Newsletter des Ökumenischen Wassernetzwerkes (ÖWN), Nummer 4 / 2009 (Dezember 2009)

Den Newsletter des ÖWN gibt es auf
Englisch, Spanisch, Französisch, und Deutsch.

1) Lateinamerikanische Christen fordern Recht auf Wasser

El Paraíso ("Paradies") in Villa María del Triunfo, in der Nähe von Lima. Foto: Maike Gorsboth / ÖWN

"Wasser ist für alle da, weil es das Blut der Mutter Erde ist", erklärte die peruanische Kongressabgeordnete Maria Sumira aus Peru bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Konferenz "Wasser für das Leben und die Schöpfung". Die Konferenz, die vom 23. bis 25. November in Lima (Peru) stattfand, wurde vom Ökumenischen Wassernetzwerk (ÖWN) und dem Lateinamerikanischen Rat der Kirchen (CLAI) veranstaltet.

In der ethisch-theologischen Auseinandersetzung mit diesem Thema seien die Kirchen aufgefordert, so die Konferenzteilnehmenden, Kritik zu üben und eine Situation anzuprangern, in der der Zugang zu Wasser von einigen Wenigen kontrolliert werde und die ärmsten und schutzlosesten Sektoren der Bevölkerung am meisten für ein Gut bezahlen müssten, zu dem sie nur sehr eingeschränkt Zugang hätten. Diese Situation sei das Ergebnis eines "Entwicklungsmodells", das die Schwächsten ausbeute und unterdrücke und angesichts dessen die Kirche nicht weiter schweigen könne und dürfe.

Zur Untermauerung dieser Forderung schilderten mehrere Konferenzteilnehmende die in ihren Ländern gemachten Erfahrungen mit Fürsprachearbeit, die in den verschiedensten Bereichen geleistet wird und in manchen Fällen für die Verantwortlichen der Gemeinschaften Gefahren für Leib und Leben mit sich bringt.

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2) Dürsten nach Gerechtigkeit: Palästinenser haben eingeschränkten Zugang zu Wasser

Auf der Grundlage eines neu veröffentlichten Berichts über die Wassersituation in Palästina hat Amnesty International die israelischen Behörden aufgerufen, sich dringend mit der akuten Notwendigkeit der Wassersicherheit in den besetzten palästinensischen Gebieten zu befassen.

In dem Bericht heißt es, dass 180 000-200 000 der Palästinenser in ländlichen Gebieten im besetzten Westjordanland keinen Zugang zu fließendem Wasser haben. “In bestimmten Teilen Westjordanlands verbrauchen israelische Siedler pro Kopf bis zu zwanzig Mal mehr Wasser als benachbarte palästinensische Gemeinschaften, die mit knapp 20 Litern pro Kopf am Tag auskommen müssen.”

Auch aus den Beobachtungen von Teilnehmenden am Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel geht hervor, wie verzweifelt die Wassersituation in dem Gebiet ist. "Manchmal drehen sie das Wasser tagelang ab", erzählt ein Bewohner von Umm Al Kher Miranda, einer ökumenischen Begleitperson aus Großbritannien. "Wir haben genug Wasser zum Trinken und Waschen, aber nicht für die Landwirtschaft."

Mehr Informationen:

Bericht von Amnesty International (verfügbar auf Englisch, Spanisch und Französisch)

Kein Wasser für die Nachbarn  (EAPPI, 03.12.09)

Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel: www.eappi.org

 

3) Presbyterianische Kirche in Nigeria "predigt Wasser"

Mehr als die Hälfte aller Nigerianer haben keinen Zugang zu sicherem Wasser, nur ein Drittel Zugang zu adäquaten sanitären Einrichtungen. Photo: Maike Gorsboth / ÖWN

"Die Verkündigung des Evangeliums im 21. Jahrhundert geht über Predigt und Evangelisation hinaus. Die Kirche muss sich den Armen, Kranken und Durstigen zuwenden, wie Jesus es getan hat, und die Liebe Jesu auf jede nur erdenkliche Weise weitergeben”, sagte Pfr. Okechukwu Kalu Iro, nationaler Leiter des Presbyterianischen Gemeinschafts- und Entwicklungsdienstes bei der Einweihung der neuen Organisation “Preach Water” (Wasser predigen) seiner Kirche am Sonntag, dem 6. Dezember in Lagos, Nigeria.

Die Organisation wurde von der Presbyterianischen Kirche der Westsynode Nigerias ins Leben gerufen und soll das Bewusstsein dafür fördern, dass Wasser und sanitäre Einrichtungen Grundvoraussetzungen für ein gesundes Leben sind und dass Wasser verantwortlich genutzt und bewahrt werden muss. Sie soll sich ferner dafür einsetzen, dass Zugang zu Wasser und sanitäre Grundversorgung als menschliche Grundrechte anerkannt werden.

"Wasser hat mit Leben, Gerechtigkeit und Frieden zu tun. Nicht nur in Nigeria, sondern überall in der Welt. Die Presbyterianische Kirche von Nigeria und der Christenrat von Nigeria haben das globale Ausmaß der Wasserkrise erkannt und  beschlossen, über das Ökumenische Wassernetzwerk (ÖWN) mit Christen und Christinnen in aller Welt zusammenzuarbeiten", kommentierte Maike Gorsboth. Sie vertrat bei den Einweihungsfeierlichkeiten das ÖWN-Sekretariat, das sich im Ökumenischen Rat der Kirchen befindet.

