen Programm angesiedelt sind, zusammenzuführen und gleichzeitig die Eigenständigkeit und den besonderen Schwerpunkt jeder einzelnen zu bewahren.

53. Die Kommission für Weltmission und Evangelisation (CWME) betonte, wie wichtig es sei, Evangelisation in eine ganzheitliche Missionsperspektive zu stellen und einen entsprechenden neuen Schwerpunkt zu setzen. Ferner hält sie die Verbindung von Missionsarbeit mit Einheit, Spiritualität und der Suche nach integrativen Gemeinschaften für sehr vielversprechend. Sie plädierte dafür, der ÖRK solle einen signifikanten Beitrag zur Hundertjahrfeier 2010 in Edinburgh leisten und diese Gelegenheit zur Klärung seines eigenen Missionsverständnisses und seiner Missionspraxis nutzen. Der Beschluss der CWME, für 2011 eine Weltmissionskonferenz des ÖRK vorzuschlagen, musste infolge der diesbezüglichen Empfehlung des ÖRK-Exekutivausschusses abgeändert werden, und dem Zentralausschuss wird ein neuer Vorschlag zur Erwägung vorgelegt werden.

54. Die Amtsträger/innen und die Ständige Kommission von Glauben und Kirchenverfassung definierten ihre Rolle innerhalb der neuen ÖRK-Struktur und sprachen sich nachdrücklich dafür aus, der Arbeit der Kommission ein stärkeres Profil zu geben. Die Vorbereitungen für eine Tagung des Plenums der Kommission im Jahr 2009 haben begonnen. Im Mittelpunkt soll die Frage der kirchlichen Einheit stehen, die vor dem Hintergrund des bereits vollzogenen und sich weiter vollziehenden Wandels in der Welt sowie der religiösen und ökumenischen Kontexte neu gestellt werden soll. Es sind Schritte unternommen worden, um diese Fragestellung mit der missionstheologischen Arbeit zu verbinden, die zur Vorbereitung von „Edinburgh 2010“ geleistet wird. Zwei neue theologische Studien, die die Ergebnisse früherer Untersuchungen mit neuen Herausforderungen verknüpfen, beschäftigen sich zum einen mit dem Thema ethischer Entscheidungsprozesse unter den Kirchen, zum anderen mit der Frage, wie die einzelnen Traditionen mit Quellen der Autorität umgehen.

55. Auf einer theologischen Konsultation im April 2007 in La Paz (Bolivien) kamen vier Netzwerke ausgegrenzter Menschen unter dem Thema „Gerechte und integrative Gemeinschaften“ zusammen. Aufbauend auf ihren Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen der Ausgrenzung formulierten sie gemeinsame Perspektiven und Anliegen und leisteten damit einen positiven Beitrag zum Verständnis von Kirche und Mission. Diese Arbeit war im wahrsten Sinne des Wortes ökumenisch, denn sie basierte auf einem Verständnis von Einheit, das unterschiedliche Ansätze zulässt, und zeigte, wie diese Form, Theologie zu betreiben, den integrativen Charakter der christlichen Gemeinschaft stärkt. Das Dokument von La Paz bildet die Grundlage für die gemeinsame Arbeitsplanung der vier Netzwerke – indigene Völker, Dalits, Menschen mit Behinderungen (EDAN) sowie Opfer des Rassismus – und zeigt, welche direkten Verbindungen es zur Arbeit zu den Themen Einheit, Mission und Spiritualität gibt.

56. Zusammenarbeit stand ganz oben auf der Tagesordnung des Programms: die Konsultation zur Ethik der Verkündigung des Evangeliums, die im August 2007 in Toulouse (Frankreich) unter der Überschrift „Auf dem Weg zu einem Verhaltenskodex für Bekehrung“ stattfand, wurde vom Programm „Interreligiöser Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit“ (P6) vorbereitet und koordiniert, aber die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Glauben und Kirchenverfassung und Mission und Evangelisation leisteten zu verschiedenen Momenten des Prozesses einen signifikanten Beitrag. Das wichtigste Ergebnis dieser Konsultation war, dass wir gelernt haben, wie wir die Beiträge evangelikaler und pfingstlich orientierter Teilnehmender in die bereits funktionierende Zusammenarbeit zwischen dem ÖRK und Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog einbeziehen können. Vom Geist der Zusammenarbeit ist auch der Großteil der Arbeit geprägt, die unter der Überschrift „Spiritualität“ geleistet wird, einschließlich der Vorbereitungen für gemeinsame Andachten auf Tagungen der Leitungsgremien, für die Europäische Ökumenische Versammlung, die im September 2007 in Sibiu (Rumänien) stattfand, und für die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation (IEPC), die für 2011 geplant ist. Eine neue Studiengruppe, die die Arbeit des Rates in den Bereichen Mission und Heilung mit dem Deutschen Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM) koordinieren soll, wird gerade eingerichtet. Ziele und Aufgabenverteilung wurden auf der Grundlage der theologischen bzw. medizinischen Kompetenz beider Einrichtungen festgelegt.

