Newsletter des Ökumenischen Wassernetzwerkes (ÖWN), Nummer 3 / 2009 (Oktober 2009)
Den Newsletter des ÖWN gibt es auf
Englisch, Spanisch, Französisch, und Deutsch.
Inhalt:
1) Deutschlands Wasser-Fußabdruck unter der Lupe

- Der Import von Reis zählt ein Prozent des externen landwirtschaftlichen Wasser-Fußabdrucks Deutschlands. Der Blick auf die Erzeugerländer zeigt, dass diese über wenig Wasserressourcen verfügen und durch den Anbau ihren Natur- und Wasserhaushalt belasten.
Etwa die Hälfte des Wassers mit dem die in Deutschland konsumierten Produkte und Nahrungsmittel hergestellt werden stammt aus dem Ausland. Eine neue WWF-Studie zeigt an Beispielen aus Indien, Brasilien und weiteren Ländern die negativen Auswirkungen des deutschen Wasser-Fußabdrucks auf die Ökosysteme, sowie auch soziale und wirtschaftliche Bereiche.
Wasserintensive Baumwollprodukte machen zum Beispiel allein schon etwa neun Prozent des deutschen Wasser-Fußabdrucks aus und belasten und verschmutzen die Wasserressourcen in Ländern wie Indien, Türkei, Pakistan, Usbekistan, Bangladesch und China. „Da Usbekistan jährlich 3 km³ Baumwolle in die EU 25-Länder exportiert, sind diese rein rechnerisch zu 20 Prozent mit für die Austrocknung des Aralsees verantwortlich,“ stellt die Studie fest.
Neben Verbrauchern und Unternehmen richtet sich die Studie auch an die deutsche Bundesregierung. Gefordert wird, dass die deutsche Politik sich in der Entwicklungszusammenarbeit wesentlich stärker für eine nachhaltigere Bewirtschaftung von Wasserressourcen einzusetzen, auch in Ländern aus denen Deutschland seine Produkte importiert.
Weitere Informationen:
- WWF-Studie: Der Wasser-Fußabdruck Deutschlands. Woher stammt das Wasser, das in unseren Lebensmitteln steckt?
- Weitere Informationen zum virtuellen Wasser vom Verein Deutscher Gewässerschutz: http://www.virtuelles-wasser.de
2) Wasser-Volksbegehren in Berlin zulässig
Der Berliner Verfassungsgerichtshof hat am 6. Oktober entschieden, dass die Ablehnung des Volksbegehrens zur Offenlegung der Verträge zur Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe unzulässig sei.
Trotz der Unterstützung durch 36.000 Unterschriften war das Begehren des Berliner Wassertisches «Schluss mit den Geheimverträgen - Wir Berliner wollen unser Wasser zurück» im vergangenen Jahr vom Berliner Senat abgelehnt worden.
Das Verfassungsgericht stellte nun fest, dass es nicht Aufgabe des Senates sei, Volksbegehren im Vorfeld auf ihre Verfassungsmässigkeit zu prüfen, ausser wenn sie offenkundig gegen wesentliche Verfassungsprinzipien verstossen, was beim Wasserbegehren klar nicht der Fall sei.
Thomas Rudek vom Berliner Wassertisch begrüsste das Urteil als eine “Stärkung der Demokratie”.
Weitere Informationen:
- Berliner Wassertisch: www.berliner-wassertisch.net
3) Sanitäre Grundversorgung - eine Frage der Menschenwürde und der Menschenrechte
Die Unabhängige UN-Expertin zu Menschenrechtsverpflichtungen sowie Wasser und sanitärer Grundversorgung hat ihren Bericht zu sanitärer Grundversorgung und Menschenrechten auf der zwölften Sitzung des UN-Menschenrechtsrates vorgestellt.
In diesem Bericht schildert Catarina de Albuquerque, wie die sanitäre Grundversorgung für eine ganze Reihe von Menschenrechten von entscheidender Bedeutung ist, weil sie die Würde, Gesundheit, Bildung und andere grundlegende Lebensbereiche der Menschen betrifft.
