Brief des ÖRK-Generalsekretärs an die Mitgliedskirchen im Nahen Osten
Genf, 7. Januar 2009
Liebe Brüder und Schwestern in Christus,
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Wir schreiben diesen Brief als Wort des Zuspruchs für die Kirchen im Nahen Osten und senden ihn auch an die ÖRK-Mitgliedskirchen in der ganzen Welt.
Die weltweite ökumenische Familie hat Ihre Aufrufe und Ihre Besorgnis angesichts der Krise im Gazastreifen gehört. Wie passend es doch ist, dass der ökumenischen Fürbittkalender Gläubige in vielen Ländern genau in diesen Wochen einlädt, für die Kirchen im Nahen Osten und für die Menschen, denen Sie dienen, zu beten. Möge das Heimatland Jesu den in der Weihnachtsbotschaft verheißenen Frieden finden und möge Gott Sie und alle Ihre Nachbarn vor der Spirale der Gewalt, den Feinseligkeiten und der Vergeltung, die den Gazastreifen und Israel zurzeit beherrschen, beschützen.
Wir haben den Aufruf zum Frieden in der jüngsten Erklärung der Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem vernommen und stimmen ihnen zu, dass beide Seiten "zur Besinnung kommen und jegliche Gewalt, die nur Zerstörung und Tragödien mit sich bringt, unterlassen müssen". Wir schließen uns dem Aufruf der Kirchen in Jerusalem an die internationale Gemeinschaft an, dass für den "Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern endlich eine gerechte und umfassendeLösung gefunden werden muss, die auf internationalen Beschlüssen beruht".
Zusammen mit Mitgliedskirchen, anderen ökumenischen Einrichtungen und Partnern in der internationalen Gemeinschaft fordert der Ökumenische Rat der Kirchen das Ende der Feindseligkeiten und neue Verhandlungen für ein Abkommen, durch das ein gerechter und dauerhafter Frieden für beide Seiten, Palästinenser und Isralis, gesichert wird. Ein solches Friedensabkommen muss die Achtung des Völkerrechts in Bezug auf Menschenrechte, humanitäre Hilfe und den Schutz der Zivilbevölkerung in Krisengebieten seitens aller Behörden beinhalten. Es muss die Wiederherrstellung der Waffenruhe auf beiden Seiten der Grenze und eine schnellere Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens vorsehen.
Alle, die dieses Schreiben erhalten, sind eingeladen, ein Friedensgebet für Palästina und Israel zu sprechen (siehe Schluss dieses Briefes oder online). Bitte leiten Sie das Gebet weiter, damit unsere Gemeinschaft mit einer Stimme zu Gott betet.
Der ÖRK bittet die Kirchen und Dienste ferner um Informationen über Aktionen, die sie derzeit durchführen, um Frieden und Gerechtigkeit voranzubringen.
Wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass Regierungen, die Arabische Liga, die Europäische Union und die Vereinten Nationen konkrete Schritte für den Frieden unternehmen. "Erhebt eure Stimmen mit uns, wenn wir den Mächtigen die Wahrheit sagen und mutig auf das Unrecht hinweisen, das wir sehen und erfahren", heißt es im Aufruf von Amman. "Die rechtswidrige Besetzung hat zwei Generationen der an diesem gequälten Ort lebenden Menschen das Leben gestohlen und bedroht die nächste mit Hoffnungslosigkeit und Wut", heißt es weiter mit dem Hinweis darauf, dass die Hälfte der 1,5 Millionen Einwohner des Gazastreifens unter 18 Jahre alt sind.
Die aktuelle Krise geht tiefer als Raketen und Vergeltungsschläge. Wie der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen Anfang letzten Jahres erklärte:
Die Bevölkerung des Gazastreifens befindet sich seit Jahren in einer gravierenden humanitären, Menschenrechts- und politischen Situation, die sich ständig verschlechtert. Die politische Logik, die diesem winzigen Streifen Land aufgezwungen wird, wird auf eine neue Spitze getrieben. Die öffentliche Ordnung wird noch stärker von internem Druck bedroht. Der Horizont für die Menschen an diesem Ort, der zu den bevölkerungsreichsten der Erde zählt, scheint sich mit jedem Tag zu verengen.
Mit jedem Tag hat sich die Situation im Jahre 2008 verschlechtert. Wir rufen heute alle Christinnen und Christen in der Welt auf, für Frieden zu beten und, wann immer möglich, ihre Regierungen aufzufordern und zu ermutigen, sich für die Überwindung der Feindschaft und für Versöhnung einzusetzen. Am Beginn eines neuen Jahres beten wir für Sie mit einem Gebet aus Israel und Palästina.
Gnädiger und barmherziger Gott,
gütiger und versöhnender Gott,
gieße deine Kraft über all deine Kinder im Nahen Osten aus.Lass Hass zu Liebe werden, Angst zu Vertrauen,
Verzweiflung zu Hoffnung, Unterdrückung zu Freiheit,
Besatzung zu Befreiung,
damit Begegnungen voller Gewalt zu Umarmungen voller Liebe werden
und Friede und Gerechtigkeit für alle herrschen. AmenAus "Stell dir vor: Frieden", liturgisches Material, bereitgestellt von der ÖRK-Dekade zur Überwindung von Gewalt, 2008.
In christlicher Liebe und christlichem Dienst,
Ihr
Pfarrer Dr. Samuel Kobia
cc: ÖRK-Mitgliedskirchen außerhalb des Nahen Ostens