57. Das Programm „Öffentliches Zeugnis: Macht hinterfragen, für Frieden eintreten“ (P3) hat die wichtige Aufgabe, Situationen der Ungerechtigkeit zu erkennen und dagegen anzugehen, indem es der ethisch-moralischen Stimme in den Diskussionen und Maßnahmen staatlicher Entscheidungsträger Gehör verschafft. Dies ist ein gewaltiges Unterfangen. Öffentliches Zeugnis bei schwersten Menschenrechtsverletzungen abzulegen, ist gegenwärtig jedoch von besonderer Bedeutung, da die Nationen der Welt 2008 ihre Aufmerksamkeit auf den 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen lenken.

58. Der ÖRK sucht immer nach neuen Wegen, wie er nicht nur die ökumenische Fürsprachearbeit stärken, sondern auch Zeugnis von der Botschaft ablegen kann, dass wir unseren Nächsten lieben sollen wie uns selbst. Was bedeutet es, Gott und unseren Nächsten in dieser konfliktbeladenen Welt zu lieben? Es gibt mehrere Ansätze, die für Christen vorstellbar sind, aber für viele bedeutet es, auf einen „gerechten Frieden“ und auf die Versöhnung unvereinbarer Gegensätze hinzuarbeiten, bei denen es u. U. keinen Frieden und keine Versöhnung gibt. Dieses Ziel einer verstärkten Mobilisierung und aktionsorientierten Netzwerkarbeit wird im Blick auf die für Mai 2011 geplante Internationale Ökumenische Friedenskonvokation und die Ausarbeitung einer neuen Friedenserklärung mit viel Energie vorangetrieben. Eines der wichtigsten Ziele ist es, theologische Seminare für diese Arbeit zu begeistern und eine neue Generation ökumenisch interessierter Theologen und Theologinnen heranzubilden. All diese Aktivitäten sind Teil der Dekade zur Überwindung von Gewalt (DOV) und tragen mit dazu bei, dass sie einen krönenden Abschluss finden wird. Auch durch die Ausweitung der Besuche der „Lebendigen Briefe“ und den Internationalen Gebetstag für den Frieden (21. September) wird Raum dafür geschaffen, dass Christinnen und Christen sich für einen gerechten Frieden einsetzen können.

59. In einer Zeit, in der die Welt ihre Aufmerksamkeit auf die von Menschen verursachte Umweltzerstörung lenkt, sorgt sich der ÖRK nicht nur um den Schutz der Erde, sondern erhebt seine Stimme auch im Namen derer, die selbst keinen Zugang zu politischen Entscheidungsträgern haben, um sich dort selbst Gehör zu verschaffen – er spricht für die, die in der Bibel „die Geringsten meiner Brüder“ genannt werden. Die Programmaktivitäten konzentrieren sich auf die Arbeit im Namen derer, für die die ökumenische Gemeinschaft in Zeiten der Globalisierung, die unsere Welt immer kleiner werden lässt, wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit sowie politische Gleichberechtigung einfordert. Auch in Zukunft wird der Schwerpunkt der jährlichen Advocacy-Woche, die das ÖRK-Verbindungsbüro bei der UNO (UNLO) für Vertreter/innen der Kirchen organisiert, auf das Gespräch mit politischen Entscheidungsträgern/innen gelegt werden.

60. Auf der letzten Tagung des Zentralausschusses wurde der Beschluss gefasst, die Arbeit des ÖRK zum Nahen Osten mit der Einrichtung des Ökumenischen Forums für Palästina und Israel (PIEF) zu stärken. Ein intensiver Konsultationsprozess mit leitenden kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Persönlichkeiten und Gelehrten aus Palästina und Israel wurde in Gang gesetzt und fand seinen krönenden Abschluss in einer internationalen Konferenz, die im Juni 2007 in Amman (Jordanien) zum Thema „Kirchen gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten“ stattfand. Ergebnis dieser Konferenz war der Aufruf von Amman, der den Rahmen des Ökumenischen Forums darstellt und seine grundlegenden Ziele zum Ausdruck bringt. Der Ansatz, die Kirchen vor Ort ins Zentrum des Forums zu stellen, hat die Glaubwürdigkeit der Initiative sehr gestärkt, wie der Beitrag der Internationalen Aktionswoche für Frieden in Palästina und Israel (ICAPPI ) gezeigt hat. ICAPPI ist so geplant, dass sie jeweils an dem Tag beginnt, an dem im Juni 1967 die Besetzung palästinensischer Gebiete begann. Höhepunkt der Aktionswoche sind ein ökumenischer Gottesdienst und eine Andacht, die in Jerusalem und in Kirchen und Gemeinden in aller Welt am selben Sonntag gefeiert werden. Thema und Materialien für die ICAPPI-Aktionswoche werden unter starker Beteiligung der lokalen Kirchen im Heiligen Land konzipiert und ausgearbeitet und durch das Ökumenische Forum koordiniert. ICAPPI entwickelt sich zu einem effektiven ökumenischen Instrument der bewusstseinsbildenden Arbeit und Information über das Los des palästinensischen Volkes und den Konflikt zwischen Palästina und Israel. Teilnehmende aus aller Welt werden dazu ermutigt, der Woche einen festen Platz in der bewusstseinsbildenden Arbeit zur Unterstützung des Friedensprozesses im Nahen Osten zu geben.

