Newsletter des Ökumenischen Wassernetzwerkes (ÖWN), Nummer 2 / 2009 (Mai 2009)
Den Newsletter des ÖWN gibt es auch auf
Englisch, Spanisch und Französisch
Inhalt:
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1) Weltwasserforum endet für viele mit Enttäuschung
„Die offizielle Abschlussdeklaration des Weltwasserforums ist größtenteils eine Ansammlung von unverbindlichen Plattitüden und nicht der dringend notwendige Aktionsplan“, lautete der Kommentar von Martin Geiger vom World Wide Fund for Nature (WWF) zu den Ergebnissen des Forums, das im März in Istanbul stattfand.
Nach Meinung von Dr. Mark Smith, dem Leiter des Wasserprogramms der Weltnaturschutzunion (IUCN), „haben sich die thematischen und technischen Sitzungen als sehr dynamisch erwiesen“. Er räumte jedoch ein, dass der politische Prozess schwierig gewesen sei. Eine Reihe von Regierungen hätten ihre Besorgnis darüber geäußert, dass die in der Erklärung geforderten Verpflichtungen nicht ausreichten, um Lösungen für die Wasserkrise zu finden.
Andere Organisationen brachten ihre Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass die ministerielle Erklärung den Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung nicht als Menschenrecht anerkannt, sondern nur von einem „menschlichen Grundbedürfnis“ gesprochen habe. Mehr als siebzig zivilgesellschaftliche Organisationen, unter ihnen auch das Ökumenische Wassernetzwerk (ÖWN), hatten im Vorfeld eine Erklärung unterzeichnet, in der sie sich für die Aufnahme des Menschenrechts auf Wasser und Sanitärversorgung in den Text der ministeriellen Erklärung aussprachen.
Mehrere Regierungen waren mit der fehlenden Anerkennung des Menschenrechts auf Wasser in der Ministerdeklaration nicht einverstanden und brachten ihre Überzeugung in einer ergänzenden Erklärung zum Ausdruck: „Wir erkennen an, dass der Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung ein Menschenrecht ist, und verpflichten uns, alle notwendigen Schritte zur progressiven Umsetzung dieses Rechts zu unternehmen.“
Nach Informationen des Informationsnetzwerks für Kinderrechte (Child Rights Information Network) wurde diese zusätzliche Erklärung von Bolivien, Uruguay, Spanien, Guatemala, Ecuador, Kuba und Chile angenommen und von Bangladesch, Benin, Tschad, Äthiopien, Honduras, Marokko, Namibia, Niger, Panama, Venezuela, Sri Lanka, der Schweiz und Südafrika unterstützt.
Weitere Informationen:
Lesen Sie die ministerielle Erklärung und die Erklärung der zivilgesellschaftlichen Organisationen (Freshwater Action Network, auf Englisch)
Erklärung des Weltwasserforums bleibt hinter internationalem Konsens zurück (ÖWN, 25.03.2009)
2) Brasilianische Kirchen bekennen sich zu ihrer Verantwortung für den Schutz des Wassers als Allgemeingut
„Die Kirche in Brasilien ist sich ihrer Pflicht, Wasser als öffentliches Gut und Menschenrecht zu schützen, bewusst“, erklärte P. Nelito Nonato Dornelas von der Nationalen Bischofskonferenz von Brasilien (CNBB) auf dem Ökumenischen Wasserforum, das am 26. Januar in Belém, Brasilien, stattfand.
Einen Tag vor Beginn des Weltsozialforums bekannten sich der Nationalrat christlicher Kirchen in Brasilien (CONIC) und die CNBB, die das Ökumenische Wasserforum organisiert hatten, auch zur Verantwortung der christlichen Kirchen für die Heranbildung engagierter Menschen in Kirche und Gesellschaft, die dazu beitragen, eine „andere Welt möglich zu machen“.
Zu den Vorschlägen der Teilnehmenden am Ökumenischen Wasserforum für eine stärkere Zusammenarbeit zählte, dass Kirchen und soziale Bewegungen ihre praktischen Erfahrungen mit dem Schutz des Wassers über CONIC und CNBB an die Unabhängige Expertin des UN-Menschenrechtsrates zum Recht auf Wasser und Sanitärversorgung beim UN-Menschenrechtsrat weiterleiten sollten.