Frau Albuquerque stellt fest, dass „die reine Betrachtung des Themas durch die Linse anderer Menschenrechte seinem besonderen Charakter und seiner Bedeutung für ein Leben in Würde nicht gerecht wird“. Die Expertin begrüßt daher die gegenwärtig vorherrschende Tendenz, sanitäre Grundversorgung als eigenständiges Recht anzuerkennen.
Sie betonte, die Regierungen seien verpflichtet, „auf Vermögen, Geschlecht oder Ort basierende Ungleichheiten“ zu beseitigen, und forderte Staaten und internationale Institutionen auf, der sanitären Grundversorgung in ihren Strategien und Budgets Priorität einzuräumen.
Weitere Informationen:
- Internetseite der Unabhängingen Expertin: http://www2.ohchr.org/english/issues/water/Iexpert
- Bericht zu Menschenrechtsverpflichtungen und sanitärer Grundversorgung (in Englisch, Spanisch und Französisch)
4) Ökumenischer Rat der Kirchen bezieht Position zu ökologischer Gerechtigkeit und ökologischen Schulden
Der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hat am Mittwoch, dem 2. September 2009, eine „Erklärung zu Öko-Gerechtigkeit und ökologischer Schuld“ angenommen. Die Erklärung legt nahe, dass Christinnen und Christen eine tiefe moralische Verpflichtung haben, ökologische Gerechtigkeit zu fördern, indem sie sich mit unserer Schuld bei den am meisten von der Umweltzerstörung betroffenen Menschen und bei der Erde selbst auseinandersetzen.
Die Erklärung führt die beispiellose ökologische Krise auf menschliches Handeln zurück, insbesondere auf den landwirtschaftlich-industriell-wirtschaftlichen Komplex und die Kultur des globalen Nordens, die sich durch einen konsumorientierten Lebensstil und die Sicht auf Entwicklung verstanden als Ausbeutung der sogenannten „natürlichen Rohstoffe“ der Erde auszeichnet. Die Kirchen werden aufgerufen, mit prophetischer Stimme dem Verständnis der heiligen Schöpfung als reine „Rohstoffe“ entgegenzutreten.
Weitere Informationen:
- Vollständiger Text der Erklärung
- Erklärung zu Öko-Gerechtigkeit und ökologischer Schuld (Presseerklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen, 2.09.2009)
5) Angriffe auf lutherische Kirche, die Wasserquellen in Guatemala schützt
(ALC 04.09.09) Der Ökumenische Christliche Rat Guatemalas meldet, dass in der Nacht des 3. September eine Gruppe Männer in ein Haus der Lutherischen Kirche in La Trementina, Zapaca, eingebrochen ist.
Der Rat bestätigt, dass zwar niemand zu Schaden gekommen sei, dass dieser kriminelle Akt aber eine eindeutige Bedrohung in Bezug auf die Unterstützung der Lutherischen Kirche für die lokale Bevölkerung darstelle. Kürzlich hatten sie die illegale Abholzung eines großen Waldgebietes in den Granadilla-Bergen in Zacapa, das die dortigen Wasserquellen schützt, und Unregelmäßigkeiten beim Bau dreier hydroelektrischer Projekte in Camotán und Jocotán in Chiquimula öffentlich angeprangert.
Seit letztem Jahr werden vermehrt Einschüchterungsversuche registriert. Pfarrer José Pilar Álvarez wurde im Januar 2009 unrechtmäßig für einen Tag festgenommen, und die Festnahme zwei weiterer Führungspersonen wurde angeordnet. Ein Richter erklärte die Anklagen für unbegründet.
Der Ökumenische Rat in Guatemala forderte die Behörden auf, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken, um die Unversehrtheit der religiösen und anderen Führungspersonen zu gewährleisten.
Weitere Informationen:
- Iglesia Luterana atacada otra vez por su labor en defensa de fuentes de agua (ALC 04.09.09)
- Nicaraguan churches demand the freeing of the Lutheran pastor arrested in Guatemala (Nicaraguanische Kirchen fordern die Befreiung eines lutherischen Pfarrers, der in Guatemala verhaftet wurde) (ALC 06.02.09)
- Lutheran ministers released (Lutherische Pfarrer frei) (ALC 11.02.09)
6) Von Stockholm nach Kopenhagen
Die Weltwasserwoche, ein jährliches globales Forum für Entscheidungsträger, Fachleute, Zivilgesellschaft und Wirtschaftsvertreter, fand vom 16. bis 22. August in Stockholm (Schweden) statt. Das diesjährige Thema lautete „Auf globale Veränderungen reagieren: Zugang zu Wasser für das allgemeine Wohl“.