61. Auf Ersuchen leitender Kirchenvertreter in Palästina bereitet das Forum in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund eine wichtige theologische Veranstaltung vor, die im September 2008 in Bern (Schweiz) stattfinden wird und das Ziel verfolgt, die Erstellung eines ökumenischen Handbuchs für Pfarrer/innen und Priester in Basisgemeinschaften in Gang zu setzen. Das Handbuch wird theologische Fragen herausarbeiten, die dem palästinensisch-israelischen Konflikt zugrunde liegen, wie Landfragen, Gerechtigkeit, Besetzung, Auslegung biblischer Texte usw., sie von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten und mit unterschiedlichen Ansätzen an sie herangehen.

62. Mit Hilfe des Forums kommt eine Dynamik in Gang, die die ökumenische Fürsprachearbeit im palästinensisch-israelischen Konflikt auf eine breitere Basis stellen will und eine stärkere Koordinierung anstrebt. Neben ICAPPI sind EAPPI und das Jerusalemer  InterChurch Centre als weitere Bausteine dieser Initiative zu nennen. Es gibt an die 450 ehemalige ökumenische Begleitpersonen in verschiedenen Teilen der Welt, die zur Verfügung stehen und bereit sind, Fürsprachearbeit zu leisten. Die Herausforderung besteht darin, Mechanismen und Kommunikationsnetzwerke zu entwickeln, die es ihnen ermöglichen, in ihrem eigenen Land ihren Teil der Arbeit als Teil einer globalen ökumenischen Fürsprache-Plattform für Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung und Heilung in Palästina/Israel zu leisten.

63. Unsere Welt tritt gegenwärtig in die sog. „zweite nukleare Ära“ ein. Das Risiko des tatsächlichen Einsatzes von Atomwaffen könnte gegenwärtig höher sein als während des Kalten Krieges. Statt vieler Atomwaffen in wenigen Händen gibt es heute eher weniger Atomwaffen in mehr Händen. Hinzu kommt, dass internationale Vereinbarungen zur Atomwaffenkontrolle durch die Atommächte und andere Länder, die enge nationale Interessen verfolgen, stark abgeschwächt worden sind. Militärische Reaktionen auf Terrorakte haben den Einsatz von staatlicher Gewalt, einschließlich eventueller neuer Einsatzmöglichkeiten für Atomwaffen, verstärkt. Die globale Erwärmung hat neues Interesse an der Kernenergie geweckt, was wiederum neue Sicherheits- und andere Risiken mit sich bringt. Die „Atomkriegsuhr“, die von kritischen Wissenschaftlern immer auf dem neuesten Stand gehalten wird, war nie näher an Mitternacht als heute. Was tun die Kirchen, damit die Uhr zurückgestellt werden kann?

