
Newsletter des Ökumenischen Wassernetzwerkes (ÖWN), Nummer 5 - Juli 2007 Den Newsletter des ÖWN gibt es auch auf
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Liebe Kollegen und Freunde,
Liebe Freunde, Kolleginnen und Kollegen,
Regenwasserernte und Gesundheitsclubs, Informationsaustausch über Erfolgsmethoden, Menschenrechtsarbeit, internationale und regionale Zusammenarbeit – den Teilnehmern und Teilnehmerinnen an der ÖWN-Konferenz in Entebbe (Uganda) fehlte es nicht an Ideen, wie sich Einzelne und Gemeinschaften oder Organisationen für den Zugang zu Wasser von Menschen in Afrika und anderswo auf der Welt engagieren können.
Ein besonderes Anliegen der Konferenzteilnehmenden waren die Konflikte, die aus dem Wettlauf um natürliche Ressourcen wie z.B. Wasser entstehen. Teilnehmende aus Darfur berichteten, dass der Ursprung der Spannungen in der Region in Auseinandersetzungen um Land und Wasser zu suchen sei. Ein neuer Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) bestätigt, dass eine nachhaltige und gerechte Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen der Schlüssel zum Frieden im Sudan wie auch in anderen Regionen ist.
Es gibt aber auch gute Nachrichten: Angesichts der Umweltbelastung durch Flaschenwasser hat die Stadtverwaltung von San Francisco beschlossen, den Ankauf von Flaschenwasser einzustellen und bis Dezember 2007 auf flaschenlose Wasserspender umzusteigen. Und in der argentinischen Stadt Córdoba werden die Einwohner im September nach jahrelangem Kampf in einem Referendum über die Vertragsverlängerung mit dem Wasserdienstleister Suez-Roggio abstimmen können.
Mit besten Grüßen,
Euer Team vom ÖWN
Maike Gorsboth & Gillerma Kerber

„Aus unserem Erfahrungsaustausch ging hervor, dass Wasserversorgung, sanitäre Grundversorgung und Umweltschutz, einschließlich der Bewirtschaftung von Wassereinzugsgebieten, niemals voneinander getrennt, sondern ganzheitlich behandelt werden sollten“, heißt es in der Schlusserklärung der Konferenz „Kirchen für Wasser in Afrika“, die vom 21.-25. Mai in Entebbe (Uganda) stattgefunden hat.
Im Konferenzsaal wie auch bei den Besuchen in städtischen und ländlichen Gemeinschaften in Uganda wurden die Teilnehmenden mit den Problemen einer gesicherten Trinkwasser- und Sanitärversorgung in Afrika konfrontiert. In der Diskussion über praktische und nachhaltige Lösungen für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen wurden Regenwasserernte, Hygieneerziehung und gezielte Förderung des Informationsaustauschs über Erfolgsmethoden besonders hervorgehoben.
Auch die Bedeutung der Lobbyarbeit bei lokalen, nationalen und internationalen Institutionen wurde unterstrichen. Besorgt angesichts des langsamen Fortschritts bei der Umsetzung der Millenniumentwicklungsziele insbesondere im ländlichen Afrika riefen die Teilnehmenden Regierungen wie auch multilaterale Institutionen dringend auf, das Menschenrecht auf Wasser zu respektieren und den Armen und den am meisten Ausgegrenzten in der Wasserpolitik und bei der Mittelvergabe eindeutig Priorität einzuräumen.
Ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung und Arbeit in ihren Heimatländern bestätigten die Teilnehmenden, dass sich die gravierenden Folgen des Klimawandels bereits jetzt auf das Leben von Millionen Menschen in Afrika auswirken und Überschwemmungen, Dürreperioden, unvorhersehbare Regenfälle sowie Desertifikation verursachen. Sie wandten sich speziell an die Industriestaaten und riefen sie auf, ihrer Verantwortung nachzukommen und notwendige Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen zu unterstützen.
Die Teilnehmenden verpflichteten sich, die gelernten Lektionen umzusetzen und die Debatte in ihren Ländern, Kirchen und Organisationen fortzusetzen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind sie bereits dabei, in ihren Heimatländern und zusammen mit ihren neu gefundenen Partnern Folgeaktivitäten zu planen und zu initiieren.
An der Konferenz nahmen rund 80 Personen teil, darunter kirchenleitende Verantwortliche, Theologen/innen, Wasserfachleute und Projektkoordinatoren/innen. Sie kamen aus 19 afrikanischen Ländern wie auch aus Europa und Lateinamerika. Die Konferenz war vom Ökumenischen Wassernetzwerk (ÖWN) in Zusammenarbeit mit dem Gemeinsamen Christenrat von Uganda (Uganda Joint Christian Council, UJCC), der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz (All African Conference of Churches, AACC) und dem in Uganda ansässigen Büro für Entwicklungszusammenarbeit und -forschung (Agency for Cooperation and Research in Development, ACORD) organisiert worden.