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4) Neue Materialien

  • "Ein Kilo Mehl braucht 1000 Liter Wasser"
    Deutschlandradio
    Geograf Wolfram Mauser spricht im Deutschlandradio über neue Strategien im Kampf gegen Wasserknappheit. Das Interview finden Interessierte unter www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1075509/ 
  • Wasserprivatisierung in Manila - Ein Globalisierungs-Lehrstück
    Erschienen in Globalisierung bringt Bewegung, herausgegeben von Uwe Hoering, Oliver Pye, Wolfram Schaffar und Christa Wichterich, Münster (Verlag Westfälisches Dampfboot, 2009). Mehr Infos unter: www.globe-spotting.de/privatisation.html
  • “Water Makes Money”…
    Leslie Franke und Herdolor Lorenz
    Für den neuen Dokumentarfilm "Water Makes Money", der ab dem nächsten Jahr der Bewegung für das öffentliche Gut Wasser als Veranstaltungsmaterial dienen soll, suchen die Produzenten noch weitere Unterstützer/innen. Über 75.000 Euro sind bereits durch Spenden und Vorbestellungen zusammengekommen, etwa 90.000 Euro werden insgesamt benötigt um das Projekt realisieren zu können. Weitere Infos unter: www.watermakesmoney.com/de
  • Keeping communities clean. The church's response to sanitation and hygiene.
    (Für dauerhaft saubere Gemeinschaften. Der Beitrag der Kirchen zu besserer sanitärer Grundversorgung und Hygiene)
    Tearfund
    Tearfund-Partner mobilisieren Ortskirchen in aller Welt, um zusammen mit Gemeinschaften sanitäre Probleme zu lösen. Der Bericht dokumentiert anhand von Fallstudien aus Brasilien, Burkina Faso, Äthiopien, Kenia und Uganda die einzigartige Rolle, die Ortskirchen dabei spielen können, Hygienemaßnahmen und sanitäre Grundversorgung in armen Gemeinschaften einzuführen und aufrechtzuerhalten. Den vollständigen Bericht finden Sie auf Englisch unter www.tearfund.org/churchsanitation
  • Tackling Climate Change. Communities Making a Difference
    ACT International
    This publication outlines good practice in action, providing practical case studies of successful disaster risk reduction and climate change adaptation and mitigation projects implemted by ACT members or their partners around the world. The guide includes 14 case studies which describe local projects that range from renewable energy to controlling water in areas that have too little (or too much). Download publication.
  • The Story of Cap and Trade
    (Die Geschichte vom Handel mit Emissionsrechten)
    The Story of Stuff Project
    Ein leicht verständlicher und witziger Cartoon über den Emissionsrechtehandel (cap and trade). Auch wenn man nicht mit allem einverstanden ist, was gesagt wird, so liefert dieser Film zusammen mit seinem Vorgänger “The story of Stuff” (Die Geschichte vom Material) doch einen guten Ausgangspunkt für die weitere Reflexion und Diskussion. Schauen Sie selbst: http://storyofstuff.com/capandtrade
  • The Human Right to Water and Sanitation. Translating Theory into Practice
    (Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung. Theorie in Praxis umsetzen)
    Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)Diese Broschüre der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) stützt sich auf Erfahrungen aus Kenia. Daraus geht hervor, dass ein menschenrechtlicher Ansatz zu Wasser und sanitärer Grundversorgung erfolgreich vertreten werden und mit der Zeit allen Menschen und besonders den Armen nachhaltige Vorteile bringen kann. Download hier.
  • Exploring alternatives to privatization
    (Untersuchung von Alternativen zur Privatisierung)
    MSP is exploring and evaluating models of service delivery that are deemed to be successful alternatives to commercialization, in an effort to understand the conditions required for their sustainability and reproducibility. The new website features a diversity of publications and materials, from academic journal articles to video and audio documentaries. www.municipalservicesproject.org

5) Veranstaltungskalender

  • Konsultation über die Beteiligung des privaten Sektors an der Wasser- und sanitären Grundversorgung
    27. January 2010
    2010 wird die Unabhängige Expertin des UN-Menschenrechtsrates zum Recht auf Wasser und Sanitärversorgung einen Bericht über Menschenrechtsverpflichtungen im Kontext der Beteiligung des Privatsektors an der Bereitstellung von Wasser und sanitärer Grundversorgung ausarbeiten. Am 27. Januar 2010 wird dazu in Saal XXIII des Völkerbundspalastes eine öffentliche Konsultation stattfinden. Diejenigen, die an dieser Konsultation nicht teilnehmen können, sind eingeladen, uns bis spätestens zum 26. März 2010 ihre Ansichten mitzuteilen. Weitere Informationen
  • Heiliges Wasser 2010
    15. February – 4. April 2010
    Das Ökumenische Wassernetzwerk bereitet für 2010 weitere “Sieben Wochen für Wasser” vor - eine Zusammenstellung von wöchentlichen Meditationen für die sieben Wochen der Fastenzeit. Damit wollen wir im Kontext der Fastenzeit und des Weltwassertages am 22. März zur Bewusstseinbildung im Blick auf Wasser und Gerechtigkeit beitragen. Mit den “Sieben Wochen” im nächsten Jahr werden wir in “Heilige Wasser” eintauchen und uns mit den Verbindungen beschäftigen, die zwischen unserer liturgischen und unserer täglichen Verwendung von Wasser bestehen. Mehr Informationen unter oikoumene.org/7-wochen-fuer-wasser.

 


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