Sieben Wochen im Zeichen des Wassers
Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2010: Heilige Wasser
Schenken Sie dem Menschenrecht Wasser besondere Aufmerksamkeit während der Fastenzeit.
Die wöchentlichen Bibelbetrachtungen für die siebenwöchige Fastenzeit sollen das Bewusstsein für die Themen Wasser und Gerechtigkeit im Blick auf den Weltwassertag am 22. März schärfen. In der Fastenzeit wird hier jede Woche eine kurze biblische Meditation zusammen mit einigen Kampagnen-Links und kreativen Anregungen veröffentlicht werden.
In diesem Jahr werden wir in “Heilige Wasser” eintauchen, unser Thema für 2010. Wir werden die Bedeutung und Verwendung des Wassers in unseren liturgischen Traditionen erkunden, und was uns diese zu sagen hat über die Bedeutung und Verwendung von Wasser in unserem Alltag. Und anders herum – wie kann die Realität des Wassers in unserer heutigen Zeit, inclusive der globalen Wasserkrise, unsere liturgische Verwendung von Wasser informieren und inspirieren?
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Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2010
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8)
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. (Psalm 42, 1)
Tropf, tropf, tropf
Genau wie eine Uhr, die laut und regelmäßig tickt, macht auch Wasser Geräusche: wenn es regnet oder nass ist, tropft es von Felsen und Dächern herunter. Es tropft auch aus schlecht zugedrehten Wasserhähnen in Gesellschaften, in denen das kostbarste und lebenswichtigste Gut vergeudet wird, ohne dass jemand darüber nachdenkt.
Nach Zeiten der Dürre wird das Geräusch von tropfendem Wasser mit Freude begrüßt. Dieses Geräusch von Wassertropfen, die auf den Boden fallen, trägt die Verheißung von Verwandlung in sich: von keimendem Samen, fruchtbringenden Pflanzen, hoffnungsvoller Zukunft, Erneuerung. In diesen Tropfen schwingt auch der Klang von Gerechtigkeit mit.
Vor mehr als zweitausend Jahren rief der Prophet Micha die Menschen zu einer Spiritualität des Widerstands und der Beharrlichkeit auf, die drei Imperative enthält: Haltet Gottes Wort, übt Liebe und seid demütig vor eurem Gott. Zu einer solchen Spiritualität der Beharrlichkeit, des nachhaltigen, verantwortungsvollen Engagements werden Christen und Christinnen auch zu Beginn dieser neuen Fastenzeit wieder aufgerufen.
Vor vielen Jahrhunderten erklärte der römische Dichter Ovid, tropfendes Wasser höhle den Stein nicht mit Kraft, sondern mit Stetigkeit. In einer Gesellschaft, in der alles schnell gehen muss, sind die Tugenden der Fastenzeit - Selbstdisziplin und Verzicht - nicht immer einfach zu vermitteln. Michas Spiritualität mit ihren drei Komponenten ruft uns auf, genau wie Wasser, das stetig auf den Stein tropft, in unseren eigenen Gesellschaften und in der ganzen Welt immer und immer wieder die Frage der Wassergerechtigkeit zu stellen.
Loren Kerkof, ein US-amerikanischer Franziskaner, ermutigt ebenfalls zur Entwicklung einer dreifachen Spiritualität als Antwort auf die ökologische Wirklichkeit unseres Planeten, einer Spiritualität, die aus unserem Bedürfnis nach einer tieferen Beziehung zu Gott, aus einem Gefühl moralischer Verantwortung und dem Ruf erwächst, Gottes Reich der Gerechtigkeit voranzubringen.
"Öko-Spiritualität erkennt, dass die Erde ein Abglanz des Göttlichen ist; sie sieht das Universum als Sakrament Gottes, als Inkarnation Gottes. Die Schönheit und Gegenwart Gottes in allen Dingen zu betrachten, kann in uns eine metanoia bewirken, eine Umkehr, die uns dazu bewegt, gegen die Krise vorzugehen, mit der unser Planet, unsere Heimat, Gottes Schöpfung konfrontiert ist."