Weitere Informationen:
Konferenzprogramm und Präsentationen (Englisch)
Die Entebbe-Erklärung (Schlusserklärung der Konferenz)
Geschichten und Features:
» “Umgehender Handlungsbedarf für schmelzende Eiskappen auf Afrikas höchsten Bergen”
» “Villagers in eastern Uganda tackle water scarcity through Anglican partnerships”

Die Vorhersage, dass künftige Kriege nicht um Erdöl, sondern um Wasser ausgetragen werden könnten, hat man in den letzten zwanzig Jahren immer wieder gehört. Die bekannte indische Wasseraktivistin Vandana Shiva wies darauf hin, dass wir bereits von „Wasserkriegen“ umgeben sind, auch wenn wir sie nicht unbedingt als solche erkennen.
Teilnehmende an der Konferenz „Kirchen für Wasser in Afrika“, die vom 21.-25. Mai in Entebbe (Uganda) stattfand, bestätigten, dass der Streit um Wasser und andere natürliche Ressourcen schon jetzt zahlreiche gewaltsame und gewaltlose Konflikte zwischen und innerhalb von afrikanischen Staaten ausgelöst hat und auslöst. Neben den allseits bekannten Spannungen im Zusammenhang mit dem Nilwasser wurden der Darfur-Konflikt im Sudan und die Spannungen und Zusammenstöße an den Hängen des Kilimandscharo als weitere Beispiele dafür genannt, wie Umweltzerstörung gekoppelt mit abnehmenden Wasservorräten und anderen natürlichen Ressourcen Feindseligkeiten und sogar Gewalttätigkeiten auslösen können.
Ein neu veröffentlichter Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) zur Umweltsituation im Sudan unterstützt die Auffassung, dass die Umweltzerstörung durch Klimawandel, Abholzung und Überweidung einer der Hauptgründe für den Darfur-Konflikt ist
Der UNEP-Bericht zeigt auf, dass Investitionen in die Umwelt Investitionen in den Frieden sind und dies nicht nur für den Sudan gilt. „Die Tragödie im Sudan ist nicht einfach die Tragödie eines einzelnen afrikanischen Staates, sondern weist auf einen größeren Zusammenhang hin und verdeutlicht, dass eine unkontrollierte Reduzierung von natürlichen Ressourcen wie Boden und Wälder in Verbindung mit Auswirkungen wie dem Klimawandel ganze Gemeinschaften und sogar Nationen destabilisieren kann“, sagt Achim Steiner, UN-Untergeneralsekretär und UNEP-Exekutivdirektor.
Die Teilnehmenden an der ÖWN-Konferenz hoben hervor, dass die Gesellschaften einen Entwicklungskurs einschlagen müssten, der die Umwelt schützt. In der Schlusserklärung gaben Kirchenführer wie Fachleute ihrer Überzeugung Ausdruck, dass Wasserkonflikte in Zeichen der Hoffnung umgewandelt werden können, wenn sich Staaten und ihre Institutionen um gewaltlose Lösungen bemühen - in Zusammenarbeit mit der betroffenen Bevölkerung und gestützt auf die gegenseitige Respektierung des Rechts auf Wasser.
Weitere Informationen:
“Darfur-Krise durch Wasserkonflikte ausgelöst; kleinere Wasserkonflikte sind ebenfalls tödlich, erklärt Wasserkonferenz” WCC 07.06.07
“Environment the key to peace in Sudan, Africa – UN” M&C 22.06.07
“UNEP: climate change behind Darfur conflict” SciDev.Net 19.06.07
UNEP Report “Sudan Post-Conflict Environmental Assessment” (Kompletter Bericht auf Englisch; Zusammenfassung auf Englisch, Französisch, Arabisch; Pressemitteilung auf Englisch und Französisch) auf http://www.unep.org/sudan

Seit dem 1. Juli trinken die Angestellten der Stadtverwaltung von San Francisco kein Flaschenwasser auf Kosten der Stadt mehr. Bürgermeister Gavin Newsome hat beschlossen, dass keine öffentliche Behörde oder Dienststelle mehr Wasser in Flaschen kaufen darf, weder für die Angestellten, noch für öffentliche Veranstaltungen.
Newsome begründete seine Entscheidung mit dem Hinweis auf die tiefgreifende Umweltbelastung durch die Mineralwasserindustrie. „So viel Abfall und Verschmutzung durch ein Produkt, das nach objektiven Standards im Vergleich zu San Franciscos reinem Leitungswasser häufig minderwertig ist.“
Neben dem Verbot von Einwegflaschen ist auch geplant, dass alle städtischen Dienststellen bis Dezember 2007 von Getränkeautomaten mit Wasserflaschen auf flaschenlose Wasserspender umstellen.