64. Seit der letzten Tagung des Zentralausschusses haben der ÖRK und die Mitgliedskirchen besondere Herausforderungen aufgegriffen und versucht, den allgemeinen Willen zur Abrüstung - der Voraussetzung für eine erfolgreiche Abrüstung ist - neu zu beleben. Der Exekutivausschuss hat letztes Jahr angesichts neuer Entwicklungen in der Welt zwei Beschlüsse gefasst, die den vom ÖRK erlassenen Richtlinien entsprachen, einschließlich der Verabschiedung eines Protokollpunkts zum Iran, der in Verbindung mit unserem Nahost-Fokus steht. Allen Mitgliedskirchen wurde angeboten, ihnen bei der Umsetzung des Protokollpunkts der Vollversammlung zur Abschaffung von Atomwaffen zu helfen. Die von den Leitungsgremien beschlossenen Richtlinien spiegeln sich in einer Reihe von Maßnahmen wider: Während der in Großbritannien geführten Debatte über das Atomarsenal des Landes sandte der ÖRK einen offenen Brief an die Mitgliedskirchen, die in der öffentlichen Diskussion stark engagiert sind. Während der ÖRK-Advocacy-Woche bei den Vereinten Nationen war die nukleare Abrüstung ein Schwerpunktthema und 24 Mitgliedskirchen, viele von ihnen aus dem Süden, äußerten neues Interesse, sich an der Fürsprachearbeit zu beteiligen. Politische Stellungnahmen wurden an Atommächte wie die USA, das Vereinigte Königreich, Frankreich und China und an nicht-nukleare Mächte (einschließlich Südafrika, Ägypten, Südkorea, Vanuatu und Schweden) gesandt. Das ökumenische Engagement für atomwaffenfreie Zonen hat in Afrika begonnen (wo das Ziel fast erreicht ist) und erstreckt sich auch auf den Nahen Osten. Die interreligiöse Unterstützung für spezifische Ziele im Zusammenhang mit der atomaren Abrüstung wächst genauso wie die Kontakte mit zivilgesellschaftlichen Schlüsselakteuren. In folgenden UN-Foren wird Fürsprachearbeit geleistet: auf Tagungen zum nuklearen Nichtverbreitungsvertrag, der Abrüstungskonferenz und im Ersten Ausschuss der UN-Generalversammlung. Eine Koalition wächst, um die Verpflichtung zur Abrüstung vor den internationalen Gerichtshof zu bringen. Ökumenische Grundsatzentscheidungen und Abrüstungsvorschläge („best practices“) wurden auf zwei Abrüstungsseminaren unterbreitet, an denen Kirchen-, Regierungs- und Industrievertreter/innen zusammenkamen. Bei dieser und anderen Gelegenheiten wurde auch die Dekade zur Überwindung von Gewalt (DOV) angesprochen. Lobbyarbeit für die Kontrolle der Atomwaffen ist diplomatischer wie auch politischer Natur. Die Kirchen sollten ihr Engagement in dieser Frage aus religiösen, ethischen, rechtlichen und geographischen Gründen verstärken. Langsam wächst der Kreis der Kirchen, die sich hier aktiv einbringen, während die Weltgemeinschaft vor einer Reihe von entscheidenden Jahreskonferenzen steht, auf denen die Instabilität und die Rückschritte der letzten acht Jahre umgekehrt werden könnten. Entscheidungsträger in diesem Bereich internationaler Angelegenheiten erwarten, dass dort die Stimme des Glaubens erhoben wird.

65. Die Verbindungen zwischen Armut, Reichtum und Ökologie treten heute immer deutlicher hervor. Wir leben auch weiterhin in einer Welt, in der einerseits die Ressourcen sehr ungleich und ungerecht verteilt sind und andererseits die Umwelt im Namen der Schaffung von Wohlstand permanent weiter zerstört wird. Die Sorge des ÖRK ist, dass dieser Wohlstandszuwachs nicht proportional auf die ganze Welt verteilt wird und dass er die Armut nicht maßgeblich reduziert. Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass Wohlstandsschöpfung auf der Makroebene nicht automatisch zur Senkung von Armut führt; genauso wenig schafft sie die nötigen Voraussetzungen für Armutslinderung. Der ÖRK arbeitet und diskutiert mit Kirchen über die Frage, wie Reichtum so verteilt werden kann, dass es keine Armut mehr gibt. In den Jahren vor der letzten Vollversammlung hat der ÖRK seine Arbeit auf diesem Gebiet auf die Durchführung regionaler Forschungsprojekte über die Verbindungen zwischen Armut, Reichtum und Ökologie konzentriert. Er hat die Ergebnisse im Rahmen des AGAPE-Prozesses diskutiert und Alternativen vorgeschlagen. Viele Kirchen haben sich diesem Prozess angeschlossen. Neu hinzugekommen zu dieser Arbeit ist die starke ökologische Dimension, in deren Mittelpunkt das Konzept der ökologischen Schuld steht. Ferner wird die Schaffung von Reichtum (und nicht nur Armut) analysiert und der Versuch gemacht, eine „Habgier-Grenze“ zu entwickeln. Auch das Konzept des „gerechten Friedens“, das untrennbar mit der internationalen ökumenischen Friedenskonvokation verbunden ist, wird durch diese Arbeit befruchtet und fließt umgekehrt in sie ein.

66. Viele Kirchen engagieren sich zutiefst für die Befriedigung unmittelbarer menschlicher Bedürfnisse und die Bekämpfung der Ursachen von Ungerechtigkeit. Nothilfe ist in Situationen, in denen strukturelle wirtschaftliche Ungerechtigkeit, politische, religiöse und ethnische Konflikte und Naturkastastrophen das Lebensgefüge zerstören, sehr dringlich geworden. Die Programmaktivitäten des ÖRK im Bereich „Gerechtigkeit, Diakonie und Schöpfungsverantwortung“ (P4) verfolgen das Ziel, die Kirchen bei der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse wie auch bei der Bekämpfung von deren strukturellen Ursachen zu unterstützen.