Weitere Informationen:
Kirchen in Brasilien stehen zu ihrem Engagement für das Menschenrecht und Allgemeingut Wasser (ÖWN, 3.2.2009)
Brazilian churches oppose the privatization of water (ENI, 2.2.2009)
Abschlusserklärung: Charta von Belém (auf Portugiesisch)
Ökumenische Erklärung zum Wasser als Menschenrecht und öffentliches Gut (pdf, 78 KB)
3) Wasser und Sanitärversorgung auf der Agenda des Menschenrechtsrates
Während der 10. Tagung des Menschenrechtsrates im März 2009 legte Catarina de Albuquerque, die Unabhängige Expertin des Rates für Wasser und Sanitärversorgung, die ihr Mandat im November 2008 übernommen hat, ihren ersten Bericht vor.
Sie schildert darin die Vorgeschichte, die zur Erteilung des Mandats geführt hat, und beschreibt den „thematischen Ansatz“ ihrer Arbeit, in deren Mittelpunkt jedes Jahr ein anderes Thema stehen wird. Die Unabhängige Expertin bestätigte, dass sie sich im ersten Jahr ihrer Mandatsausübung auf die Frage der Sanitärversorgung und die Ausarbeitung von Kriterien für die Ermittlung „guter Praktiken“ konzentrieren wolle.
De Albuquerque wies darauf hin, dass die Sicherstellung des Zugangs zu sanitärer Grundversorgung trotz des damit verbundenen enormen Nutzens nach wie vor das am stärksten vernachlässigte und vergessene Millenniumsentwicklungsziel darstelle. Es sei wichtig, fügte sie hinzu, Regierungen und anderen Akteuren klar zu machen, dass die sanitäre Grundversorgung mit menschenrechtliche Verpflichtungen verbunden sei, und gleichzeitig Informationen über gute Praktiken weiterzugeben, um die Staaten zu ermutigen, Maßnahmen zur Erfüllung ihrer Pflichten zu ergreifen.
Auf die Frage nach ihren künftigen Plänen antwortete die Unabhängige Expertin, dass sie im zweiten Jahr ihres Mandats die Rolle des Privatsektors wie auch die Beziehung zwischen dem Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung und dem Klimawandel untersuchen wolle.
Im Anschluss an die Vorlage ihres Berichts organisierte de Albuquerque eine erste Konsultation zur Frage der Menschenrechte und sanitären Grundversorgung, die am 29. April in der UNO in Genf stattfand und an der Vertreter/innen von mehr als vierzig Ländern und mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen teilnahmen. Viele begrüßten ausdrücklich die Arbeit der Unabhängigen Expertin und ihre Entscheidung, sich zu Beginn ihres Mandats auf die Frage der Sanitärversorgung zu konzentrieren.
Das Ökumenische Wassernetzwerk bekräftigte in einer Erklärung, dass die Anwendung von Menschenrechtsprinzipien, wie Nichtdiskriminierung und Gleichstellung der Frau, Mitbestimmung und besondere Unterstützung der am stärksten gefährdeten und traditionell benachteiligten Personengruppen, im Bereich der Sanitärversorgung von entscheidender Bedeutung sei.
Die Unabhängige Expertin forderte dazu auf, weitere Beiträge zur Frage der Sanitärversorgung einzureichen. Diese müssten bis spätestens 1. Juni 2009 eingehen, damit sie in ihrem nächsten Bericht vor dem Menschenrechtsrat berücksichtigt werden könnten.
Weitere Informationen:
Bericht der Unabhängigen Expertin (A/HRC/10/6) in englischer Sprache
Mündliche Stellungnahmen und ein Video mit den Schlussbemerkungen der Unabhängigen Expertin anlässlich der 10. Sitzungsperiode des Menschenrechtsrates können Sie im Extranet of the Human Rights Council verfolgen. Kostenlose Anmeldung unter www2.ohchr.org/english/bodies/hrcouncil/form.htm
Beiträge von Vertretern/innen des Ökumenischen Wassernetzwerks und anderer Organisationen in der Konsultation über Sanitärversorgung
Website der Unabhängigen Expertin: www2.ohchr.org/english/issues/water/iexpert
4) Erste Tagung der ÖWN-Steuerungsgruppe

- Mitglieder der ÖWN-Steuerungsgruppe: (v.l.n.r.) Rogate Mshana (Ökumenischer Rat der Kirchen), Roberto Kirchheim (Lateinamerikanischer Rat der Kirchen, CLAI), Asa Elfstrom (Schwedische Kirche), Michael Windfuhr (Brot für die Welt), Dinesh Suna (CASA, Indien). Nicht im Foto: Fredrik Glad-Gjernes (Norwegian Church Aid), Arthur Shoo (Gesamtafrikanische Kirchenkonferenz), Rajyashri Waghray (Church World Service, USA). (c) Gorsboth/ÖWN
Die Mitglieder der neu gewählten Steuerungsgruppe des Ökumenischen Wassernetzwerks kamen vom 6.-7. April in Genf, Schweiz, zu ihrer ersten Tagung zusammen.