In einer Botschaft an die Teilnehmenden des im Dezember in Kopenhagen stattfindenden Klimagipfels wurde gefordert, angemessen über die Themen Anpassung und Wasser nachzudenken. Die Botschaft erinnerte auch an die Notwendigkeit zusätzlicher Mittel zur Unterstützung verletzlicher Gruppen und Ökosysteme.
Anlässlich der Weltwasserwoche drückten Kirchen aus Schweden und Indien ihre Besorgnis über die Auswirkungen der Weltwasserkrise und die Behandlung von Wasser als Ware auf bereits verletzliche Gruppen aus. Die Schwedische Kirche und CASA (ein indisches Sozialhilfswerk) forderten die Regierungen auf, das Menschenrecht auf Wasser anzuerkennen und arme Länder nicht länger zur Privatisierung ihrer Wasservorkommen zu nötigen.
Weitere Informationen:
-
“Sauberes Wasser sollte ein Recht sein” – Schwedische und indische Kirchen bestehen auf universellem Recht auf sauberes Wasser (auf Englisch)
- Stockholmer Botschaft der Weltwasserwoche an COP15 (auf Englisch)
7) Tick, tick, tick... Der Countdown für Klimagerechtigkeit
Im Dezember 2009 soll auf dem Klimagipfel in Kopenhagen (COP15) ein internationales Abkommen für die Zeit nach 2012 beschlossen werden, wenn das Kyoto-Protokoll ausläuft. „Kirchen und die ökumenische Bewegung setzen sich mit ihren Partnern für ein gerechtes, ehrgeiziges und verbindliches Abkommen ein,“ sagt Guillermo Kerber, ÖRK-Projektverantwortlicher für den Klimawandel.
“Egal ob COP15 ein Erfolg wird oder nicht: Die Schwächsten werden auch weiterhin unter den Folgen des Klimawandels leiden, insbesondere durch die Wasserproblematik.“ Kerber betonte, es sei von entscheidender Bedeutung, weiterhin die Schwächsten dabei zu unterstützen, sich an den Klimawandel anzupassen, egal was in Kopenhagen beschlossen werde.
Der Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen, Pfr. Dr. Walter Altmann von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Brasilien, rief die Kirchen in der ganzen Welt auf, am Sonntag, dem 13. Dezember, ihre Glocken 350 Mal für Klimagerechtigkeit läuten zu lassen. Dieser Tag wird der Höhepunkt der Verhandlungen der Vereinten Nationen in Kopenhagen über den Klimawandel sein. Die Kirchen in Dänemark werden um 15:00 Uhr ihre Glocken läuten, wenn ein ökumenischer Festgottesdienst in der lutherischen Kathedrale Kopenhagens zu Ende geht, und Christinnen und Christen in der ganzen Welt sind eingeladen, ihrerseits 350 Mal Glocken zu läuten, Trommeln oder Gongs zu schlagen oder Hörner zu blasen.
Die Zahl 350 bezieht sich auf 350 Teile pro Million: Das ist laut Naturwissenschaftlern, Klimaexperten und fortschrittlichen Regierungen der sichere Grenzwert für CO2 in unsere Atmosphäre.