67. Abgesehen von den ungerechten wirtschaftlichen und politischen Machtstrukturen wird das Leben vieler Menschen in dieser Welt fundamental durch die Auswirkungen des Klimawandels bedroht. Der Exekutivausschuss hat auf seiner Tagung im September 2007 in Armenien die Notwendigkeit einer ganzheitlicheren Politik betont, um in besonders stark vom Klimawandel betroffenen Ländern, vor allem in Afrika, der Karibik und dem Pazifik, Programme zu unterstützen und zu fördern, die zur Schadensminderung und Anpassung beitragen. Er rief die Industriestaaten auf, diese Programme zu unterstützen, da sie für die hohen Treibhausgasemissionen in Vergangenheit und Gegenwart verantwortlich seien. Während des Klimagipfels im Dezember 2007 in Bali stellte ein ökumenisches Team diese Anliegen heraus und forderte alle Verantwortlichen auf, sich in dieser Frage während und nach Kyoto voll zu engagieren.

68. Der ÖRK, nationale und regionale Räte und Kirchenkonferenzen, kirchliche Dienste und Werke, die Nothilfe und Entwicklungsarbeit leisten, haben gemeinsam ein Ökumenisches Wassernetzwerk aufgebaut, da der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung in Zeiten des Klimawandels zu einem der wichtigsten Anliegen geworden ist.

69. Die Sicherheit menschlichen Lebens wird nicht nur durch Naturkatastrophen, sondern auch durch politische, ethnische und religiöse Konflikte bedroht. Der Exekutivausschuss rief die Mitgliedskirchen auf, Vertriebene und Kirchen im Irak mit Gebeten, Fürsprachearbeit und direkten Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Der ÖRK befasste sich in seiner Arbeit auch schwerpunktmäßig mit Konfliktgebieten in Afrika, wie Sudan, Simbabwe und Kenia. Zusammen mit dem AACC stand er Kirchen zur Seite, um Lösungen für tief liegende Konflikte zu finden. Gewaltsame Versuche der Konfliktlösung haben so viele Gemeinschaften zerstört und junge und alte Menschen in Verzweiflung gestürzt. Neben der Unterstützung von Friedensprozessen hat der ÖRK wichtige Arbeit zur Heilung von Erinnerungen geleistet. Auf einer Tagung im Oktober 2007 in Dublin (Irland) konnten wir aus unserer Beschäftigung mit Konfliktgebieten in verschiedenen Teilen der Welt viele Lehren ziehen. Diese Lehren werden uns in unseren Anstrengungen zur Unterstützung von Mitgliedskirchen nützlich sein, die sich für Frieden, Versöhnung und Heilung einsetzen, wann und wo immer das Evangelium sie dazu aufruft.

70. Eine dritte ernste Bedrohung für das Leben stellt die HIV/AIDS-Pandemie dar. Die Ökumenische HIV/AIDS-Initiative in Afrika (EHAIA) kann signifikante Erfolge vorweisen: sie hilft den Kirchen bei ihrer Betreuungs- und Aufklärungsarbeit, hat dazu beigetragen, die theologische Reflexion über die Stigmatisierung der Betroffenen und andere wichtige Themen, wie sexuelle Gewalt und Armut, in Gang zu setzen. Die Einsichten, die wir durch die Arbeit von EHAIA in Afrika gewonnen haben, sind auch anderen Regionen, wie z.B. Asien, zugute gekommen. In mehreren theologischen Einrichtungen ist die theologische Reflexion über HIV/AIDS und die Sensibilisierung von Studierenden und Geistlichen für dieses Thema integraler Bestandteil der Lehrpläne geworden.

71. Der Klimawandel wird zu einer immer wichtigeren Migrationsursache. Es ist absehbar, dass die Zahl ökologischer Migranten bis Mitte des 21. Jahrhunderts die Zahl derer übersteigen wird, die aufgrund von Konflikten und Pandemien, Armut und der Unmöglichkeit, sich an neue Realitäten anzupassen, ihre Heimat verlassen werden. Der ÖRK hat Fragen der Ungerechtigkeit im Rahmen des globalen ökumenischen Migrationsnetzwerks aufgegriffen. Auf der Jahrestagung im Juni 2007 in Nairobi analysierten Vertreter/innen verschiedener Regionen die gegenwärtige Lage und entwickelten Strategien, um die Mitgliedskirchen in stärkerem Maße handlungsfähig zu machen. Der ÖRK hatte Gelegenheit, diese Fragen in Begegnungen mit dem UNHCR anzusprechen.  Im Anschluss an die Beratungen des letzten Zentralausschusses über die Implikationen der Migration für das Leben der Kirchen haben wir einen Prozess in Gang gesetzt, um die Kirchen für dieses Phänomen zu sensibilisieren und für den Umgang damit zuzurüsten.