Die neu eingerichtete Gruppe war im Oktober 2008 auf der Tagung der ÖWN-Teilnehmenden bestätigt worden. Sie erhielt das Mandat, die von den Teilnehmenden identifizierten Herausforderungen und Ziele in konkrete Strategien und einen Arbeitsplan für das Ökumenische Wassernetzwerk umzusetzen. Allgemein gesprochen, besteht die Aufgabe der Steuerungsgruppe darin, die Arbeit des Netzwerks zu erleichtern und dem ÖWN-Sekretariat Orientierungshilfe zu bieten.
Die Mitglieder der Gruppe stehen in regelmäßigem E-Mail-Kontakt miteinander und haben bereits eine Reihe von Telekonferenzen abgehalten, aber seit Einrichtung der Steuerungsgruppe im Oktober 2008 war es das erste Mal, dass sie zu einer intensiven Diskussion über die Strategien des ÖWN und einen zukünftigen Aktionsplan zusammenkamen. Ein Bericht über die Ergebnisse dieser Tagung wird demnächst an die Teilnehmer des Netzwerkes verschickt.
5) Neue Materialien
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Wasser auf Abwegen. Die Privatisierung der Wasserversorgung in China auf dem Prüfstand
Asienstiftung / Xinjiang Conservation Fund
Die Studie stellt dar, wie die Trinkwasserversorgung in China immer stärker unter die Kontrolle chinesischer und internationaler Unternehmen gerät. Sie beschreibt, welche Folgen sich aus dieser Politik der chinesischen Regierung für die Bevölkerung ergeben und entwickelt Vorschläge für einen Kurswechsel. Mehr Informationen unter http://eu-china.net/web/cms/front_content.php?idcat=4&idart=1122 Über Wasser
"Über Wasser" erzählt in drei Geschichten von der existentiellen Bedeutung des Wassers für die Menschheit. Im überfluteten Bangladesch, wo aus Häusern Boote werden, in der Steppe Kasachstans, wo Fischerdörfer nach dem Verschwinden des Aralsees plötzlich in einer Wüste stehen, und in den dichtbesiedelten Slums von Nairobi, wo Trinkwasser zur Ware und zu einer Frage von Leben und Tod wird. Die DVD kann jetzt beim Evangelischen Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (EZEF) gekauft oder bei allen Evangelischen Medienzentralen kostenlos ausgeliehen werden.Treffen der Teilnehmenden des Ökumenischen Wassernetzwerks 2008
Ökumenisches Wassernetzwerk
Im Oktober 2008 kamen 30 Vertreter/innen von Kirchen und ökumenischen Partnern aus 19 Ländern in Bossey, Schweiz, zur ersten allgemeinen Tagung der Teilnehmenden und Partner des Ökumenischen Wassernetzwerks zusammen. Gemeinsam prüften sie, was bisher erreicht wurde, und erörterten zukünftige Strategien des ÖWN. Die Arbeitsprinzipien des Netzwerks und eine neue Steuerungsgruppe wurden bestätigt. Der Tagungsbericht fasst die Diskussionen und Ergebnisse des Treffens zusammen. Download (auf Englisch) hier.-
Let Justice roll down like waters. Faith-based advocacy and water for all. Maseru, Lesotho (Konferenzbericht)
Ökumenisches Wassernetzwerk
In Lesotho steht beim Wassermanagement vor allem der Bau großer Dämme im Vordergrund, um Wassertransfer in großem Maßstab zu ermöglichen. Dabei handelt es sich ganz offensichtlich um eine politische Option, die in ganz Afrika an Bedeutung gewinnt. Sie wird als Möglichkeit propagiert, Wasser und Energie für die dringend benötigte wirtschaftliche Entwicklung bereitzustellen. In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass so groß angelegte Projekte häufig beträchtliche negative Auswirkungen auf die betroffenen Gemeinschaften und die Umwelt haben. Download (auf Englisch) hier. -
Water to the People. Drinking Water and Water for Livelihoods.
Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) der Evangelischen Kirchen in Deutschland / Centre for World Solidarity (CWS)
Diese englischsprachige Studie dokumentiert typische Konflikte um Wasser in Indien und schlägt anhand von Fallbeispielen Lösungen vor. Download (auf Englisch) hier. -
Dealing with our own sewage: Spirituality and Ethics in the Sustainability Agenda
Steve de Gruchy, School of Religion and Theology, Universität von KwaZulu-Natal, Südafrika
„Nachhaltigkeit“ (sustainability) ist lediglich ein weiteres Modewort, gegen das niemand, nicht einmal George Bush, etwas einwenden kann. Jeder versteht darunter, was er will, und deshalb bedeutet es nichts mehr. Unser Konzept von Nachhaltigkeit muss in der materiellen Lebenswirklichkeit von Menschen in ihrem Kampf ums Überleben gründen. Deshalb müssen wir ganz unten ansetzen, bei dem, was das Leben heute bedroht, beim Abwasser. (…) Wie können wir gleichzeitig auf den Schrei der Armen und den Schrei der Erde reagieren, ohne sie - zu Lasten beider - gegeneinander auszuspielen?“ Dokument herunterladen (auf Englisch) -
Making Sustainable Sanitation work for women and men – integrating a gender perspective into sanitation initiatives
Women in Europe for a Common Future (WECF)
Diese Veröffentlichung liefert Hintergrundinformationen zur drängenden Problematik der Einbeziehung der Genderperspektive in die Bemühungen um den Ausbau sicherer und nachhaltiger Sanitärsysteme. Sie zeigt Wege auf, wie Gendergerechtigkeit in diesem Sektor erreicht werden kann. Download unter http://www.wecf.eu/english/publications/2009/genderandsanitation.php (auf Englisch) -
World Water Development Report: Water in a Changing World
Programm zur Bewertung der internationalen Wasseressourcen
Dieser Bericht legt u. a. dar, dass wichtige Entscheidungen zum Wassermanagement außerhalb des Wassersektors getroffen und von externen, weitgehend unvorhersehbaren Entwicklungen beeinflusst werden – demographische Entwicklungen, Klimawandel, globale Wirtschaft, sich verändernde gesellschaftliche Werte und Normen, technologische Innovationen, Gesetze und Bräuche, Finanzmärkte. Viele dieser externen Einflussfaktoren sind dynamischer Natur und der Wandel vollzieht sich immer schneller. Weitere Informationen und Download des Berichts unter http://www.unesco.org/water/wwap/wwdr/wwdr3 (auf Englisch)
6) Kommende Veranstaltungen
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Leinen los! Segeltour mit Zuversicht
Mai – September
Im Jubiläumsjahr von Brot für die Welt organisieren das Diakonische Werk Schleswig-Holstein und die Nordelbische Kirche eine Reise mit dem Traditionssegler Zuversicht entlang der Nord- und Ostseeküste. Mit dem Motto: „Es ist genug für alle da! Klimawandel-Wasserwandel-Lebenswandel“ macht die Segeltour auf die globalen Zusammenhänge der Lebenschancen aller Menschen aufmerksam. Mehr Informationen auf der Homepage des Ökumenischen Wassernetzwerkes: wasser.oikoumene.org -
Weltwasserwoche
16.-22. August 2009, Stockholm, Schweden
Die Weltwasserwoche wird vom Stockholm International Water Institute (SIWI) ausgerichtet und organisiert und stellt eine der größten, regelmäßig stattfindenden internationalen Tagungen von Wasserexperten/innen dar. Das für 2009 ausgewählte Thema lautet Responding to Global changes – Accessing Water for the Common Good. Offizielle Website (auf Englisch): www.worldwaterweek.org -
Wasser als Menschenrecht: Näher dran an der Gerechtigkeit?
18 August 2009, Stockholm, Schweden
Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung werden heute von vielen Ländern als Menschenrechte anerkannt. Wie kann das Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung dabei helfen, bezahlbaren Zugang für alle zu schaffen? Die Unabhängige Expertin am UN-Menschenrechtsrat, Catarina de Albuquerque, wird ihre bisherigen Ergebnisse vorstellen, auf einer Veranstaltung organisiert im Rahmen der Weltwasserwoche von dem Swedish Water House Cluster Group on Water and Rights, der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (SLU) und der Schwedischen Kirche. -
Die drängende Sehnsucht der Schöpfung - Ökologie und Ökonomie
20.-23. August 2009, Limerick, Irland
Ein Kongress der Europäischen Gesellschaft für katholische Theologie. Beiträge können bis spätestens zum 1. Juni eingereicht werden. Weitere Informationen unter http://www.mic.ul.ie/theology/ESCT/German/Conference_ger.html
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