Wie der Hirsch in Psalm 42, der nach frischem Wasser lechzt, so gibt es in unserer Welt eine tiefe Sehnsucht nach Erneuerung, nach sauberem Wasser, nach einer tieferen Beziehung zu Gott, nach engeren zwischenmenschlichen Beziehungen und einem Zusammenleben in Gerechtigkeit.
Die Wasserkrise und die ungerechte Wasserversorgung sind Teil der Krise, die unser Planet durchlebt. Laut Kerkof lautet die Frage, vor der wir heute stehen: "Wie sollen wir dann unser Leben führen?"
In diesem Sinne geht es in der Fastenzeit eher darum, dass wir uns Zeit nehmen, Fragen zu stellen, Gottes schöne Schöpfung mit offenen Augen zu sehen, uns bewusst zu machen, welche Verbindungen zwischen unserem persönlichen Lebensstil und dem gesamten Leben auf diesem kostbaren und verwundbaren Planeten bestehen, und uns zu fragen, was genau Jesu Nachfolge heute impliziert? Es geht darum, schöne Seen, frei strömende Flüsse oder einfach ein Glas sauberes Trinkwasser zu betrachten und uns nach Gerechtigkeit zu sehnen. Es geht auch darum, dass wir uns selbst verpflichten, Teil des langfristigen Engagements für Wassergerechtigkeit auf unserem ganzen Planeten zu werden.
Auf unserem Weg durch die Fastenzeit, den wir in Demut mit Gott gehen, sehen wir voller Erwartung der Verwandlung entgegen, die Christus der Welt durch seine Auferstehung an Ostern verheißen hat. Diese Verwandlung der Werte in unserer Welt muss bei uns selbst ansetzen.
Die Verwirklichung einer gerechten Wasserversorgung für die mehr als eine Milliarde Menschen, die auf unserem Planeten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, wird nicht über Nacht kommen. Es wird ein langer Prozess sein, in dem Fürsprachearbeit, Kampagnen und direkte Aktionen miteinander verbunden werden müssen. Manchmal werden wir den Eindruck haben, dass unsere Arbeit keine Wirkung zeigt. Was von uns verlangt wird, ist nicht nur intellektuelles und politisches Engagement, sondern auch eine Spiritualität der Beharrlichkeit, die uns in unserem Bemühen trägt, Jesus nachzufolgen und das Wasser zu sein, das Berge der Ungerechtigkeit aushöhlt.
Die Verheißung lautet, dass Christus, die Quelle lebendigen Wassers, uns auf diesem Weg erhält und das Wasser für den Samen neuen Lebens spendet.
Jane Stranz
Jane Stranz ist Pfarrerin der Vereinigten Reformierten Kirche in Großbritannien und der Reformierten Kirche von Frankreich. Sie lebt in Frankreich und arbeitet im Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf als Koordinatorin des Sprachendienstes.
Gemeinsam können wir etwas bewegen
Bereiten Sie sich auf den Weltwassertag (22. März) vor!
- Finden Sie heraus, ob es in Ihrem Umfeld lokale Initiativen zum Weltwassertag gibt.
- Schauen Sie sich die Ideen für den Weltwassertag an und finden Sie heraus, bei welchen Aktionen für mehr Gerechtigkeit Sie und Ihre Kirche an diesem Tag mitmachen können.
Eine spirituelle Übung
Nehmen Sie sich bewusst Zeit, um Wasser zuzuhören - wie es tropft, fließt, strömt.
Machen Sie sich klar, dass jeder einzelne Tropfen Wasser lebenspendendes Potenzial hat und unfruchtbares Land bewässern und zu neuem Leben erwecken kann.
Wenn Sie den Geräuschen von Wasser zuhören oder versuchen, sie sich vorzustellen, beten Sie:
- für einen gerechteren Zugang aller Menschen zu diesem lebenswichtigsten aller Güter;
- für Geduld bei stetiger Fürsprachearbeit und Kampagnen für Wassergerechtigkeit.
Lesen Sie Loren Kerkofs Artikel hier (in Englisch)
Foto: Andrei Niemimäki