72. Das Programm „Bildung und ökumenische Ausbildung“ (P5) stellt ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit und Integration der Arbeit dar, wie sie von der Vollversammlung in Porto Alegre gefordert wurde.

73. Der alte Traum von einem interreligiösen Seminar – das in Form und Arbeitsweise der Graduate School des Ökumenischen Instituts mit ihrem Schwerpunkt auf Begegnung, Studium und Forschung und einem Leben in Gemeinschaft entsprechen würde – konnte im Juli 2007 verwirklicht werden. Das Ökumenische Institut zusammen mit allen Stabsmitgliedern des Programms, dem Programm „Interreligiöser Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit“ (P6) sowie Partnern aus der jüdischen und der muslimischen Gemeinschaft in Genf unternahmen gemeinsame Anstrengungen (sowohl personell als auch finanziell), um dieses Projekt zu ermöglichen. Die lokale und internationale Presse würdigte dieses Veranstaltung als außergewöhnlich und berichtete über ihre positiven Ergebnisse. Die oben erwähnten Partner haben sich bereit erklärt, dieses Modell als jährliche Veranstaltung im Ökumenischen Institut weiterzuführen und interessierte Partner zur Mitwirkung einzuladen.

74. Die Integration des Ökumenischen Instituts in die Programmarbeit, insbesondere in die Ökumenische theologische Ausbildung (ETE) und Laienausbildung und religiöse Bildung wird von Kirchen, Universitäten, theologischen und ökumenischen Vereinigungen und Instituten bekräftigt und weiter unterstützt.  

75. Die kontinuierliche Nachfrage einer beträchtlichen Zahl von Mitgliedskirchen nach einem „dezentralisierten Bossey-Programm“ mit Beiträgen aller o. g. integrierten Projekte eröffnet neue und kreative Möglichkeiten, anders und effizienter zu arbeiten und im Bereich Bildung und ökumenische Ausbildung stärker mit den Regionen zusammenzuarbeiten.

76. Die Frage, wie Christsein in einer Zeit gelebt werden kann, in der das Bewusstsein religiöser Vielfalt so groß ist wie nie zuvor und die gleichzeitig von religiösen Spannungen  in aller Welt geprägt ist, ist die Schlüsselfrage, mit der sich das Programm „Interreligiöser Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit“ (P6) auseinandersetzt. Im Mittelpunkt der Arbeit dieses Programms stehen drei Themen: Bekehrung, Einbeziehung von Frauen und jungen Menschen, Begleitung von Kirchen in Konfliktsituationen.

77. „Thinking Together“, eine Denkfabrik, in der Wissenschaftler/innen aus verschiedenen Religionen zusammenarbeiten, vertritt einen innovativen Ansatz und leistet theologische Reflexion, insbesondere zum Thema Bekehrung. Christen und leitende Vertreter anderer Religionen gehen dabei davon aus, dass unsere Theologien durch Gelehrte anderer Religionen auf die Probe gestellt und präziser, klarer formuliert werden müssen. Diese Gruppe beschäftigte sich mit den unverantwortlichen Bekehrungspraktiken einiger christlicher Gruppen, die überall in der Welt zu Problemen führen und die Harmonie zwischen Religionsgemeinschaften vor Ort zerstören, und ging diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven an.

78. Mit ähnlichen Fragen beschäftigte sich eine Konsultation - die zweite einer ganzen Reihe von Konsultationen -, die vom ÖRK und dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog in Toulouse (Frankreich) veranstaltet wurde. Dabei handelte es sich um eine christliche Konsultation, auf der Evangelikale und Pfingstler zusammen mit Orthodoxen und Protestanten über „einen Verhaltenskodex für Bekehrung“ diskutierten. Besonders ermutigend ist, dass dieser Prozess mittlerweile von der Internationalen Evangelischen Allianz unterstützt wird, denn dies wird Einfluss auf evangelikale Gruppen ausüben, deren Evangelisationsmethoden unbedacht und manchmal ethisch unverantwortlich sind.

79. Signifikante Fortschritte wurden bei der Beteiligung von Frauen und jungen Menschen gemacht, die im interreligiösen Dialog normalerweise nicht vertreten sind. Nur wenige leitende Religionsvertreter, die an solchen Gesprächen teilnehmen, sind Frauen oder Jugendliche. Eine Delegation christlicher Frauen reiste im November in den Iran, um zusammen mit muslimischen Frauen darüber zu diskutieren, „wie Frauen in ihrem Berufsleben dank ihrer religiösen Überzeugungen einen Beitrag zum Frieden leisten können“. Diese Frauen haben sich gegenseitig verpflichtet, in den nächsten Jahren weitere Begegnungen folgen zu lassen.