Weitere Informationen:
- Internetseite des ÖRK zu Klimagerechtigkeit
- 350 - Ressourcencenter: www.350.org/de/ressourcen
- Ökumenische Kampagne „Countdown bis Kopenhagen“ www.countdowntocopenhagen.org
- Tick, Tick, Tick: Erheben auch Sie Ihre Stimme in dem weltweiten Aufruf zu einem gerechten, ehrgeizigen und verbindlichen Klimaabkommen http://tcktcktck.org
- Inter-religious call to climate action ahead of UN summit (ÖRK 21.09.09)
8) Neue Materialien
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Bericht über die Millenniumsziele 2009
Weniger als sechs Jahre vor dem Zieljahr 2015 warnt der Bericht, dass trotz vieler Erfolge der allgemeine Fortschritt zu langsam vor sich geht, um die meisten Milleniumsziele noch bis 2015 zu erreichen. Große Fortschritte im Kampf gegen Armut und Hunger haben sich aufgrund der weltweiten Wirtschafts- und Nahrungskrise verlangsamt oder sind sogar zurückgegangen. Verfügbar auf Englisch, Spanisch und Französisch. http://mdgs.un.org/unsd/mdg -
Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung in Notfällen. Rechtlicher Rahmen und Anleitung zur Fürsprache
Globaler WASH-Cluster
Wasser und sanitäre Grundversorgung sind kritische Aspekte für Überleben und Menschenwürde direkt nach und während einer Naturkatastrophe. Humanitäre Organisationen sind traditionell in diesem Bereich aktiv; jetzt spielt Fürsprache eine zunehmende Rolle in der Bereitstellung von Wasser und sanitärer Grundversorgung in Notfällen. Dieses Handbuch wurde erstellt, um die Bandbreite und den Inhalt des Rechtes auf Wasser und sanitäre Grundversorgung zu definieren und um die Fürsprache und die Umsetzung dieses Rechtes in einem humanitären Kontext zu unterstützen. Sie können es hier herunterladen: http://www.humanitarianreform.org/Default.aspx?tabid=734 (nur auf Englisch) -
Nachhaltige und sichere sanitäre Grundversorgung in Schulen
WECF – Frauen in Europa für eine gemeinsame Zukunft
Diese Publikation basiert auf den Erfahrungen der WECF und ihrer Partner, wie ein hygienisches und günstiges Abwassersystem in Gegenden ohne bestehende Abwassersysteme geschaffen werden kann. Die Modelle werden auch im suburbanen Raum umgesetzt, beispielsweise in Osteuropa, im Kaukasus und in Zentralasien. Download hier (nur auf Englisch) -
Online-Hilfe für nachhaltige Planung von sanitären Einrichtungen
NETTSAF
Diese Anleitung erläutert einen siebenstufigen Ansatz für eine partizipatorische Planung (PP) von sanitären Einrichtungen. Für ein besseres Verständnis gibt es in jedem Schritt ausgewählte Fragen und Antworten, Fallstudien, Links zu weiteren Informationen und Möglichkeiten, um die partizipatorische Planung vor Ort konkret umzusetzen. http://www.netssaftutorial.com
9) Veranstaltungskalender
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Blauer Oktober
Oktober 2009
Der Blaue Oktober ist ein Monat der internationalen Kampagne gegen die Kontrolle der Konzerne über Wasserressourcen und zum Schutz von Wasser als gemeinsamer natürlicher Rohstoff für alle. http://www.blueoctobercampaign.org/wordpress/?page_id=24. -
UNFCCC – Klimaverhandlungen in Barcelona
2 - 6 November 2009
Bei diesem Treffen in Barcelona wird der Text des Abkommens verhandelt, dass im Dezember in Kopenhagen beschlossen werden soll. Im Rahmen der Konferenz organisiert das “Global public policy network on water management” (GPPN) am 3. November einen “Wassertag” bei dem es vor allem um Anpassung an den Klimawandel und Wasser gehen wird: http://gppn.stakeholderforum.org. -
Welttoilettentag
19. November 2009
Ein Tag, um die einfache und doch so wichtige Toilette zu feiern und ein Bewusstsein für die weltweite Krise der sanitären Grundversorgung zu wecken. Weitere Informationen und Möglichkeit zum Registrieren bzw. zum Finden von Veranstaltungen: http://www.worldtoiletday.com -
UN-Klimakonferenz 2009 (COP15)
7.-18. Dezember 2009
Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen will die Staatengemeinschaft ein neues internationales Klimaabkommen für die Zeit nach 2012 aushandeln, wenn das Kyoto-Protokoll ausläuft.
Offizielle Internetseite: http://en.cop15.dk
www.countdowntocopenhagen.org
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