Der Wortlaut des Beschlusses (auf Englisch) steht unter:
http://www.sfgov.org/site/uploadedfiles/07-07ExecutiveOrderonBottledWater.pdf
Die diesjährige Weltwasserwoche steht unter dem Thema „Fortschritte und Prognosen zum Wasserproblem: Engagement für Nachhaltigkeit in einer sich verändernden Welt“. Den Organisatoren zufolge sollen sanitäre Grundversorgung und Hygiene – die Stiefkinder der Wasserdebatte - besonders hervorgehoben werden. Am Donnerstag, dem 16. August, ist ein Dialog zwischen Religionsführern und internationalen Wasserfachleuten zum Thema „Wasser, Ethik und Religion“ geplant.
Weitere Informationen auf Englisch: http://www.worldwaterweek.org
Am 2. September wird in der Stadt Córdoba ein Referendum über Wasser in Argentinien durchgeführt. Die Einwohner werden darüber abstimmen, ob der Vertrag mit dem multinationalen Unternehmen Suez-Roggio verlängert werden soll oder nicht. Die Volkskommission für die Wasserbewirtschaftung in Córdoba hat die Einwohner von Córdoba aufgerufen, ihr „NEIN“ zum Vertrag mit Suez-Roggio (Aguas Cordobesas) zu ergänzen durch ein „NOCHMALS NEIN“ zu den Plänen, die bestehende Abmachung durch eine andere zu ersetzen, bei der die Anbieter ebenfalls Privatunternehmen wären. Die Kommission setzt sich für eine öffentliche und kommunale Bewirtschaftung der Wasservorräte und sanitären Infrastruktur ein.
Offener Brief der Comision Popular por la Recuperación del Agua auf Englisch und auf Spanisch
Das Referat „Frauen in Kirche und Gesellschaft“ (FKG) des Lutherischen Weltbundes (LWB) veranstaltet vom 4.-8. September in San Salvador (El Salvador) eine weitere Regionalkonsultation unter dem Motto „Wasser in Bewegung bringen“. Auf der Tagesordnung steht u.a. das Dilemma einer gerechten, finanziell tragbaren Wasserversorgung auf der einen und der von der wirtschaftlichen Globalisierung begünstigten Privatisierung von Wasser auf der anderen Seite. Frühere Konsultationen haben in Europa, Nordamerika, Afrika und Asien stattgefunden.
Die jüngste Ausgabe des „Women Magazine“, das vom FKG herausgegeben wird, ist ausschließlich den Themen und Ergebnissen des bisherigen Konsultationsprozesses „Wasser in Bewegung bringen“ gewidmet und enthält eine Anzahl verschiedener Artikel und Berichte. Nachzulesen (auf Englisch, 2.4 MB) unter:
http://www.lutheranworld.org/What_We_Do/DMD/DMD-Documents/DMD-Women_57-web.pdf
Zu der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung werden 2100 Delegierte aus europäischen Kirchen, von Bischofskonferenzen sowie von europäischen ökumenischen Einrichtungen und Bewegungen in Sibiu (Rumänien) zusammenkommen. Eine der ganztägigen Anhörungen ist der Frage gewidmet, wie die Schöpfungsverantwortung in „nachhaltige Lebensstile“ umgesetzt werden kann. Das Europäische Christliche Umweltnetzwerk (ECEN), Mitglied des Ökumenischen Wassernetzwerks, bittet die europäischen Kirchen, den Zeitraum vom 1. September bis zum zweiten Sonntag im Oktober als „Zeit für Gottes Schöpfung“ zu bestimmen. ECEN hat ein Heft mit Hintergrundinformationen zur „Schöpfungszeit“ herausgegeben. Darin sind auch Gebete und Lieder enthalten, die den Kirchen bei der Gestaltung helfen sollen.
Das ECEN-Heft liegt auf Englisch, Französisch und Deutsch (PDF, 1MB) vor auf der Website des Europäischen Christlichen Umweltnetzwerks (ECEN): www.ecen.org
Website der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung: www.eea3.org
Voraussichtlich Mitte August wird auf der Wasser-Webseite des Amtes des Hohen Kommissars für Menschenrechte (OHCHR) der Entwurf einer Studie über „Menschenrechtsverpflichtungen im Zusammenhang mit gerechtem Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung“ verfügbar sein.
Sudan Post-Conflict Environmental Assessment
Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP): Sudan Post-Conflict Environmental Assessment. Nairobi 2007.
In Kapitel 4 des Berichts „Conflict and the Environment“ wird ausführlich beschrieben, wie der harte Wettkampf um abnehmende natürliche Ressourcen den gegenwärtigen Konflikt mitausgelöst hat.
Für weitere Informationen, besuchen Sie bitte unsere Internetseite: water.oikoumene.org