80. Zwei Veranstaltungen waren für die Arbeit mit jungen Menschen prägend. Zum einen verbrachten fünfzehn Jugendliche zwei Wochen gemeinsam im Fireflies-Ashram in Bangalore (Indien). Zum anderen kamen mehr als 20 muslimische, jüdische und christliche Jugendliche nach Bossey, wo sie einen Monat lang im Rahmen des neuen Projekts gemeinschaftlichen Lebens zusammen lebten, über ihre unterschiedlichen Religionen diskutierten und voneinander lernten. Auch dieses Projekt wird in den kommenden Jahren fortgeführt werden.

81. Da viele Konflikte in der ganzen Welt heute mit Religion zu tun haben, brachte der Rat seine Entschlossenheit zum Ausdruck, mit Kirchen in Konfliktsituationen zusammenzuarbeiten, um die Möglichkeiten der interreligiösen Gemeinschaft zu Konfliktlösung, Versöhnung und Friedensaufbau zu nutzen. Im Dezember 2007 fand ein erstes „Brainstorming“ statt, eine Konsultation, an der 25 kirchliche Führungspersönlichkeiten, Experten/innen für internationale Beziehungen und ökumenische Partner zusammenkamen. Ihre Erkenntnisse werden dazu beitragen, einen Rahmen für das ganze Programm schaffen.

82. Im Oktober 2007 richteten 138 muslimische Gelehrte und Geistliche einen Brief mit der Überschrift Ein gemeinsames Wort zwischen uns und euch an leitende Kirchenvertreter/innen, darunter auch den ÖRK-Generalsekretär. Sie zitieren die Bibel und den Koran, um aufzuzeigen, dass christliche und muslimische Lehren über die Liebe Gottes und die Nächstenliebe bemerkenswerte Ähnlichkeiten aufweisen. Aber die Autoren des Briefes erkennen auch an, dass es zwischen Muslimen und Christen formelle und ernst zu nehmende Unterschiede gibt. Diese Unterschiede sollten uns jedoch nicht davon abhalten, unseren Dialog fortzuführen, um nicht nur ein „gemeinsames Wort“ zu sprechen, sondern auch Möglichkeiten gemeinsamen Handelns für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt heute zu sondieren.

83. Wir haben diesen Brief als Ausdruck der ernsthaften Bereitschaft – zumindest seitens der Autoren – begrüßt, neu über die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen nachzudenken. Daher haben wir die darin enthaltene Einladung ernst genommen und ich habe die ÖRK-Mitgliedskirchen in einem Brief um ihren Rat gebeten, wie wir darauf antworten sollten. In den ersten Rückmeldungen wurde angeregt, eine koordinierte Antwort darauf zu geben. Wir haben einen Prozess in diese Richtung in Gang gebracht, in dessen Rahmen im letzten Monat eine Konsultation christlicher Experten/innen für christlich-muslimische Beziehungen stattgefunden hat. Das Ergebnis dieser Konsultation ist ein Dokument mit dem Titel Learning to Explore Love Together, das den Mitgliedskirchen zugestellt werden wird. Sie werden ermutigt, es bei ihrer Antwort auf meinen Brief zu berücksichtigen und für den Aufbau konstruktiver Beziehungen und die Sondierung gemeinsamer Anliegen mit ihren muslimischen Nachbarn zu nutzen. Das Dokument bildet auch die Diskussionsgrundlage für eine eventuelle Konsultation mit den Autoren des Briefs, die später im Jahr stattfinden könnte. Es wird eine große Ermutigung sein, wenn der Zentralausschuss diese Vorgehensweise unterstützt.

84. Die ÖRK-Kommunikationsabteilung ist auch weiterhin das Sprachrohr des ÖRK und bemüht sich darum, das Profil des ÖRK zu schärfen - durch Medienarbeit, Webtätigkeit, das Büro für Bild und Grafik, Veröffentlichungen und den Sprachendienst. Ziel der Kommunikationsarbeit war und ist es, der weltweiten Gemeinschaft ein authentisches Bild vom ÖRK zu vermitteln, um ihr Engagement in der ökumenischen Bewegung und für die Arbeit des ÖRK zu stärken.

85. Die regelmäßige Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Features spiegelt die Bedeutung der Arbeit des ÖRK in der Welt heute wider. Das Team für Veröffentlichungen produziert weiterhin Bücher und Broschüren, die mit ihrer detaillierten Berichterstattung über wichtige Kommissionen und Konferenzen und über Anliegen, die für Kirchen überall in der Welt  wichtig sind, der ganzen ökumenischen Bewegung dienen. Das Team für Bild und Grafik trägt mit der Fortführung der Reihe „Keeping the Faith“ und der regelmäßigen Veröffentlichung von Bildern im Web und in Veröffentlichungen auch weiterhin zur visuellen Darstellung der ökumenischen Gemeinschaft bei.

86. Der neue Direktor hat es sich zur Hauptaufgabe gemacht, eine neue Strategie zu entwerfen, und legt Wert darauf, die Leitungsgremien zu konsultieren, um diese neue Strategie zur Stärkung der Rolle des Rates innerhalb der einen ökumenischen Bewegung zu konsolidieren und umzusetzen. Ihre Stellungnahme dazu, ist eine der wichtigsten Erwartungen, die wir an den diesjährigen Zentralausschuss haben.

87. Um den Zentralausschuss bei der Diskussion der vorgeschlagenen neuen Kommunikationsstrategie zu unterstützen, haben wir die Einrichtung eines kleinen Ausschusses empfohlen, der zwischen den Sitzungen arbeiten und das Plenum beraten soll. Der Vorschlag hat langfristige Konsequenzen und kann daher nicht angemessen in nur einer oder zwei Sitzungen behandelt werden. Die Annahme einer neuen Strategie durch den Zentralausschuss wird das Sekretariat sowohl inspirieren als auch herausfordern, effektiver daran zu arbeiten, dem ÖRK in der einen ökumenischen Bewegung und weltweit ein schärferes Profil zu geben.

88. Zum Schluss möchte ich Gott danken, dass er uns die Möglichkeit und die notwendigen Ressourcen – in Form von Zeit, Kompetenz, Wissen und Geld – gegeben hat, um all diese Arbeit zu tun. Ich möchte auch den Zentralausschussmitgliedern für all ihre Wegweisung, Unterstützung und Ermutigung danken. Ich erinnere daran, was die Erste Vollversammlung des ÖRK vor 60 Jahren  in Geist und Wort gesagt hat: „Wenn wir auf Christus schauen, sehen wir die Welt, wie sie ist, nämlich als Seine Welt, in die Er hineinkam und für die Er in den Tod ging. Diese Welt ist voll von großen Hoffnungen, und zugleich voll von hoffnungsloser Verzweiflung. Einige Nationen sind voller Freude in ihrer neu geschenkten Freiheit und Kraft; andere werden nicht frei von ihrer Bitterkeit, weil ihnen die Freiheit versagt bleibt; andere wieder bleiben gelähmt durch mangelnde Einheit. Überall aber spürt man in der Tiefe reine Angst.“ Inspiriert durch das, was diejenigen gesagt haben, die uns in der Ökumene vorangegangen sind, vertraue ich darauf, dass wir, wenn wir eins sind, gemeinsam etwas bewegen können, so dass noch mehr Kinder Gottes ein Leben in Fülle leben können. Möge der gute Gott unsere Arbeit auf dieser 57. Tagung des Zentralausschusses segnen, damit sie einen wichtigen Beitrag zu diesem Ziel leistet.


[1] S. 415, Piper-Verlag, München, Zürich, 1974, vom Verfasser autorisierte Übersetzung aus dem Englischen von Dr. Heidi von Alten.

 

[2] Vgl. Manfred Ernst, Globalisation and the Re-shaping of Christianity in the Pacific Islands, Pacific Theological College, Suva 2007, S. 704

[3] Ibid., S. 700

[4] Peter L. Berger 2002, S.8 – vgl. M. Ernst, S.695

[5] David Martin, Pentecostalism. The World their Parish, Blackwell, Oxford 2002; Harvey Cox, Fire from Heaven. The Rise of Pentecostal Spirituality and the Reshaping of Religion in the Twenty-First Century, Da Capo Press, Cambridge (MA) 2001; Karla Poewe, Charismatic Christianity as a Global Culture, University of South Carolina,  Columbia 1994

[6] M. Ernst, S. 695

[7] M..Ernst, S. 698

[8] M.E., S. 702

[9] Im Bericht dieser Tagung heißt es: „Es wurde vorgeschlagen, die Kerngruppe des Runden Tisches sollte folgende Anliegen gemeinsam mit dem ÖRK weiterverfolgen: Entwicklung theologischer Grundlagen für die Fürsprachearbeit; gezielte globale Fürsprachearbeit zu Menschenrechtsanliegen und Sicherheitsfragen in den Einrichtungen des UN-Systems; Untersuchung der Rolle des ÖRK und seiner Mitgliedschaft im Blick auf internationale Finanzeinrichtungen; Untersuchung der Rolle des ÖRK und seiner Mitgliedschaft im Blick auf den Privatsektor, insbesondere transnationale Unternehmen; Stärkung des Verantwortungsgefühls und der Einbindung von Mitgliedskirchen und ökumenischen Partner durch Kapazitätsaufbau und kritischen Dialog; Erfassung der Schwerpunktbereiche in der Fürsprachearbeit der ökumenischen Familie, sei es durch kreative Bestandsaufnahme, Arbeitsteilung oder bestehende Foren.“